Karmann-Manager wollen offenbar Teile des Konzerns selbst retten (Foto: ddp)Leitende Mitarbeiter des insolventen Autozulieferers Karmann wollen offenbar Teile des Unternehmens retten. Für den Bereich Technische Entwicklung in Osnabrück prüften Führungskräfte die Möglichkeit eines Management-Buyouts, berichtet die "Financial Times Deutschland" unter Berufung auf Unternehmenskreise. Es laufen demnach bereits Finanzierungsgespräche mit Banken. Kommen die Manager mit ihren Übernahmeplänen nun VW zuvor?
Mit dem Vorstoß positionieren sich die Karmann-Manager gegen VW. Der Wolfsburger Autobauer arbeitet nach einem Bericht der "Automobilwoche" mit Hochdruck an Plänen für den Einstieg bei Karmann. VW-Chef Martin Winterkorn lasse die Vergabe von Aufträgen für ein neues Golf Cabriolet und den künftigen Roadster BlueSport an Karmann prüfen, so ein VW-Manager. Den Bau kompletter Modelle bei dem Auftragsfertiger schloss der Insider jedoch aus, da Karmann zu teuer produziere. Der VW-Aufsichtsrat soll sich bald mit der Übernahme von Karmann für einen niedrigen zweistelligen Millionen-Betrag befassen. Bislang scheiterte die Übernahme an den Forderungen der Karmann-Eigentümer, die etwa 65 Millionen Euro betragen.
VW-Einstieg Gefälligkeit für Christian Wulff?
VW ist vor allem an der Engineeringkompetenz und am Werkzeugbau der Osnabrücker interessiert. VW-intern werde der Einstieg bei Karmann nicht als Notwendigkeit, sondern als Unterstützung gegenüber dem langjährigen Partner gesehen. VW brauche Karmann nicht, sagte der VW-Manager. Zudem sähen Branchenkreise eine Beteiligung an Karmann als Gefälligkeit für den niedersächsischen Ministerpräsidenten Christian Wulff (CDU). Er sitzt im VW-Aufsichtsrat, hat in Osnabrück seinen Wahlkreis und war VW behilflich, die Übernahme durch Porsche zu verhindern.
Karmann-Rechnungen noch nicht beglichen
Das ums Überleben kämpfende Unternehmen verhandelt seit Wochen mit Auftraggebern über die Bezahlung offener Rechnungen, um die endgültige Schließung zu vermeiden. So schuldet etwa Daimler Karmann aus laufenden und zurückliegenden Aufträgen eine zweistellige Millionensumme. In dieser Woche hatte eine Zahlung dem Unternehmen nach Angaben eines Sprechers des Insolvenzverwalters ein wenig Luft verschafft.