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Investoren stürzen sich auf Gold und Silber

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Investoren fliegen auf Gold und Silber

06.04.2011, 12:48 Uhr | Financial Times Deutschland, sky

Produktion eines Goldbarrens (Foto: Reuters)Gold ist so teuer wie nie zuvor (Foto: Reuters)Wenn Reden Silber und Schweigen Gold ist, dann hat Reden zuletzt stark an Wert gewonnen. Nach Berechnung der Investmentgesellschaft Société Générale hat die Gold-Silber-Ratio den niedrigsten Stand seit Februar 1998 erreicht. Die Kennzahl gibt an, mit wie vielen Unzen Silber man eine Unze Gold erwerben kann. Derzeit beträgt diese Relation 37. Noch vor einem halben Jahr lag sie bei 68, der Durchschnitt beträgt 55. Beide Metalle steigen: Gerade hat Gold bei rund 1462 Dollar ein neues Allzeithoch markiert, Silber ist mit knapp 40 Dollar je Unze so teuer wie zuletzt vor 31 Jahren.

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Nachholbedarf bei Silber

Diese Entwicklung ist aber weniger auf eine Schwäche des Goldpreises zurückzuführen, als vielmehr auf die Stärke von Silber. "Der Silberpreis hatte Nachholbedarf", sagt Joachim Berlenbach von der Earth Resource Investment Group. Erst vor ein paar Tagen erreichte Silber bei 35,30 Dollar je Unze den höchsten Stand seit 1980. Damit ist Silber in diesem Jahr um mehr als 15 Prozent in die Höhe geschossen. Edelmetalle blieben als sicherer Hafen gefragt, sagte ein Händler.


Inflation und Nahostkrise stützen Edelmetalle

Gründe dafür gibt es reichlich. "Die politischen Spannungen im Nahen Osten und Afrika haben dazu geführt, dass Investoren Silber in einem Tempo kaufen, mit dem das Angebot nicht mehr Schritt halten kann", sagt Ole Hansen, Rohstoffexperte der Saxo Bank. Die Verkäuferseite sei gar gezwungen, das Angebot zu rationieren. Dazu kommt: Überall in der Welt nimmt die Inflation zu. Anleger flüchten deshalb zunehmend in reale Werte, in Silber, aber auch in Gold, dessen Preis Anfang März dieses Jahres bei 1422 Dollar je Feinunze notierte.

Für die gestiegenen Edelmetallnotierungen sind diese Gründe eher kurzfristiger Natur. Daneben gibt es aber auch fundamentale Argumente, die für weitere Preisanstiege sprechen. Robert Vitye, Geschäftsführer von Solit Kapital, zum Beispiel verweist auf die weltweit wachsende Edelmetallnachfrage.

Gold- und Silberproduktion sinkt

So schiebe der steigende Wohlstand in den Schwellenländern die Nachfrage nach Gold an. Zugleich profitiert Silber, das vor allem in der Industrie Verwendung findet, von dem derzeit schnellen Wachstum der Weltwirtschaft. Dem stehe, sagt Vitye, eine Angebotsverknappung gegenüber. "Der Zeitpunkt der maximalen Förderung bei Gold und Silber dürfte kurz nach der Jahrtausendwende erreicht worden sein", sagt er. "In den 90er-Jahren wurden noch acht bis neun neue Goldlagerstätten im Schnitt pro Jahr entdeckt, nach der Jahrtausendwende waren es aber weniger als drei", sagt der Rohstoffexperte Vitye.

Auch Berlenbach sieht den aktuell hohen Goldpreis gut begründet. "Wer sich heute Sorgen über eine Spekulationsblase bei Gold macht, der dürfte den Goldpreischart aus den 70er- und 80er-Jahren im Kopf haben. Damals folgte auf den Preisanstieg ein Absturz um 70 Prozent."

