Für Karmann sieht es nicht gut aus (Foto: dpa)Dem insolventen Autobauer Karmann mit derzeit noch 1500 Mitarbeitern droht das endgültige Aus. "Möglicherweise steht der ’Worst Case’, die Schließung von Karmann, vor der Tür", erklärte Pietro Nuvoloni, Sprecher des Insolvenzverwalters Ottmar Herrmann. Das Unternehmen habe noch in erheblichem Umfang Außenstände bei Autoherstellern. Ohne eine Zahlung dieser Gelder sei die Schließung "zu einem sehr nahen Zeitpunkt, bereits im November" kaum zu vermeiden.
Dem Zeitungsbericht zufolge schuldet allein Mercedes Karmann einen zweistelligen Millionenbetrag. Eine Bestätigung dazu gab es weder seitens des Insolvenzverwalters noch von Daimler. Ein Daimler-Sprecher sagte lediglich, die Stuttgarter seien mit Karmann im Gespräch. Dabei gehe es um "Forderungen aus der Vergangenheit und der Gegenwart". Es werde versucht, eine "Gesamtlösung" zu finden. "Der Eindruck, dass wir grundlos Geld zurückhalten, ist nicht zutreffend." Angaben zur Höhe der offenen Forderungen und zu weiteren Details machte der Sprecher nicht.
Magna bekundet Interesse
Karmann liefert Rohbauteile für den Mercedes SLK und das Dach für das E-Klasse Cabrio. Interesse an diesem Geschäft haben bereits der österreichisch-kanadische Zulieferer Magna, der aktuell den Kauf von Opel vorbereitet, sowie der spanische Autozulieferer CIE Automotive angemeldet. Die deutsche Magna-Tochter CTS verhandelt laut letzten Meldungen über das Segment mit rund 350 Mitarbeitern.
Gespräche gehen weiter
Herrmann selbst versuche in Gesprächen mit den Autoherstellern kurzfristig eine Lösung zu erreichen, sagte Nuvoloni. Dabei gehe es um Forderungen in Millionenhöhe, denen allerdings auch Gegenforderungen gegenüber ständen. "Wie kämpfen weiter darum, Karmann fortzuführen", betonte der Sprecher. "Der Insolvenzverwalter befindet sich in sehr intensiven Gesprächen mit den Auftraggebern, die noch offene Rechnungen haben". Ziel sei es, dass noch in letzter Minute Geld gezahlt werde, um die endgültige Schließung Karmanns zu verhindern. Bei einer völligen Zahlungsunfähigkeit müsste der Betrieb geschlossen, die noch verbliebenen Mitarbeiter sofort entlassen und der Besitz versteigert werden.
Elektroauto "E3" wird ausgeliefert
Ein Großteil der Maschinen und die Immobilien gehören nicht der insolventen Karmann GmbH, sondern der nicht insolventen Karmann KG. Auch die erst kürzlich neu gegründete Karmann-Tochter E-Mobil GmbH, die Elektroautos entwickelt, sei von der insolventen Unternehmensmutter zum Teil unabhängig, sagte Unternehmenssprecher Christian Eick. In den nächsten Tagen werde der Prototyp des Elektroautos "E3" an den Oldenburger Energieversorger EWE vertragsgemäß ausgeliefert. Es gebe noch weitere Aufträge für die Elektroauto-Sparte, die auch abgearbeitet werden sollten, sagte Eick.
Finanznot überschattet Verhandlungen
Die Lage bei Karmann bleibt dennoch dramatisch. Bereits in der vergangenen Woche hatte Insolvenzverwalter Hermann wegen der Schließung von Teilbereichen des Osnabrücker Traditionsunternehmens Massenentlassungen angekündigt. Etwa die Hälfte der Mitarbeiter müsste demzufolge gehen. Die Verhandlungen mit dem Betriebsrat in dieser Frage seien noch nicht beendet, sagte Nuvoloni. Auch die Gespräche zum Verkauf etwa des Verdeckbaus liefen auf Hochtouren. "Aber so ein Prozess kann nicht über einige wenige Tage über die Bühne gehen", sagte er. All diese Fragen würden überschattet von der aktuellen Finanznot. "Das Thema der Liquidität brennt uns unter den Fingernägeln."