Nach einer dreitägigen Zwangspause gingen die Finanztitel der isländischen Börse erneut auf Talfahrt und rissen den gesamten Index mit: Der bisherige Index verlor 76 Prozent gegenüber dem Stand vor der Börsenschließung am vergangenen Donnerstag (9.10.). Die nun wertlos gewordenen Aktien hatten vor Ausbruch der Finanzkrise mehr als drei Viertel des Börsenhandels ausgemacht.
In der vergangenen Woche hatte Ministerpräsident Geir Haarde vor einem Staatsbankrott gewarnt. Die Finanzkrise trifft den Inselstaat im Nordatlantik wegen der extensiven Kreditpolitik seiner führenden Banken besonders hart. Die Regierung der 300.000-Einwohner-Republik verstaatlichte die drei größten Banken Kaupthing, Landsbanki und Glitnir.
Lieferung auf die Insel nur noch gegen Vorkasse
Unterdessen stuften Beobachtern das Einkaufsverhalten der gut 300.000 Bürger als weiterhin normal ein. Der Einzelhandelsverband erklärte aber, man könne "nicht endlos" die hohen Belastungen für drastisch verteuerte Importwaren tragen. Immer mehr Lieferanten verlangten von ihren isländischen Abnehmern Vorkasse, hieß es weiter. Die isländische Krone hat binnen eines Jahres gegenüber dem Euro mehr als 70 Prozent ihres Werts verloren.
Deutsche Finanzaufsicht greift durch
In Deutschland besteht für über 30 000 Kunden der größten isländischen Bank Kaupthing weiter völlige Unklarheit über mögliche staatliche Zahlungen aus Reykjavik. Bereits am Donnerstag (9.10.) hatte die Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (BaFin) die deutsche Kaupthing-Niederlassung geschlossen und ihr verboten, Zahlungen entgegenzunehmen, die nicht zur Tilgung von Schulden ihr gegenüber bestimmt sind. Die BaFin begründete das sogenannte Moratorium damit, dass die verbliebenen Vermögenswerte gesichert werden müssten.
Nach dem Stopp von Auslandsaktivitäten der zwangsverstaatlichten isländischen Banken Kaupthing, Landsbanki und Glitnir hatte Nationalbankchef David Oddsson zunächst erklärt, es gebe für Auslandskunden nicht die für Isländer geltende Garantie von Einlagen. Der britische Premierminister Gordon Brown nannte dieses Verhalten "illegal" und ließ Guthaben isländischer Banken in Großbritannien sperren.
100 Millionen Pfund für Landsbanki
Unter dem britischen Druck versprach auch die isländische Regierung, zumindest die Einlagen britischer Privatkunden bis 20.000 Euro pro Konto zu erstatten. Schätzungen zufolge belaufen sich die Forderungen britischer Anleger gegenüber den isländischen Banken auf mehrere Milliarden Euro. Betroffen sind außer Privatkunden auch Gemeinden und Behörden, für deren Einlagen die Regierung bisher keine Garantie ausgesprochen hat. Die britische Notenbank Bank of England beabsichtigt, der Landsbanki 100 Millionen Pfund (128 Millionen Euro) zu leihen. Die Direktbank IceSave, eine Tochtergesellschaft der Landsbanki, ist seit 2006 in Großbritannien tätig.
"Mehr als nur moralisch helfen"
Während noch unklar ist, ob und in welchem Umfang der Internationale Währungsfonds (IWF) Island helfen wird, kündigte Dänemarks Ministerpräsident Anders Fogh Rasmussen eine Hilfsaktion der nordischen Länder an. Rasmussen sagte, es sei klar, dass Dänemark, Finnland, Norwegen und Schweden dem kleinsten Mitgliedsland im Nordischen Rat "mehr als nur moralisch" helfen. Einzelheiten könne er aber noch nicht nennen.