
22.07.2010, 13:59 Uhr | Financial Times Deutschland
Das Unternehmen, das den Rückzug vor wenigen Tagen gewohnt zurückhaltend eingeräumt hatte, hat die Konkurrenz durch den ewigen Rivalen Lidl unterschätzt, sich mit dem geplanten Filialkonzept verhauen, die Bedürfnisse der griechischen Kunden falsch eingeschätzt und ist zu alledem von der Wirtschaftskrise überrascht worden.
Nach Angaben des auf den Handel spezialisierten Informationsdienstleisters Planet Retail ist der Rückzug aus Griechenland für Aldi der erste aus einem Land, in dem schon ein Filialnetz bestand. Aldi Süd wollte sich dazu nicht äußern. Erst vor knapp zwei Jahren war Aldi Süd mit hochfliegenden Plänen in Griechenland gestartet. Der Discounter wollte bei seinem Start im Herbst des Jahres 2008 pro Jahr rund 40 Standorte eröffnen. Das Investitionsvolumen wurde mit rund eine Milliarde Euro beziffert. Griechenland, so hieß es, biete ein Potenzial für rund 400 Aldi-Märkte. Langfristig hoffte Aldi auf einen Marktanteil von 20 Prozent. Bis heute wurden von Aldi Süd in Griechenland 38 Filialen aufgebaut.
"Vor ein paar Monaten wurde die Entwicklungsgeschwindigkeit gebremst", sagte Martin Knapp, Geschäftsführer der Deutsch-Griechischen Industrie- und Handelskammer in Athen. So sei ein geplantes Logistikzentrum nicht mehr eröffnet worden. Die Architekten, die eigentlich die neuen Aldi-Standorte errichten sollten, seien wieder nach Hause gefahren.
Als wichtiger Grund für den nun beschlossenen Rückzug gilt die Wirtschaftskrise, auch wenn diese die Kunden eigentlich in die Läden der Discounter locken sollte. "Aldi Süd hat in Griechenland von Anfang an auf einen höherwertigen Auftritt Wert gelegt und damit eher zahlungskräftigere Kunden ansprechen wollen", sagte Matthias Queck, Handelsexperte bei Planet Retail. Die Wirtschaftskrise sei da zur Unzeit gekommen. "So gesehen ist verständlich, dass Aldi Süd die Notbremse zieht und sein Geld lieber in Ländern wie den USA investiert, wo es auch keinen Wettbewerb mit Lidl gibt." Der deutsche Rivale ist bereits seit 1999 in Griechenland mit derzeit über 200 Filialen vertreten.
"Aldi ist im Vergleich zu einigen Wettbewerbern erst sehr spät auf den Markt gekommen", sagte Handelsexperte Thomas Roeb. "Als Nummer zwei oder drei ist es auf diesem Markt sehr schwierig", sagte auch der Griechenland-Experte Konstantinos Intzeidis vom gleichnamigen Beratungsunternehmen.
Lidl wollte sich am Mittwoch nicht zu seinem Interesse an den griechischen Aldi-Märkten äußern. Der belgische Wettbewerber Delhaize dagegen hat bereits angekündigt, in diesem Jahr noch einmal bis zu 18 neue Filialen aufmachen zu wollen. Der Konzern ist seit 1992 in Griechenland. Dem börsennotierten Unternehmen gehört mehrheitlich die griechische Supermarktkette Alfa-Beta, die Nummer drei der Branche. Im vergangenen Jahr hatte Alfa-Beta die Umsätze um mehr als zehn Prozent auf rund 1,5 Milliarden Euro gesteigert. Da verwundert es nicht, dass Delhaize Interesse an den griechischen Aldi-Filialen nachgesagt wird. Eine Unternehmenssprecherin wollte dies nicht kommentieren. Delhaize sei aber stets an vielversprechenden Zukäufen auf Märkten interessiert, in denen der Konzern bereits aktiv ist. Delhaize hatte 2008 bereits das Griechenland-Geschäft von Plus gekauft. Der Konzern betreibt 218 Filialen in Griechenland.
Griechische Zeitungen begründeten den Rückzug von Aldi Süd auch mit den ganz besonderen Marktbedingungen des Landes: Viele Kunden bevorzugten frische und vor allem einheimische Produkte und gäben sich nicht mit importierter Ware aus Deutschland zufrieden. "Aldi ist nicht der erste Händler, der sich aus Griechenland zurückzieht. Das scheint ein schwieriges Umfeld zu sein", so Christoph Schwarzl, Handelsexperte beim Beratungsunternehmen Accenture.
"Die Unternehmensgruppe Aldi Süd wird sich verstärkt der Expansion in allen anderen neun Ländern Deutschland, Österreich, Schweiz, Slowenien, Ungarn, Großbritannien, Irland, USA, Australien widmen", teilte der Discounter auf Anfrage mit.
Quelle: Financial Times Deutschland
Bernd schrieb:
am 22. Juli 2010 um 18:50:23
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Aldi
Da scheinen die Griechen ja noch genug Geld in der Tasche zu haben, um in ihren ( sehr, sehr teuren)
Supermärkten zu kaufen.
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aldiachim schrieb:
am 22. Juli 2010 um 18:50:11
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Aldi
ist doch egal was in griechenland passiert,solln sie doch nur Feinkost essen ohne je zu erfahren,das die Ware von Aldi 1A ist.Irgendwie
passt es doch zu diesem Land,das Aldi dort scheitert.Ich denke in Dubai hätte es Aldi auch schwer.
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Don-Daniele schrieb:
am 22. Juli 2010 um 18:48:36
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(0)
Aldi
Da können wir auch mal stark davon ausgehen, dass Aldi seine Niedriglohnpolitik dort nicht wie geplant umsetzen konnte, ein Konzern wie
Aldi zieht sich nicht wegen der hier genannten vermeintlichen Schwierigkeiten vom Markt zurück, zudem ist das Argument mit den einheimischen Marken keines, denn es werden größtenteils regional produzierte Frischwaren verkauft, alleine aus logistischen Gründen.
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