15.02.2011, 15:19 Uhr | dpa / t-online-business/ ciw
Junge Arbeitnehmer sind besonders häufig krank. (Foto: imago)
Immer wieder neue Jobs und unsichere Berufsaussichten machen gerade jungen Arbeitnehmern zu schaffen. Viele von ihnen leiden unter Stress, psychischen Erkrankungen und Schmerzen. Viel Alkohol und wenig Sport erhöhen oft das Gesundheitsrisiko. Das bleibt nicht ohne Konsequenzen: Die jungen Kollegen sind deutlich häufiger krank als die älteren Beschäftigten. Wir erläutern Ihnen, woran das liegt.
Junge Arbeitnehmer fehlen öfter im Job - wenn auch kürzer - als die älteren Mitarbeiter, wie neueste Studien der Krankenkassen DAK und TK zeigen. Laut der TK-Erhebung sind sie doppelt so häufig krankgeschrieben wie ältere Kollegen, nämlich durchschnittlich zweimal pro Jahr. Während eine Krankschreibung unter den jüngsten Beschäftigten bis 19 Jahren aber nur knapp sechs Tage dauert, sind es bei den über 55-Jährigen schon fast 19 Tage.
Bei vielen jungen Beschäftigten lauern laut DAK-Gesundheitsreport 2011 gesundheitliche Risiken in ihrer Berufssituation: 71 Prozent von ihnen finden den Arbeitsalltag belastend. Jeder vierte ist nicht im Wunschberuf untergekommen - oft trotz Jobwechseln. Davon sind wiederum 36 Prozent froh, überhaupt einen Job bekommen zu haben. 25 Prozent leisten Schichtarbeit. Zwei von drei der Unter-30-Jährigen fühlen sich im Job unterfordert. "Auch Unterforderung kann arbeitsbedingten Stress ausmachen", warnt der Hamburger Psychiatrie-Chefarzt Hans-Peter Unger.
Unstete Lebensverhältnisse mit monatsweisen Vertretungen oder zwei, drei Arbeitsverhältnissen parallel verhinderten für viele junge Leute eine klare Lebensplanung, sagt DAK-Chef Herbert Rebscher. Solche Belastungen fingen heute schon in der Schule an. Wenn die Leute aber einen Job haben, heißt das oft: Erreichbarkeit rund um die Uhr, abends noch E-Mails beantworten, keine Zeit zum Abschalten. 27 Prozent der Unter-30-Jährigen empfinden den Druck als zu groß. Insgesamt gibt es zwölf Millionen Menschen zwischen 18 und 30 in Deutschland.
Mehr als ein Fünftel der jungen Arbeitnehmer gaben an, dass sie an einer oder mehreren chronischen Krankheiten leiden. 46 Prozent haben oft Muskelverspannungen, 30 Prozent Kopfschmerzen. Fettsucht und Bluthochdruck gehörten mit je knapp sechs Prozent zu den häufigsten Krankheiten. "Hier lassen sich Warnsignale für spätere chronische Erkrankungen wie Diabetes oder Arteriosklerose erkennen", so DAK-Chef Rebscher.
Nicht einmal die Hälfte gibt an, Sport zu treiben. Und für jeden vierten junge Arbeitnehmer gehört Alkohol zum Spaß beim Ausgehen dazu - 27 Prozent betrinken sich sogar bis zu dreimal im Monat. Allerdings hat eine Mehrheit der jungen Leute die meisten der genannten Probleme nicht. 72 Prozent arbeiten im Wunschberuf und sind überwiegend zufrieden. Drei von vier sehen sich als gesund an.
Bei Alt und Jung zusammen wurden 2010 insgesamt 13,5 Prozent mehr Krankheitstage wegen psychischer Leiden verzeichnet - der bisher größte Anstieg. Depressionen und andere psychische Leiden machen laut DAK ein Achtel des gesamten Krankenstandes aus. Diese Diagnosen spielen eine fast doppelt so große Rolle wie noch 1998. "Das ist aber nicht immer gleich eine schwere Depression", erläutert Unger. Oft könne schon eine etwas andere Lebensgestaltung helfen. Insgesamt blieb der Krankenstand mit 3,4 Prozent im Wirtschaftsaufschwung 2010 unverändert.
Quelle: dpa
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