11.05.2010, 13:22 Uhr | t-online.de/business
Einfache Tipps helfen bei der Suche nach dem Traumjob. (Foto: Imago)
Der eine Arbeitsplatz ist Geschichte - der nächste noch nicht in Sicht: keine leichte Situation, aber auch kein Grund zu verzweifeln. Denn auf der Suche nach einer neuen Stelle müssen Sie nicht Ihr ganzes Leben umkrempeln. Der Ratgeber "Keine Panik! Der Wegweiser aus der Arbeitslosigkeit" von Autorin Silvia Schneider zeigt, wie man die Zeit zwischen zwei Jobs sinnvoll nutzt.
Vor wenigen Wochen versammelten sich nach einem Bericht auf sueddeutsche.de 45 Ex-Quelle-Mitarbeiter zu einer ungewöhnlichen Aktion vor der Nürnberger Lorenzkirche: Sie hängten sich Plakate um den Hals und boten ihre Dienste an - von der Bürokraft bis zum Schulungsleiter. Eine sicher extreme Aktion, um potenzielle neue Arbeitgeber auf sich aufmerksam zu machen. Die Idee dazu stammte demnach von einer Dozentin an der Kolpingakademie, wo die ehemaligen Quelle-Angestellten eine Weiterbildungsmaßnahme besuchten.
Wie kommt man an versteckte Jobs ran?
Eine mutige Initiative. Aber wahrscheinlich fühlt sich nicht jeder Arbeitsuchende wohl dabei, seine Situation so öffentlich zu machen. Schneider zufolge geht es auch anders. Ein guter Anfang sei schon einmal, den Tag auch ohne Job rigoros zu planen und durchzustrukturieren. Ein Zeitplan und eine To-do-Liste helfen, nicht aus dem Takt zu kommen. Denn wer nach dem Motto "Abwarten und Tee trinken" vor sich hin dämmert, komme nicht weiter. Konkrete Projekte dagegen halten produktiv. Schneiders Tipp: Wählen Sie ein Projekt aus dem privaten Bereich und ein berufliches. Das heißt natürlich: einen neuen Job finden. Im nächsten Vorstellungsgespräch punkten Sie so mehrfach, betont die Expertin.
Beispielsweise einen Halbmarathon bewältigt zu haben, verschaffe dem Bewerber Achtung. Ein Jobkandidat, der sich sozial - etwa in einem Tierheim - engagiert habe, sichere sich hingegen einen Sympathiebonus. Außerdem füllen solche Projekte selbst längere Lücken im beruflichen Werdegang. Ein "Auslandsaufenthalt zur Vertiefung der Sprachkenntnisse", "berufliche Weiterbildung und Arbeitsuche" sowie "Pflege naher Angehöriger" sollten deshalb immer auch im Lebenslauf genannt werden, rät Schneider.
Zwischen zwei Jobs - die Zeit eignet sich außerdem hervorragend für eine Bestandsaufnahme, so die Expertin. Die eigenen Stärken und Schwächen in Bezug auf einen Job zu kennen, mache es einfacher, gerade diese bei Personalern so beliebte Frage ehrlich zu beantworten. Kandidaten, die sich über ihre beruflichen Ziele klar seien, falle es natürlich leicht, ihre Motivation auch schon im Anschreiben auszudrücken - und damit später im Vorstellungsgespräch zu überzeugen.
Motivation - das können laut Schneider Produkte oder eine Dienstleistung sein, für die Sie sich begeistern oder eine Aufgabe, in der Sie ihre Fähigkeiten und Vorlieben perfekt einsetzen. Ein kurzer Test: Gut vorbereitet auf ein Treffen mit Personalverantwortlichen sind Sie demnach, wenn Sie in 30 Sekunden beschreiben können, was Sie fachlich und persönlich zu bieten haben und was Sie für den Job antreibt. Vielleicht aber tut sich mancher schwer, sein berufliches Ziel genau festzulegen. Dann empfiehlt die Fachfrau, gedanklich einfach einen "idealen Arbeitstag" durchzuspielen, vom Weg zum Büro über das Innere des Unternehmens, den Arbeitsplatz, Vorgesetzte und Kollegen bis hin zu den täglichen Aufgaben, die in der Firma auf Sie warten würden.
Erfolg im Job schließt aber berufliche Umwege nicht aus - das heißt, Alternativen zu suchen, wenn es im ursprünglichen Arbeitsbereich nicht mehr weitergeht. Etliche Berühmtheiten aus Politik, Wirtschaft und den Medien waren in der Ausbildung oder vor ihrer Karriere in ganz unspektakulären Jobs tätig. Altbundeskanzler Gerhard Schröder zum Beispiel absolvierte eine Ausbildung zum Einzelhandelskaufmann, ehe er auf dem zweiten Bildungsweg sein Abitur machte, Jura studierte und Rechtsanwalt wurde. Oder Jürgen Klinsmann: Der Ex-Trainer des deutschen Fußballnationalteams hat vor seiner sportlichen Karriere im väterlichen Betrieb Bäcker gelernt.
Die Frage muss nach Schneider also lauten: Was würden Sie machen, wenn es Ihren Beruf nicht mehr gäbe? Käme etwa auch der Sprung in die Selbstständigkeit in Frage? Und welche Arbeitszeiten, Tätigkeiten an welchen Orten und in welchen Branchen böten sich in dem Fall an? Nicht zuletzt: Was wollen Sie verdienen? Wer sich am Ende dafür entscheide, neue Wege zu gehen, könne im nächsten Schritt alles Wissenswerte über die neue Branche oder den potenziellen neuen Arbeitgeber in Erfahrung bringen.
Wissen sei bei der Suche nach dem Traumjob der größte Aktivposten, betont Schneider. Personaler verglichen ihre Bewerber - und mit Kenntnissen auf dem neuesten Stand könnten Kandidaten gleich in der ersten Runde punkten. Dazu sollte die Weiterbildung auf den Wunschjob ausgerichtet sein. Um sorgfältige Recherche, was in der entsprechenden Branche verlangt wird und welche Kurse sich zum Auffüllen von Lücken anbieten, kommt also niemand herum.
Weil das alles oft nicht leicht zu bewältigen ist, rät die Expertin, einen "Beraterstab" aus Freunden und neuen Kontakten einzurichten, auf den Sie sich stützen können. Das hat neben der mentalen Unterstützung einen weiteren positiven Effekt, erläutert Schneider im Interview mit heute.de: Die Hälfte aller kleinen und mittleren Unternehmen griffen bei der Rekrutierung von Personal auf Empfehlungen der Mitarbeiter zurück. Ein Grund mehr also, den Bekanntenkreis in die Jobsuche einzubeziehen.
Der Ratgeber "Keine Panik! Der Wegweiser aus der Arbeitslosigkeit" (ISBN 978-3-7716-4452-9) ist im Fackelträger-Verlag erschienen und kostet 9,95 Euro. Autorin Silvia Schneider ist Kommunikationsreferentin des Chefs der Bundesagentur für Arbeit.
t-online.de/business
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