02.11.2009, 10:26 Uhr | dpa / t-online.de/business
Dauernd lächeln tut der Karriere nicht immer gut. (Foto: Imago)
"Freundlichkeit siegt" - die alte Lebensweisheit stimmt nicht immer. Im Umgang mit Kollegen oder Kunden kann Freundlichkeit weiterhelfen. Allerdings ist sie nicht die beste Methode in jeder Situation. Experten erklären, warum und wann Sie im Job lieber mal die Krallen ausfahren sollten.
Um Ziele zu erreichen, hilft es manchmal eher, die Zähne zu zeigen oder auch nur sauer sein. Experten raten zum dosierten Einsatz von Lächeln und netten Gesten. Dabei geht es nicht darum, sich berechnend zu verhalten, sondern intelligent. Generell ist Freundlichkeit natürlich angenehm: "Ich werde auch lieber freundlich behandelt als zur Schnecke gemacht", sagt Christine Öttl, die als Coach in München arbeitet. "Aber sie muss der Situation angemessen sein. Freundlichkeit um jeden Preis ist verkehrt", so die Expertin.
Der Versuch, freundlich rüberzukommen, kann sogar nach hinten losgehen. "Es darf keine Masche sein. Wenn Freundlichkeit aufgesetzt wirkt, funktioniert das nicht", erläutert Öttl. Sie kann andere sogar nerven, wenn sie merken, dass sie nicht ehrlich ist.
Im Vorstellungsgespräch beispielsweise sollte Freundlichkeit nicht überdosiert werden. "Das wirkt sonst leicht unterwürfig", warnt Öttl. Und das erscheine wiederum unehrlich. Dauergrinsen komme nicht an. Höflich zu sein, sei zwar Pflicht, aber sie darf eben nicht übertrieben daherkommen. "Dann erreicht man damit auch nicht, was man erreichen möchte", erklärt Öttl. "Wenn Freundlichkeit nur aus taktischen Gründen eingesetzt wird und nicht zu meiner Stimmung passt, ist sie nicht wirkungsvoll", warnt die Fachfrau.
"Wir haben feine Antennen dafür, dass wir widersprüchliche Signale empfangen", warnt auch Meike Müller. Dem anderen etwas vorspielen zu wollen, funktioniere deshalb häufig nicht. "Wenn ich meinen Ärger unterdrücke, gerät mein Lächeln leicht schief", sagt die Expertin, die in Berlin als Coach und Kommunikationstrainerin arbeitet. Außerdem passe Freundlichkeit auch nicht immer zum Thema. "Manchmal ist man schließlich zurecht sauer", betont Christine Öttl. Und dann sollte niemand seine schauspielerischen Fähigkeiten überstrapazieren und auf gute Laune machen.
Trotzdem sei es grundsätzlich vernünftig, freundlich sein zu wollen. Unfreundlichkeit sei häufig ein Zeichen fehlender Souveränität - und komme auch so an, gibt Meike Müller zu bedenken. Laut werden ist der Fachfrau zufolge ein Zeichen für schwaches Selbstbewusstsein. Gerade wer in der Lage ist, Provokationen zu überhören, zeige damit Stärke. Bei konfliktträchtigen Gesprächen sei es gut, die Diskussion wieder auf die sachliche Ebene zu bringen - wenn der Gesprächspartner unfreundlich und unsachlich geworden ist.
Das Ziel lautet deshalb, nicht einfach freundlich, sondern glaubhaft freundlich zu wirken. "Das ist oft auch eine Frage der Stimme und der Körpersprache", erläutert Müller. Die nonverbale Ebene entscheide mehr über gelungene Kommunikation als das, was wir sagen. Ob jemand freundlich wirkt oder abweisend, hängt nach Ansicht von Caroline Krüll nicht unwesentlich von den Signalen ab, die er zum Beispiel durch seine Körperhaltung aussendet. "Wenn man das Kinn nach oben zieht, signalisiert das Kampfbereitschaft. Wenn man das nicht tut, wirkt das weniger aggressiv", betont die Selbstmarketing-Expertin und Trainerin aus Berlin.
Ähnliches gilt, wenn der Kopf leicht geneigt wird. "Man wirkt dann freundlicher", erklärt Krüll. In Konfliktsituationen, die noch nicht eskaliert sind, könnten solche Gesten entschärfend wirken. Ist das Gegenüber schon in Rage und schüttet kräftig Adrenalin aus, hilft das vermutlich nicht viel. Dann müsse man sich mit Worten wehren. "Man kann zum Beispiel sagen: 'Ich bedaure sehr, wie wir hier reden!'", empfiehlt Krüll. Wichtig sei dabei das "wir" - dem anderen Vorwürfe zu machen, sei wie Öl ins Feuer gießen.
Zu versuchen, den Angriffen des anderen lächelnd zu begegnen, hält Caroline Krüll für naiv. "Lächeln reicht nicht. Es kann den anderen sogar provozieren, total auszurasten. Ich würde das nicht ausprobieren", meint die Trainerin. Und es ist in manchen Situationen auch zum Scheitern verurteilt. "Ich kann mich nicht zum Freundlichsein zwingen. Es ist ja auch eine Frage der individuellen Stimmung - nicht immer bin ich gleich gut drauf und freundlich gestimmt," sagt Christine Öttl.
dpa / t-online.de/business
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