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Investitionsstopps gefährden Ölversorgung

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Investitionsstopps gefährden Ölversorgung

28.03.2009, 10:22 Uhr | Financial Times Deutschland

Steigt der Ölpreis bald wieder dramatisch an? (Quelle: imago) Steigt der Ölpreis bald wieder dramatisch an? (Quelle: imago)Der Ölpreis stabilisiert sich bei 50 Dollar. Doch zahlreiche Experten fürchten, dass es zu einem sprunghaften Preisanstieg kommt. Der Grund: Die Industrie stoppt laut einer Analyse zahlreiche Förderprojekte - und begeht denselben Fehler wie in den 80er-Jahren.

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Versorgungsengpässe möglich

Investitionskürzungen der großen Ölkonzerne könnten mittelfristig zu einem Versorgungsengpass führen: Nach Einschätzung der Beratungsgesellschaft Cambridge Energy Research Associates (Cera) besteht derzeit die Gefahr, dass Projekte mit einem Gesamtvolumen von 7,6 Millionen Barrel (je 159 Liter) täglich verzögert beziehungsweise ganz auf Eis gelegt werden. Die globale Förderkapazität würde 2014 dann bei 101,4 Millionen Barrel täglich liegen, heißt es in einer Studie. Zuvor war Cera von 109 Millionen ausgegangen.



Experten rechnen mit Anstieg des Ölpreises

In den vergangenen Wochen mehrten sich die warnenden Stimmen, dass der tiefe Fall des Ölpreises von 147 Dollar im Juli auf derzeit rund 50 Dollar nicht von Dauer sei - und die Notierungen wieder rapide anziehen könnten, sobald der Abschwung der Weltwirtschaft gestoppt sei. Zu den Skeptikern zählt neben Nobuo Tanaka, dem Vorsitzenden der Internationalen Energieagentur (IEA), auch Total-Chef Christophe de Margerie. Letzterer zog sogar in Zweifel, dass die Industrie in den kommenden zehn Jahren 90 Millionen Barrel täglich fördern könnte. Dieser Wert ist bereits fast erreicht: Laut der IEA liegt das globale Angebot bei rund 85 Millionen Barrel.

OPEC will Überproduktion abbauen

Schon jetzt beginnt die Stimmung auf dem Ölmarkt zu drehen. Die Organisation Erdöl exportierender Länder (OPEC) entschied, die Förderung seit September um 4,2 Millionen Barrel täglich zu drosseln. Mehr als 80 Prozent sind davon bereits umgesetzt. Nach Schätzung der Beratungsfirma Oil Movements liefert das Kartell in den vier Wochen zum 11. April nur noch 22,2 Millionen Barrel täglich. Das sind 770.000 Barrel pro Tag weniger als in den vier Wochen zuvor und der niedrigste Wert seit fünfeinhalb Jahren. "Die OPEC scheint also tatsächlich dem Versprechen nachzukommen, die Überproduktion abzubauen", sagt Eugen Weinberg, Rohstoffexperte der Commerzbank.

Erinnerungen an die 80er-Jahre

Am Freitag kostete US-Rohöl der Sorte West Texas Intermediate zur Lieferung im Mai 53,65 Dollar je Barrel. Am Donnerstag hatten die Notierungen mit 54,6 Dollar den höchsten Stand seit vier Monaten erreicht. Ölterminkontrakte notieren derzeit mit einem satten Aufschlag zum Spot-Preis, was darauf hindeutet, dass mit steigenden Preisen gerechnet wird. Analysten fühlen sich angesichts der Investitionsstopps und Sparprogramme der Industrie an die 80er-Jahre erinnert. "Die Ankündigungen der Unternehmen legen nahe, dass sich die Industrie auf den tiefen Ölpreis zur sofortiger Lieferung konzentriert, die langfristigen Preiserwartungen aber ausblendet. Sie wiederholt damit die Fehler aus den 80er- und 90er-Jahren. Allerdings in einem schnelleren Tempo", sagt Paul Horsnell, Ölexperte bei Barclays Capital. In den beiden Jahrzehnten vor der Jahrtausendwende stoppten die Unternehmen wegen des Ölpreisverfalls Projekte, was aus Sicht der Analysten die Preisrally zum Anfang des 21. Jahrhunderts auslöste.



Nachfrageeinbruch wird abgebremst

Abgesehen von den Förderkürzungen und Projektstopps kommt unterstützend hinzu, dass sich der Nachfrageeinbruch abbremst. Laut der jüngsten Jodi-Statistik - Jodi ist eine Initiative zur Datentransparenz, die maßgeblich von der OPEC vorangetrieben wird - gab es im Januar in den Industrieländern mit Ausnahme der Vereinigten Staaten keinen Lageraufbau, in der Region Asien/Pazifik erlebte sogar ein Abbau um sieben Millionen Barrel gegenüber dem Vorjahr.


Benzinnachfrage stabilisiert sich

In den Vereinigten Staaten, dem größten Ölverbraucher der Welt, gibt es wiederum erste Anzeichen, dass sich die Benzinnachfrage stabilisiert. Nach Angaben der Statistikbehörde des US-Energieministeriums EIA kletterte der Vierwochendurchschnitt von 8,7 Millionen Barrel Ende Januar auf 9,06 Millionen Barrel Mitte März. Das spiegelt sich in den Preisen wider: Der Durchschnittspreis erhöhte sich vergangene Woche um 5 Cent auf 196,2 Cent je Gallone (3,78 Liter). Das ist der größte Anstieg des Jahres seit Anfang Februar.

Die Spekulanten kehren zurück

Die veränderte Situation bleibt der Finanzbranche nicht verborgen: Spekulanten kehren an den Markt zurück. Nicht nur legten die Netto-Kaufpositionen von Hedge Fonds und anderen Investoren an der New Yorker Warenterminbörse Nymex zuletzt wieder deutlich zu. Auch andere Anlageinstrumente gewinnen an Attraktivität. Laut Barclays Capital werden die Zuflüsse in börsengehandelten Rohstoffinstrumenten im ersten Quartal 2009 bei 19 Milliarden Dollar liegen. Das wäre bereits vie Milliarden Dollar mehr als im Gesamtjahr 2008.

Geldpolitik der Banken schürt Inflationsängste

Nicht nur fundamentale Angebots- und Nachfragefaktoren dürften dabei eine wichtige Rolle spielen: Die aggressive Geldpolitik der Notenbanken schürt Inflationsängste, die die Anleger in "physische" Vermögenswerte wie Öl und Edelmetalle treiben. Der Einstieg könnte sich laut Barclays Capital lohnen: In den vergangenen 38 Jahren, als der Rohstoffindex S&P GSCI in einem Monat mehr als zehn Prozent einbüßte - das war 63 Mal der Fall -, hätten Investoren mit Rohstoffinvestments in 60 Fällen eine Rendite von jährlich elf Prozent erzielt, wenn sie für fünf Jahre engagiert gewesen wären.


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Quelle: t-online.de

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