
07.11.2011, 12:29 Uhr | Spiegel Online
Die italienische Wirtschaftselite gehörte lange zu den treuesten Unterstützern von Silvio Berlusconi. Doch nun wollen die Industriellen den peinlichen Premier loswerden: "Wir haben die Nase voll, eine internationale Lachnummer zu sein." Die Macht in Rom soll der bisherige Ferrari-Chef übernehmen.
Enrico Frare, 36, ist ein frustrierter Unternehmer. Anfang des Jahres übernahm er eine nahezu bankrotte Firma, die Winterkleidung herstellt. Er investierte viel Geld, war zunächst erfolgreich, dann drehten die Banken den Geldhahn zu. Nun steht er ohne Hosen da. Nackt posiert er in einer ganzseitigen Zeitungsanzeige, die er selbst bezahlt hat. Darüber steht: "Kein Tag vergeht, ohne dass ein italienischer Unternehmer ohne Unterhosen dasteht." Man habe im heutigen Italien nur zwei Möglichkeiten, sagt Frare: "Sich bloßstellen oder verschwinden."
Die Protestaktion ist ungewöhnlich. Aber sie spricht vielen Unternehmern aus dem Herzen. Die miserable wirtschaftliche Lage des Landes, der finanzielle Notstand des Staates, der über die Banken auch die Betriebe erreicht, treibt mehr und mehr Firmen an den Rand des Ruins. Immer wieder hat die Regierung Reformen angekündigt, aber ihre vollmundigen Versprechen bis heute nicht einmal ansatzweise gehalten.
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Die europäischen Partner haben längst den Glauben an Ministerpräsident Silvio Berlusconi verloren. Künftig muss er in Rom Aufseher der EU-Kommission und des Internationalen Währungsfonds (IWF) akzeptieren. Nun gehen auch daheim die einst treuesten Stammwähler des Regierungschefs von der Fahne: die Unternehmer.
Diego Della Valle, Vorstandschef des weltbekannten Lederwarenherstellers Tod's, schaltete Zeitungsanzeigen mit dem Titel "Politiker, die Zeit ist abgelaufen". Ferrari-Präsident Luca Cordero di Montezemolo forderte in einem offenen Brief an die Tageszeitung "La Repubblica" eine neue Regierung "zum Wohle der Öffentlichkeit". Die Ersparnisse der Italiener, der soziale Zusammenhalt und die Mitgliedschaft des Landes in der Euro-Zone seien in Gefahr. "Wir haben keine Zeit, um auf eine natürliche Evolution der politischen Situation zu warten", so Montezemolo.
Die Regierung habe noch immer "nicht kapiert, dass wir einen Schritt vor dem Abgrund stehen", wütet Emma Marcegaglia, Präsidentin des italienischen Industrieverbandes, seit Wochen. Außer den miesen Zahlen leidet die "Made in Italy"-Marke zunehmend am schlechten Image, das von Berlusconi auf das gesamte Land abstrahlt. "Wir haben die Nase voll, eine internationale Lachnummer zu sein", klagte die Stahlunternehmerin.
In einer gemeinsamen Erklärung von Marcegaglias Industriellen-Club mit dem Bankenverband, der Organisation der Kleinbetriebe, der Händler und der Handwerker forderte Italiens Wirtschaft den Regierungschef in dieser Woche auf, noch auf dem G20-Gipfel in Cannes ein umfassendes Reformprogramm vorzulegen oder abzutreten. Ohne Erfolg: Berlusconi legte nichts Neues vor. Aber abtreten will er auch nicht.
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Immerhin sollen nun ein paar Mini-Reformen auf das Sparprogramm aufgesattelt werden, das ab kommender Woche im Parlament verhandelt wird. Die Abstimmung darüber will Berlusconi mit der Vertrauensfrage verbinden. Scheitert er, könnte Staatspräsident Giorgio Napolitano einen anderen Politiker mit der Regierungsbildung beauftragen. Völlig unwahrscheinlich ist das nicht.
