21.04.2011, 15:20 Uhr | Financial Times Deutschland
Kaffee wird immer teurer (Foto: ddp) Schwere Unwetter in Brasilien haben den Preis für Arabica-Kaffee auf den höchsten Stand seit 1977 getrieben. Der meistgehandelte Terminkontrakt an der Rohstoffbörse ICE notiert derzeit nahe drei Dollar pro Pfund. Arabica-Kaffee ist aromatischer als die günstigere Sorte Robusta und wird vor allem in Südamerika produziert. Wegen mehrerer schwacher Ernten in Kolumbien, einem der wichtigsten Anbaustaaten, hat sich der Preis in den vergangenen zwölf Monaten verdoppelt. Nach Hagelstürmen in Brasilien fürchten Händler nun auch Ernteausfälle beim größten Kaffeeproduzenten der Welt.
In Brasilien wäre die Produktion 2011 selbst unter idealen Bedingungen zurückgegangen, weil bei Arabica auf ein starkes Erntejahr in der Regel ein schwächeres folgt. Laut dem jüngsten Monatsbericht der Internationalen Kaffee-Organisation (ICO) dürften die brasilianischen Erträge in der gerade angelaufenen Saison 2011/2012 um zehn Prozent auf 43 Millionen Säcke zurückgehen. Ein Sack enthält 60 Kilo Kaffeebohnen.
Afrika und Asien setzen auf Arabica
Die steigenden Preise für Arabica wecken Begehrlichkeiten in den traditionellen Robusta-Anbaugebieten. In Afrika ist die Arabica-Produktion laut ICO in den vergangenen vier Jahren schon um 20 Prozent gestiegen, während der Robusta-Anbau stagniert. Und selbst im regenreichen Südasien versuchen mittlerweile einige Bauern, den eigentlich für ein trockeneres und kühleres Klima Arabica-Kaffee anzupflanzen.
Vietnam will Anbau ausweiten
Ein Beispiel ist Vietnam. Das Teetrinker-Land ist bereits der zweitgrößte Kaffeeproduzent nach Brasilien, bislang wird dort aber fast ausschließlich Robusta angebaut. Angesichts des Preisgefälles soll die Arabica-Produktion aber ausgeweitet werden: Die landesweite Anbaufläche solle von derzeit 40.000 Hektar innerhalb von fünf Jahren auf 100.000 Hektar wachsen, berichtete die "Financial Times" (FT) kürzlich unter Berufung auf den Kaffee-Exporteur Thai Hoa.
Möglich erscheint dies allerdings nur in Hochlagen, wie sie sich beispielsweise in der Provinz Son Ha im Nordwesten des Landes finden. Dort scheint sich der Arabica-Anbau zu lohnen: Der Umstieg von Zuckerrohr auf die Kaffeepflanze habe sein Einkommen binnen vier Jahren verdoppelt, sagte der Bauer Lo Van Dinh der "FT". "Dieses Jahr werde ich noch mehr anpflanzen, weil ich trotz anfänglicher Bedenken die Vorteile erkannt habe", zitierte die Zeitung den Bauern, der seine Hütte mittlerweile mit Betten und einer Satellitenschüssel ausgestattet hat.
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Experten sind skeptisch
Experten bezweifeln allerdings, ob größere Investitionen in Arabica für Vietnam der richtige Weg sind. Robusta sei für das Land interessanter, sagte die Anthropologin Sarah Grant der "FT": "Es gibt immer noch eine riesige Nachfrage nach Kaffee minderer Qualität, und Vietnam ist für schlechten Kaffee der beste Produzent der Welt."