18.02.2010, 13:43 Uhr | Financial Times Deutschland
Nach DAX-Höhenflug Absturz im Januar (Grafik: T-Online) Einige Fondsmanager wenden spezielle Methoden an, um Kursabstürze rechtzeitig zu erkennen - teilweise mit beachtlichem Erfolg. Der DAX begann das Jahr mit dem tiefsten Sturz seit seiner Existenz: Fast 15 Prozent ging es in den ersten drei Wochen abwärts. Freuen konnten sich darüber allenfalls Anleger, die genau darauf gewartet und sich mit Short-Papieren eingedeckt hatten. Für die meisten Anlageprodukte war der Januar aber eine Katastrophe. Immerhin gibt es unter den Fonds ein paar, die sich halbwegs hielten oder sogar zulegten.
Geldanlage - Bibel-Fonds besser als Hedge Fonds
Erfolg durch defensive Anlagestrategie
Für Rentenfonds beispielsweise, die in inflationsgebundenen Anleihen investieren, war der Jahresanfang wie eine Frischzellenkur für die Performance: Zwei Prozent Plus waren drin. Ebenso konnten einige Rohstoffprodukte punkten. Wie aber sieht es bei Fonds mit hohem Aktienanteil aus, die in den vergangenen Jahren gut verdienten, im Januar aber abgestürzt sind? Auch hier lassen sich einige Ausnahmen finden. Grundsätzlich handelt es ich dabei um zwei unterschiedliche Fondskonzepte: Relativ einfach, aber zuverlässig verhalten sich in turbulenten Zeiten Fonds mit einer defensiven Anlagestrategie, die von vornherein Risiken vermeidet - allerdings auf Kosten der Rendite in guten Zeiten. Anspruchsvoller sind Strategien, die auf den richtigen Zeitpunkt zum Ausstieg aus Aktienpositionen zielen. Etwa unter Zuhilfenahme eines Computerprogramms oder aber der Intuition. Solche Ansätze können funktionieren, eine Garantie bieten aber auch sie nicht.
Sommer 2007 Wende vollzogen
So hat Herwig Weise, Geschäftsführer der Mack & Weise Vermögensverwaltung, im M&W Capital die Anlagepolitik frühzeitig umgestellt: "Die Wende haben wir bereits im Sommer 2007 vollzogen. Misstrauisch hatte uns die Risikofreude bei Hedge Fonds und Beteiligungsunternehmen gemacht, auch das Volumen der Carry-Trades war zu diesem Zeitpunkt besorgniserregend hoch." Entsprechend radikal war die Umstellung: "Die Aktienquote haben wir auf zurzeit 13 Prozent zurückgefahren. Hier sind wir nur in Pharma und Goldminen investiert. Neben Rohstoffen setzen wir auf kurzfristige Bundesanleihen und Liquidität", so Weise.
Einstieg erst bei Rezession
Dabei besteht jedoch die Gefahr, eine Markterholung zu verpassen. Es kommt also auch hier wieder darauf an, rechtzeitig den Wendepunkt zu erkennen. "In den Aktienmarkt werden wir erst wieder richtig einsteigen, wenn sich die Rezession ausgebreitet hat. Kommt es dann zu einer Übertreibungsphase nach unten, ergeben sich gute Kaufgelegenheiten", sagt Weise.
Marktneutrale Positionierung mit Derivaten
Auf die richtige Mischung von Aktien, Renten und Optionen setzt der Fonds Modulor LSE 1 von Nordinvest. Für den Aktienanteil steht die Dr. Jens Ehrhardt Gruppe, den Derivate-Anteil verantwortet Value Investment Professionals (VIP). "Zunächst werden die Aktien ausgewählt, wobei je nach Marktlage auch in Renten und Liquidität umgeschichtet werden kann. Durch geeignete Derivate erzielen wir dann eine marktneutrale Positionierung, das heißt, der Fonds wird von der Marktrichtung weitgehend unabhängig", erläutert VIP-Geschäftsführerin Elisabeth Hehn.
Kalkulation (Bild: Archiv)Von der hohen Volatilität der Märkte profitieren
Damit partizipieren Anleger allerdings nur zum Teil an Kursanstiegen. Aktuell setze man eher auf Sicherheit und konnte damit während der jüngsten deutlichen Kurseinbrüche punkten. "Zurzeit befinden sich überwiegend kurzlaufende Anleihen und Liquidität im Fonds. Im Januar konnten wir besonders von der hohen Volatilität der Märkte profitieren, weil dadurch der Wert der Optionen stieg", so Hehn. Allzu euphorisch sollten Anleger aber nicht werden: "Langfristig rechnen wir mit einer Durchschnittsrendite von acht bis zehn Prozent", sagt sie.
Erfolgreiche Fonds des Vermögensverwalters HWB
Besonders heftige Ausschläge nach oben zeigten Fonds des Vermögensverwalters Hans Willi Brand aus Trier, etwa der HWB Portfolio Plus R von LRI Investment. Brand vertraut einem eigenen Trendfolgemodell, das ihm signalisiert, in welche Richtung die Kurse eher gehen werden. Entsprechend werden Optionen gekauft, um die Aktienposition abzusichern, und bei positiven Signalen wieder verkauft. Dadurch koppelt sich die Wertentwicklung immer wieder vom Markt ab, was besonders im Januar der Fall war.
Umschichten in Geldmarktfonds
Auf Verlustvermeidung ausgerichtet ist der Aktiendachfonds Multi Invest OP von Oppenheim Asset Management. Fondsberater Olaf-Johannes Eick steigt nach Überschreiten einer bestimmten Verlustgrenze aus Aktienfonds aus und schichtet in Geldmarktfonds um. Erst, wenn sein Indikatorensystem wieder auf "Grün" umstellt, kehrt er zu Aktien zurück. In unsicheren Märkten kann es dadurch lange zu keinen nennenswerten Kursbewegungen kommen. So war der Fonds in den vergangenen zwölf Monaten überwiegend am Geldmarkt investiert. Die Januarkrise ging spurlos an ihm vorüber - wie aber auch mancher Aufschwung.
Quelle: t-online.de
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