Denn auch aus dem eigenen Lager wenden sich immer mehr einstige Berlusconi-Freunde enttäuscht ab. Sie haben seine Sex-Orgien toleriert, seine Probleme mit dem Rechtsstaat hingenommen. Doch jetzt müssen sie erleben, dass ihr Idol in der Krise völlig überfordert ist und Italien zunehmend gen Abgrund manövriert.
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Dafür wollen zumindest einige nicht länger die Hand heben, etwa der langjährige Weggefährte des Premiers Roberto Antonione: "Berlusconi muss jetzt abtreten." Ob der Ministerpräsident überhaupt noch eine Mehrheit im Parlament hat, ist derzeit so ungewiss wie vieles in "Bella Italia".
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Großen Zuspruch in der bürgerlichen Mitte und vor allem im Lager der Unternehmer und Freiberufler fände für diese Aufgabe der adlige Ferrari-Präsident Montezemolo. Der Top-Manager übernahm vor Jahren die Führung bei Italiens namhaften, aber damals quasi insolventen Sportwagenhersteller, rettete das stolze Unternehmen und brachte ihm nicht nur neuen Glanz, sondern auch viele neue Käufer in aller Welt.
Dass sich der 64-Jährige eine ähnliche Erfolgsgeschichte auch mit dem maroden Unternehmen Italien zutraut, machte er in dem bereits erwähnten offenen Brief deutlich - mit sehr konkreten, durchdachten Vorschlägen zum Sparen und zur Belebung der Konjunktur. Man dürfe "keine Minute mehr verlieren", schrieb der Manager. Aber ob er den Berlusconi-Job wirklich will, sagte er bislang nicht.
Ein Traumjob wäre es sowieso nicht. Und bis zu ersten Erfolgen wäre es wohl ein langer Weg. In einer Vergleichsstudie der Weltbank über die globalen Investitionsbedingungen rangiert die drittgrößte Wirtschaftsmacht der Eurozone gerade einmal auf Platz 87 - zwischen der Mongolei und Jamaika. Betrachtet man nur die Rangordnung der 31 größten Volkswirtschaften, befindet sich Italien auf dem vorletzten Platz. Danach kommt nur noch Griechenland.
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Quelle: Spiegel Online , t-online.de
turbo schrieb:
am 6. November 2011 um 12:48:46
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Italien
Wer zieht diesen notgeilen Präsidenten zur Rechenschaft? Diese Lachnummer treibt ein ganzes Land in den Ruin - und wenn man Umfragen
liest, so sagt das Volk, es wäre ja so schlimm nicht - das mit dem Sex und so. Italiener sehen sowas viel lockerer.... auch bei der eigenen Tochter? WAS SIND DAS FÜR LEUTE???? Berlusconi hat dem Land Schaden zugefügt - schaut die Gesetzgebung an. Wann kapiert es Italien endlich? Der Berlisconi soll paar Mrd. zur I-Rettung hergeben.
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simplicissimus schrieb:
am 6. November 2011 um 12:33:46
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Mafia
Berlusconi ,die Vertrauensfrage hat es bewiesen, faule Italiener kümmern sich nicht um Ihr Problem ,eine Hand voll Italiener gehen
bei Sonnenschein auf die Straße also weiter so. Mafia sind sie gewohnt seit über 100 Jahren ,
Dreck liegt auf den Straßen ,Korrupt,raub Kriminalität passt ,sonst würde sie es ändern.Last den Mühl weiter hochleben.
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Douglas schrieb:
am 6. November 2011 um 12:21:52
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Abklatsch
Da sieht man mal was passiert, wenn man den Bock zum Gärtner macht. Die größte ***** in der italienschen Gesichte, die jemals
ein politisches Amt begleitet. Der Handlungsspielraum wird enger. Unternehmer- und Arbeiterschaft machen front. Man sitzt in einem Boot. der politische Untergang von Berlusconi ist nur noch eine Frage der Zeit.
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