17.05.2011, 16:57 Uhr | Financial Times Deutschland
Ein Mitarbeiter von Nissan prüft Autos auf Strahlung (Foto: Reuters) Die japanische Autoindustrie kehrt zum alten Produktionsniveau zurück. Bei den Zulieferern gewinne die Erholung an Fahrt, teilte Honda mit. Damit steige auch die Hoffnung, schneller wieder das frühere Fertigungsvolumen erreichen zu können. Ähnlich äußerten sich Nissan und Toyota.
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Honda wirft die Produktion wieder an
Das Erdbeben hatte Hersteller wie Zulieferer schwer getroffen. Nicht nur Fabriken der Autobauer waren betroffen - auch Logistik und Lieferketten. Die Auswirkungen sind global zu spüren. Besonders betroffen ist aber die Industrie Japans. Experten hatte dem Land einen langen Weg zurück zum alten Produktionsniveau vorhergesagt. Nun scheint es aber schneller zu gehen.
Das im April ausgegebene Ziel, die Bänder bis Jahresende wieder voll laufen zu lassen, sei inzwischen das pessimistischste Szenario, sagte Honda-Finanzchef Fumihiko Ike. Es könne auch schneller gehen. Konkurrent Nissan Motor rechnet damit, sich bis Oktober vollständig von den Folgen des Bebens und Tsunamis am 11. März zu erholen. Die Mitarbeiter arbeiteten allerdings hart daran, es früher zu schaffen, sagte Nissan-Chef Carlos Ghosn der Nachrichtenagentur Reuters.
Nissan verbreitet Optimismus
In Nissans Motorenfabrik Iwaki mit einer Jahresproduktion von 560.000 Fahrzeugen laufen die Bänder seit Dienstag wieder auf vollen Touren. Vor sechs Wochen habe es dort keinen Strom, kein Wasser und kaum Angestellte gegeben, sagte Ghosn. "Der Fußboden war gerissen, die Ausstattung war verschoben, Rohre hingen herab."
Ghosn hatte in der vergangenen Woche die Märkte damit überrascht, im laufenden Geschäftsjahr trotz der Katastrophe mehr Autos als im abgelaufenen Jahr verkaufen zu wollen. Der größte Engpass bei den meisten Autoherstellern sind trotz der Erholung noch immer Nachschubprobleme bei den Zulieferern, die nach der Katastrophe große Ausfälle verkraften mussten. Nach Angaben von Honda-Finanzchef Ike gibt es Probleme bei Elektronik, Farben und Gummiteilen.
Volle Leistung bei Toyota ab Juni
Auch beim besonders hart getroffenen Toyota-Konzern gibt es Lichtblicke. Zumindest in Europa kann das Unternehmen seine Produktion wieder hochfahren. Ab Juni sollten alle Werke auf dem Kontinent volle Leistung fahren, hieß es. Die Kunden könnten deshalb bald wieder von normalen Wartezeiten ausgehen. Als Folge der Erdbebenkatastrophe in Japan waren auch in den europäischen Werken die Teile knapp geworden. Deshalb hatte Toyota im April und Mai die Produktion an fünf Standorten gedrosselt.
Toyota kann in Europa damit schneller als erwartet auf das alte Produktionsniveau zurückkehren: "Die Zulieferer haben sich sehr ins Zeug gelegt", sagte eine Sprecherin. Derzeit müssten Autokäufer aber noch mit ungefähr einem Monat Lieferzeit mehr rechnen. "Es wird natürlich noch eine Weile dauern, bis das wieder aufgeholt ist." Die Werke in Wales, Polen, der Türkei und in England sollten im Laufe des Juni wieder auf Normalniveau kommen, eine Fabrik in Frankreich habe ihre reguläre Produktion am Montag wieder aufgenommen.
In der vergangenen Woche hatte der Konzern angekündigt, dass auch die Werke in den USA in Kürze wieder Fahrt aufnehmen sollten. Ab Juni dürften die Werke ihre Produktion von derzeit 30 auf dann 70 Prozent ihrer Kapazität anheben. Auch in den japanischen Werken will Toyota im Juni wieder auf 70 Prozent kommen.
Weniger Neuerungen
Das Beben hatte die Bilanz des Autobauers schwer belastet. Der Betriebsgewinn brach von Januar bis März 2011 um mehr als die Hälfte auf umgerechnet knapp 396 Millionen Euro ein.
Schlechter sieht es allerdings bei der Innovationskraft aus. Eine Studie bescheinigt dem Erfinder des Hybrid-Erfolgsmodells Prius einen Absturz bei den technischen Innovationen. In dem vom Center of Automotive Management in Bergisch Gladbach regelmäßig erhobenen Innovationsindex rauschte die Marke 2010/11 sechs Plätze in den Keller und landete auf Rang acht. "Toyota hat seinen technischen Vorsprung verspielt," sagte Institutsleiter Stefan Bratzel. Ein Grund für das Abrutschen dürfte gewesen sein, dass der Konzern wegen Qualitätsmängeln im vergangenen Jahr mehrere Neuerungen zurückhalten musste. Davor habe der Konzern - mit Ausnahme von 2008 - bei Innovationen immer auf einem der ersten drei Plätze gelegen.