18.02.2010, 13:43 Uhr | Financial Times Deutschland
Geld (Foto:Archiv) Immer mehr institutionelle Investoren entdecken Hedge Fonds, um ihr Portfolio breiter aufzustellen und absolute Erträge zu erzielen. Viele Privatanleger dagegen meiden die alternative Anlageklasse – trotz zuletzt starker Performance.
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Hedge Fonds gehören dazu
Die gute Nachricht vorweg: Alternative Investments wie Hedge Fonds und Private Equity sind aus der Investmentstrategie vieler institutioneller Anleger in Europa nicht mehr wegzudenken. Wie eine aktuelle Studie von JP Morgan Asset Management ergab, fallen durchschnittlich 13 Prozent des Portfolios auf alternative Anlageklassen, allen voran Hedge Fonds. Und rund zwei Drittel der befragten Pensionsfonds und Versicherungsgesellschaften, die bereits Erfahrungen mit Hedge Fonds Investments Hedge Fondsmacht haben, wollen ihre Anlagen aufstocken. "Immer mehr Anleger verinnerlichen den Absolute-Return-Gedanken und entdecken dabei Hedge Fonds", sagt Ahmet Peker, Hedge Fonds-Experte bei der Deka Investment. "Speziell institutionelle Investoren erweitern somit das Spektrum um eine weitgehend unkorrelierte Asset-Klasse."
Hedge Fonds könnten zu mehr Stabilität im Depot führen
War bislang für viele noch das Renditepotenzial Treiber für alternative Anlagen, so steht für die meisten Investoren jetzt das Thema Diversifikation im Mittelpunkt. "Immer mehr Investoren erkennen den Nutzen von Hedge Fonds an", sagt auch Michael Busack, Geschäftsführer der unabhängigen Consulting-Firma Absolut Research aus Hamburg und Vorstand des Bundesverbands Alternative Investments (BAI). "Vor allem auf institutioneller Seite tut sich da einiges." Denn gerade die Finanzkrise der vergangenen Monate habe gezeigt, dass Hedge Fonds zu mehr Stabilität in ein klassisches Aktien-Renten-Depot führen könnten. "Außerdem sind viele Anleger unsicher, wie es an den Aktien- und Zinsmärkten weitergeht. Drei bis vier Prozent Rendite pro Jahr sind vielen Investoren zu wenig", sagt Busack.
Nur wenige Privatanleger investieren in Hedge Fonds
Die vergangenen Monate haben gezeigt, dass Hedge Fonds in der Lage sind, schlechte Marktlagen wie die Subprime-Krise gut zu überstehen. Trotz der negativen Ergebnisse im Juli und August verzeichnet der strategieübergreifende Index von Hedge Fund Research seit Jahresbeginn eine ansehnliche Performance von über zwölf Prozent. An den deutschen Privatanlegern geht dieser Trend zur Diversifikation jedoch weiterhin weitestgehend vorbei. Seit Anfang 2004 können Anleger hierzulande in Dach-Hedge Fonds investieren. Doch das Volumen ist weiterhin gering. Knapp 2,2 Milliarden. Euro haben Anleger laut Statistik des Branchenverbands BAI mittlerweile in Dach-Hedge Fonds nach deutschem Recht investiert. Damit ist Deutschland weiterhin ein Entwicklungsland in Sachen Hedge Fonds. Denn weltweit verwaltet die Branche umgerechnet gut 1220 Milliarden Euro.
Rigide Transparenzanforderungen
In diesem Jahr wurden die deutschen Single-Fonds von Arsago, GLG sowie zwei von Ampega geschlossen beziehungsweise aufgelöst. Und mit Cominvest, Pioneer und ABN Amro haben bereits drei namhafte Gesellschaften ihre Dach-Hedge Fonds wegen Erfolglosigkeit wieder eingestellt. Das Angebot an Zielfonds, die den strengen deutschen Richtlinien entsprechen, sei viel zu gering, nennen die Investmentgesellschaften die rigiden deutschen Transparenzanforderungen als Hauptproblem.
Anleger setzen auf Zertifikate
Die meisten Anleger entscheiden sich deshalb weiterhin für Zertifikate. Rund 26 Milliarden Euro haben Anleger hierzulande aktuell in Hedge Fonds-Zertifikate investiert, schätzt der BAI. Während Zertifikate hinsichtlich ihrer Liquidität beziehungsweise Handelbarkeit Vorteile besitzen und auch aufgrund ihrer wesentlich längeren Historie verlässlicher beurteilt werden können, punkten Dach-Hedge Fonds in Sachen Transparenz. Ein weiterer Vorteil von Dachfonds-Konstruktionen: Sie sind aktiv gemanagt, das heißt, der Fondsmanager kann je nach Marktlage die verschiedenen Strategien anders gewichten. Im Gegensatz dazu bilden die meisten Zertifikate passive Indizes ab.
Komplizierte Produkte
Dass hierzulande nur die wenigsten Privatanleger einen Dach-Hedge Fonds im Depot haben, führt Peker vor allem auf die Komplexität der alternativen Asset-Klasse zurück. "Hedge Fonds sind schwierig zu verstehen. Es handelt sich zudem um einen Sammelbegriff, hinter dem sich sehr viele verschiedene Strategien und Investmentstile verstecken." An der Wertentwicklung kann die schwache Nachfrage eigentlich nicht liegen: "Die jüngsten Daten zeigen eindeutig, dass sich Hedge Fonds trotz der Subprime-Krise in diesem Jahr sehr gut gehalten haben", sagt Experte Busack. Die Industrie habe die Krise hervorragend verdaut. "Lediglich einige Produkte liefen schlecht, was aber bei einer Anzahl von rund 9000 Fonds weltweit nicht verwundert", sagt Busack.
Geringes Angebot von Hedge Fonds
Ungeachtet der positiven Wertentwicklung ist das Angebot an Hedge Fonds nach deutschem Recht immer noch gering. Anleger haben die Wahl zwischen knapp 50 Produkten, einige Fonds mussten wegen zu schwachen Volumens sogar wieder aufgelöst werden. Dagegen gibt es mehr als 200 Hedge Fonds-Zertifikate - und die Palette wächst ständig.
Das Ziel heißt: Absoluter Ertrag
Auf Jahressicht haben die breiten Indizes deutlich zugelegt. So ist der Credit Suisse/Tremont Hedge Fund Index seit Jahresanfang um 13,4 Prozent gestiegen und damit stärker als viele andere Asset-Klassen. "Gerade in diesen Zeiten sollte sich der Privatanleger überlegen, ob er nicht einen Teil seiner Börsengewinne in alternative Anlagen, sprich Dach-Hedge Fonds, umschichten soll", sagt Andreas Benz vom Schweizer Hedge Fonds-Experten Eucalyptus. Viele Hedge Fonds sind in erster Linie defensiv ausgerichtet. Das Ziel ist es, absolute Erträge zu erzielen, also selbst in schwachen Marktphasen nicht in die Verlustzone zu geraten. Deshalb gelten Hedge Fonds als wichtiger Stabilisator im Depot. Die Abgeltungsteuer könnte der Branche einen Schub geben. "Wie bei Dachfonds allgemein profitieren auch Dach-Hedge Fonds von der Abgeltungsteuer", erläutert Peker.
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Quelle: Financial Times Deutschland
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