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Jahrestage: General Motors steckt zum 100. Geburtstag in schwerer Krise

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General Motors zum 100. Geburtstag in schwerer Krise

01.10.2008, 22:03 Uhr | mfu

General Motors: Vom Branchenprimus zum Sorgenkind (Foto: imago) General Motors: Vom Branchenprimus zum Sorgenkind (Foto: imago)Der US-Autoriese General Motors (GM) feiert sein 100-jähriges Bestehen in seiner wohl schwersten Krise mit Rekordverlusten in Milliardenhöhe. Experten schließen sogar einen Konkurs nicht mehr aus. Seine Hoffnungen setzt der Autoriese nun auf Ökoautos und die deutsche Konzerntochter Opel.

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Krisen begleiten GM von Anfang an

Am 16. September 1908 gründete Pferdekutschen-Millionär William Durant in Flint (Michigan) die General Motors Corporation. Die Marke Buick kontrollierte er schon, wenig später kam Oldsmobile dazu - der Start einer beispiellosen Automarken-Familie. Doch von Anfang an waren auch Krisen ständiger Begleiter des Autoriesen.

Sprung nach Europa

Schon 1910 stand GM mit dem rasanten Wachstum erstmals vor dem Kollaps. Banken sprangen damals in die Bresche. Mit frischem Geld expandierte GM weiter: Bald fanden sich 20 Autobauer, unter anderem Cadillac, Chevrolet, Pontiac, Zulieferer und verwandte Firmen unter dem Konzerndach. 1923 schaffte GM den Sprung nach Europa und eröffnete im dänischen Kopenhagen sein erstes Werk auf dem alten Kontinent. Zwei Jahre darauf kaufte GM den britischen Hersteller Vauxhall. Und 1929 übernahmen die Amerikaner die Kontrolle bei Opel. 60 Jahre später stiegen sie auch bei Saab in Schweden ein.

Detroit steht für Verfall von General Motors

So entwickelte sich General Motors zum lange Zeit weltweit führenden Automobilkonzern. In den 70er Jahren kam noch fast jedes zweite in den USA verkaufte Auto von GM - vom Chevy bis zum Kultflitzer Corvette. Doch in den vergangenen Jahrzehnten erlitt GM eine schwere Krise nach der anderen, schloss in mehreren Wellen Werke, baute zehntausende Stellen ab. Wahrzeichen des Verfalls ist die darniederliegende Autostadt Detroit im Nordosten der USA - einst Industrie-Ikone und noch immer Heimat der drei großen US-Autobauer.

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Toyota überholt GM

So liegt der Marktanteil in den USA heute nur noch bei 20 Prozent. Ausgerechnet auf dem Heimatmarkt hat der Konzern, so wie seine Konkurrenten Ford und Chrysler, Trends verschlafen. Anstelle spritfressender Geländewagen und Pick-Ups wollen heute sogar Amerikaner angesichts hoher Benzinpreise kleinere und sparsamere Autos haben. Doch diese Fahrzeuge können die US-Autoriesen kaum bieten. Die Folge: Erzrivale Toyota führte GM im eigenen Land vor. Gerade erst überholten die Japaner den US-Konzern obendrein nach über 75 Jahren als nach Absatz weltgrößter Hersteller.

GM am Scheideweg

Angesichts der anhaltenden Krise befindet sich der Konzern heute am Scheideweg. Experten schließen selbst eine Insolvenz des Autoriesen nicht mehr aus. "Die einzelnen GM-Marken wie Chevrolet und Cadillac wird es in 100 Jahren noch geben - aber ob es das Unternehmen GM in dieser Form noch geben wird, ist die Frage", sagt Experte Willi Dietz vom Institut für Automobilwirtschaft im schwäbischen Geislingen.

Wende in den Schwellenländern

Sein Heil sucht GM nun wie fast alle Traditionshersteller in Schwellenländern wie Indien, China, Brasilien und Russland mit boomenden Absatzzahlen. "Unsere Landkarte wird in Zukunft sehr anders aussehen", prophezeit der seit 2000 amtierende GM Chef-Rick Wagoner. Die Wende sollen zudem Öko-Autos bringen: Größtes Prestigeprojekt ist derzeit das Elektroauto Volt, entwickelt vom deutschen GM-Topingenieur Frank Weber. Das Auto soll 2010 in den USA sowie ein Jahr später auch als Opel-Modell in Europa auf den Markt kommen. "GM hat mit dem Volt ein wichtiges Zukunftsthema besetzt", sagt Experte Dietz.

Seit 60er Jahren fast nur Amerikaner auf Opel-Chefposten

In Deutschland ist General Motors der Öffentlichkeit vor allem durch die Konzerntochter Opel bekannt. Dabei haben die deutschen Autobauer und Konzernmutter GM viel miteinander durchgemacht: Für Probleme sorgten vor allem die kulturelle Distanz: Seit den 60er Jahren waren die Opel-Chefs fast ausnahmslos Amerikaner. Ihre Vorgabe: Große Stückzahlen, um die Kosten klein zu halten. "Ein Auto ist schlicht und einfach ein Fortbewegungsmittel", so die amerikanische Vision vom Einheitsauto für die ganze Welt.

Strategie auf Kosten der Qualität

Diese Strategie ging auf Kosten der Qualität: Mängel und Pannen häuften sich, der Ruf "Opel - der Zuverlässige" schwand. Der Marktanteil in Deutschland sank von über 17 Prozent im Jahr 1993 auf derzeit gut neun Prozent. Noch heute leidet das Image der Marke mit dem Blitz unter dieser Strategie - auch wenn Fachleute die Qualität der Wagen inzwischen loben.

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Neuer Hoffnungsträger im Konzern

Opel wandelte sich zuletzt vom Sorgenkind zum Hoffnungsträger des Konzerns. Nach jahrelangen Verlusten in Europa zog GM 2005 die Notbremse und verschrieb Opel ein knallhartes Sanierungsprogramm mit dem Abbau von rund 9000 Stellen. Der Schnitt machte den Autobauer wieder profitabel. "Opel ist heute ein grundsolides Unternehmen, das technisch gut aufgestellt ist", sagt Autoexperte Christoph Stürmer vom Prognoseinstitut Global Insight. Opel hat zudem kleine Wagen, Dieselkompetenz und Leichtbauplattformen im Programm, die der Mutter in den USA helfen könnten. GM hat dies erkannt und will bis 2012 neun Milliarden Euro in die Tochter stecken. "Das sind Investitionen in die Werke wie auch in neue Modelle sowie Entwicklungsanstrengungen", sagt GM-Europa-Chef Carl-Peter Forster. Branchenexperten hoffen, dass GM trotz Verlusten auch daran festhält.

US-Automarkt schrumpft

Angesichts der Kreditkrise und rekordhoher Spritpreise steuert der US-Automarkt weiter auf ein 15-Jahres-Tief zu. Der Marktforscher J.D. Power rechne für den August mit etwa 1,21 Millionen verkauften Wagen, was auf das Gesamtjahr hochgerechnet und saisonal bereinigt 13,4 Millionen Stück entspräche. Im ebenfalls bereits rückläufigen Vorjahr hatte die Branche noch 16,2 Millionen Autos verkauft.

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Quelle: dpa , t-online.de

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