01.10.2007, 11:20 Uhr | dpa / T-Online
Der Fahrzeugbauer Karmann will 1770 Stellen an den Standorten Osnabrück und Rheine abbauen. Das kündigte das Unternehmen in Osnabrück an. Allein in Rheine sollen in der zweiten Hälfte des kommenden Jahres rund 900 der bestehenden 1000 Arbeitsplätze wegfallen. In Osnabrück sollen innerhalb der kommenden zwölf Monate 870 der 4000 Stellen gestrichen werden. Als Grund für die Kürzungen nannte Karmann die "dramatisch veränderten Rahmenbedingungen im Fahrzeugbau".
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Wulff sagt Unterstützung zu
Niedersachsens Ministerpräsident Christian Wulff (CDU) sagte den von der Entlassung bedrohten Mitarbeitern spontan Unterstützung zu: "Das Land ist vor dem Hintergrund der großen Strukturumbrüche bereit, mit erheblichen Mitteln die Weiterqualifizierung und Vermittlung der Beschäftigten in andere Arbeitsplätze zu fördern." Er appellierte an die deutschen Autohersteller, die "Innovationsschmiede" Karmann zu sichern. "Die deutschen Automobilhersteller müssen sich sorgfältig überlegen, ob sie eine ingenieurtechnische Perle wie Karmann gegebenenfalls ausländischen Unternehmen in die Arme treiben und sich damit selbst langfristig starke Konkurrenz schaffen wollen."
IG Metall zeigt sich überrascht
Die IG Metall reagierte überrascht auf die Pläne. Der 1. Bevollmächtigte der Gewerkschaft in Osnabrück und Karmann- Aufsichtsrat, Hartmut Riemann, nannte die Nachricht "einen heftigen Schlag" für die Belegschaft. Überraschend sei vor allem die hohe Zahl der zu streichenden Stellen. Gemeinsam mit dem Vorsitzenden der Geschäftsführung und dem Betriebsrat sei am Vormittag die Belegschaft informiert worden. "Wir versuchen jetzt, zu retten, was zu retten ist", sagte Riemann.
Gesamter Fahrzeugbau bedroht
Geschäftsführer Peter Harbig verwies zur Begründung für den Personalabbau auf das Auslaufen von Aufträgen zum Bau von Cabrios und anderer Nischenmodelle für die großen Automobil-Konzerne. Die Gesamtfahrzeugprojekte in Osnabrück laufen nach Angaben des Unternehmens Ende 2008 aus. Wenn es nicht gelinge, bis zum 1. Juli 2008 einen Nachfolge-Auftrag für die Produktion zu gewinnen, sei auch eine Schließung des Bereichs Fahrzeugbau im Jahr 2009 möglich. Allein dieser Unternehmensbereich zählt 2000 Beschäftigte.
Hersteller setzen auf eigene Werke
Karmann baut neben Komplettfahrzeugen wie etwa Chrysler Crossfire oder Mercedes CLK im Auftrag der Markenhersteller vor allem auch Dachsysteme für Cabrios und betreibt eine große Forschungs- und Entwicklungsabteilung. Während die Dachsystem-Fertigung stark wächst, habe es für Komplettfahrzeuge seit Jahren keine neuen Aufträge mehr gegeben, sagte der Firmensprecher. Die Fahrzeughersteller bauten die für Karmann interessanten Sonderfahrzeuge wie Cabriolets oder Sport-Coupés inzwischen vollständig in eigenen Werken.
Bereits 2006 Stellen abgebaut
Bereits im Jahr 2005 hatte Karmann auf die veränderte Marktsituation mit einer Anpassung der Personal- und Kostenstruktur reagiert. Der Reformdruck hielt jedoch an: Im Jahr 2006 baute Karmann gut 600 Stellen in Deutschland in der Produktion ab. Weltweit beschäftigt das Unternehmen derzeit noch rund 7000 Mitarbeiter in sieben Ländern. Das Unternehmen, das im vergangenen Jahr einen Umsatz von 1,88 Milliarden Euro verzeichnete, rechnet auch im laufenden Jahr mit Umsatzrückgängen.
Quelle: t-online.de
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