
12.04.2011, 16:19 Uhr | Financial Times Deutschland
Er hinkt vier Jahre hinter dem Zeitplan hinterher und wird mindestens doppelt so viel kosten wie geplant: Das neue Vorzeige-Kampfflugzeug F-35 der USA. Doch inzwischen werden selbst in der weltgrößten Militärnation Zweifel an dem Mammutprojekt laut.
Noch nie gab es ein größeres Kampfflugzeugprojekt, und noch nie waren die Preissteigerungen höher: Binnen neun Jahren sind die Kosten für das neue Vorzeige-Kampfflugzeug F-35 Joint Strike Fighter um gut 100 Milliarden auf 382 Milliarden Dollar gestiegen. Bereits die Entwicklung des Flugzeugs unter der Regie des US-Rüstungskonzerns Lockheed Martin verteuert sich um 64 Prozent auf 56 Milliarden Dollar und liegt aktuell vier Jahre hinter dem Zeitplan.
Die durchschnittlichen Beschaffungskosten pro Stück haben sich mit 133 Millionen Dollar mehr als verdoppelt, wie ein neuer Bericht des US-Rechnungshofs zum Mammutprojekt zeigt.
Der US-Flugzeugbauer Boieng hat die neue Generation seines legendären Jumbo-Jets 747 vorgestellt. zum Video
Er ist gespickt mit Kritik an den Verzögerungen. Für Lockheed Martin stehen jährliche Milliardenumsätze auf dem Spiel. Inzwischen sorgen sich neben den USA auch die Abnehmerländer um die Kostenexplosion. Dabei stoßen sie jedoch auf Widerstand der heimischen Industrie, die Teile für den Kampfjet liefert.
Lockheed Martin wählte bei der Entwicklung und Produktion des Kampffliegers einen bislang einzigartigen Ansatz: Acht weitere Nationen beteiligten sich finanziell und liefern zu. Großbritannien, Italien, die Niederlande, Türkei, Australien, Norwegen, Dänemark und Kanada wollen zudem rund 750 Flieger erwerben. Es gibt jedoch seit Längerem ein Tauziehen darum, ob die internationalen Partner tatsächlich kompletten Einblick in die F-35-Technologie bekommen oder nur zahlen und liefern dürfen, während die wahren F-35-Geheimnisse unter US-Verschluss bleiben.
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Als Lockheed Martin 2001 vom Pentagon den Zuschlag für den F-35 erhielt, war dies die Garantie für jährliche Milliardenumsätze in den kommenden Jahrzehnten. Die USA wollen bis 2035 allein rund 2500 F-35 abnehmen. Hinzu kommen geplante internationale Verkäufe. Vor dem Hintergrund weltweiter Kürzungen in den Militärhaushalten sowie steigender F-35 Kosten wird das Programm aber inzwischen selbst in den USA als weltgrößtem Rüstungsmarkt kritisch hinterfragt. Eine F-35-Sonderversion, die extrem schnell starten und senkrecht landen kann, wird nur dann weiterentwickelt, wenn binnen zwei Jahren erhebliche technische Probleme gelöst sind.
Der US-Rechnungshof verweist in seinem jüngsten Bericht darauf, dass die internationalen Partner bisher schon 5,1 Milliarden Dollar in die Entwicklung einbezahlten. "Einige Partner haben bereits signalisiert, dass sie weniger Exemplare abnehmen", heißt es im Report der Pentagon-Rechnungsprüfer. Sie spielen damit offensichtlich auf die politische Auseinandersetzung in Kanada an. Die Regierung bleibt beim Kauf von 65 Flugzeugen für rund neun Milliarden Dollar, während die Opposition auf die Kostenexplosion in den USA hinweist und befürchtet, dass dies letztlich auch auf die beteiligten Nationen durchschlägt, wenn sie sich erst einmal für den Kauf entschieden haben. Es würde erst der Kaufköder ausgelegt und später kassiert, so das Credo der Opposition.
Aktuell gibt es in praktisch jedem der F-35-Käuferländer eine Diskussion über die Kosten und den Zeitplan. In der vergangenen Woche haben beispielsweise die Niederlande entschieden, wegen der Kürzungen im Militärhaushalt unter anderem ihre 60 Leopard-Panzer stillzulegen und zu verkaufen.
An der Beschaffung eines zweiten F-35-Trainingsmodells wird aber festgehalten, weil niederländische Firmen maßgeblich beteiligt sind. Auch Norwegen entschied vor wenigen Tagen, zunächst vier Trainingsflieger zu beschaffen und nicht auszusteigen.
Für den US-Rechnungshof überwiegen derzeit noch die Risiken des Programms. Seit Jahren fordert er mehr Kontrolle. Nach mehr als neun Jahren Entwicklung und vier Jahren Produktion habe das Programm immer noch nicht vollständig bewiesen, dass das System zuverlässig sei, heißt es in dem Bericht. "Nur etwa vier Prozent der geplanten Fähigkeiten sind komplett bestätigt durch Flugversuche, Labortests oder beidem."
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Quelle: Financial Times Deutschland
Otto schrieb:
am 12. April 2011 um 20:35:59
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@Minna... das ist Unsinn. Es gab nur wenig, was in der Zivilluftfahrt in den letzten 20 Jahren zu gebrauchen war.
Fly-by-Wire, das HUD...
Nutzung von Verbundwerkstoffen gab es bei den Zivilen schon vorher, Schubvektorsteuerungen braucht niemand in der zivilen Luftfahrt, Stealth auch nicht... Nein, das ist echt Unsinn.
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Otto schrieb:
am 12. April 2011 um 20:32:40
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Halte auch nicht viel von dem Ding...
... weil es nut dann steathy ist, wenn die Außenstationen an den Flügeln und unter dem Rumpf leer
sind. Dann hat sie nur 2 Waffenstationen im Rumpf. Aber wenn "draußen" das ganze Spielzeug dranhängt, ist sie nicht besser als die heute verfügbaren Flugzeuge wie die F-16 zum Beispiel.
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Otto schrieb:
am 12. April 2011 um 20:27:49
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@amihasser Habe gehört von der Suchoi T-50 und die chinesische Jianjiji J-20
wobei auch die Chengdu J-10 schon ganz nett ist, etwa mit der
schwedischen J-39 vergleichbar. Die J-20 ist ein Stealth-Flugzeug in der Größe der F-22. Es gibt nur wenige Fakten. Die Suchoi T-50 ist Prototyp für ein Kampfflugzeug der 5. Generation (stealth, Fly-by-Wire wie schon die Su 27/30/35/ Schubvektorsteuerung... )
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