Förderkosten für Gold steigen

Dieses Mal aber sei es anders. Während in den 70er-Jahren die Produktionskosten bei weniger als 100 Dollar je Feinunze Gold lagen, der Preis aber achtmal höher lag, spiegelt dieser für das edle Metall heute die "dramatisch gestiegenen Kosten der Förderung und der Kapitalkosten wider", sagt der Fondsmanager.

Seit 2003, rechnet er vor, seien die Förderkosten um rund 17 Prozent pro Jahr gestiegen. "Heute liegen sie bei fast 1000 Dollar je Feinunze. Bei einem weiteren jährlichen Anstieg der Kosten um nur 15 Prozent erreichen sie im Jahr 2013 etwa 1350 Dollar." Das sei nicht weit unter dem heutigen Niveau. Natürlich, sagt Berlenbach, seien kleinere Rückschläge nicht auszuschließen. "Viel billiger als heute wird Gold aber nicht mehr."

Allerdings lässt sich dieser Zusammenhang nicht eins zu eins auf Silber übertragen. Der Silberpreis ist, da das Metall meist ein Beiprodukt von Kupfer- und Zinkminen ist, im Wesentlichen von den Notierungen dieser beiden Industriemetalle abhängig und größeren Schwankungen unterworfen. "Dennoch dürfte ein weiterer Anstieg des Goldpreises langfristig auch den Silberpreis mit sich ziehen", sagt Berlenbach.

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Papiergold versus physisches Gold

Die Aussichten klingen also weiter verlockend. Doch wenn Privatanleger in Rohstoffe investieren wollen, stoßen sie immer wieder auf ungeahnte Schwierigkeiten. Denn es gibt mehrere Wege zu investieren, etwa Gold oder Silber direkt zu erwerben. Doch dieser Weg ist laut Wolfgang Köbler von der KSW Vermögensverwaltung in Nürnberg nicht ganz billig. "Am Bankschalter können sich die Kosten beim Erwerb von Gold auf bis zu 15 Prozent des Wertes belaufen."

Eine kostengünstigere Alternative bieten Zertifikate, die die Entwicklung des Gold- und Silberpreises abbilden. Anleger sollten hier aber das Emittentenrisiko bedenken. Geht der Emittent eines solchen Papiers Konkurs, kann auch das dort investierte Geld weg sein.

Anders ist die Situation bei Investmentfonds, die auf Gold oder andere Metalle setzen. Dort zählt das investierte Geld zum Sondervermögen und ist so auch im Fall eines Konkurses vor dem Zugriff Dritter geschützt. Anleger, die in Rohstofffonds investieren wollen, sollten jedoch beachten, dass es zwei grundsätzliche Unterschiede gibt: So gibt es Fondsmanager, die über Optionen versuchen, direkt von der Entwicklung an den Rohstoffbörsen zu profitieren. Andere wiederum - und das ist die Mehrheit - investieren in Aktien von Unternehmen, die im Bereich Rohstoffe tätig sind.


Gold und Silber noch unterrepräsentiert

Eine andere Art der Sicherheit bieten Exchange-Traded Commodities - kurz ETCs. Das sind Produkte, bei denen das jeweilige Metall bei einem Treuhänder physisch hinterlegt ist. "Bei den ETCs schließen einige Anbieter auf diese Weise das Emittentenrisiko aus", sagt Experte Köbler. Das heißt, theoretisch können sich Anleger den Gegenwert ihres investierten Kapitals in Gold liefern lassen.

Wie auch immer der Weg aussieht: Interessant dürfte es für die meisten Anleger sein, in Gold oder Silber zu investieren. Denn der Anteil der beiden Edelmetalle am weltweit gemanagten Anlagevolumen liegt nur bei etwa einem Prozent. Da viele Experten zu einer Beimischung von fünf bis zehn Prozent im Portfolio raten, dürften Silber und Gold in den meisten Depots unterrepräsentiert sein.




Quelle: Financial Times Deutschland

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