08.11.2010, 10:00 Uhr | Andreas Heimann, dpa
Sein Image beim Chef zu verbessern, kann lange dauern. (Foto: Imago)
Eine schlechtes Reputation im Job kann böse Folgen haben. Wer beim Chef erst einmal im Ruf steht, ein regelmäßiger Zuspätkommer zu sein oder bei der Arbeit zu pfuschen, hat nichts zu lachen. Das Image lässt sich zwar nicht von heute auf morgen reparieren - aber es geht. Wir verraten Ihnen, wie das funktioniert.
Viele Vorgesetzte fällen ihr Urteil über Mitarbeiter schnell und gnadenlos. Und wer erst einmal als faul, langsam, unzuverlässig oder dumm wahrgenommen wird, hat ein Problem. Denn ein schlechtes Image wieder loszuwerden, ist eine echte Herausforderung und keine Sache von ein oder zwei Tagen, erklärt Karriereberaterin Svenja Hofert aus Hamburg. Im Gegenteil: Der Arbeitnehmer muss diese Aufgabe als Langzeitprojekt begreifen und kontinuierlich daran arbeiten.
Das Problem zu ignorieren und aussitzen zu wollen - nach dem Motto "Lass den Chef doch meckern" -, ist die falsche Strategie. Sinnlos ist aber auch, dem Vorgesetzten die Vorwürfe ausreden zu wollen. Schlimmer noch, es kann den Chef sogar noch mehr auf die Palme bringen: "Jeder Rechtfertigungsversuch verstärkt dessen negative Wahrnehmung", warnt Hofert. Der Mitarbeiter, der sich Kritik anhören muss, sei deshalb gut beraten, nicht dagegen zu argumentieren.
"Die Führungskraft definiert, was ihre Erwartungen an den Arbeitnehmer sind", betont Hofert. Deshalb sei es hilfreich zu versuchen, die Perspektive zu wechseln und zu versuchen, den Sachverhalt einmal mit der Brille des Vorgesetzten zu betrachten. Denn es nützt nichts, sich in eine Opferrolle zurückzuziehen und darüber zu jammern, vom Chef immer wieder kritisiert zu werden. "Die Frage ist: Kann ich die Kritik annehmen?", sagt Hofert.
Häufig nehmen Mitarbeiter und Vorgesetzter Arbeitsabläufe ganz unterschiedlich wahr, weil sie andere Charaktertypen sind. "Sind für den Chef Werte wie Ordnung und Struktur sehr wichtig, dann stört es ihn viel eher, wenn ein Mitarbeiter zum Beispiel zu spät kommt", meint die Expertin. Deshalb könne es hilfreich sein, sich zu fragen: "Haben wir die gleiche Denkstruktur, oder ticken wir ganz anders?" Sind Arbeitgeber und Mitarbeiter demnach sehr unterschiedlich, sind Konflikte viel wahrscheinlicher.
Dies zu wissen, kann helfen, das Problem zu lösen: Der Arbeitnehmer muss dann versuchen, sich stärker an den Wertvorstellungen des Vorgesetzten zu orientieren. Das vermindert das Risiko, dass beide künftig erneut aneinandergeraten. "Das Problem taucht häufig auf, wenn ein Vorgesetzter wechselt", so Hofert. Vorher liefe alles gut, aber mit dem Neuen klappe es nicht mehr. Das liege dann oft daran, dass die Werte des Neuen eben andere sind.
Wer am Image arbeiten möchte, sei darum gut beraten zu klären, was die Erwartungshaltung des Chefs ist: "Was will er von mir? Und wie kann ich es ihm bieten?" Im nächsten Schritt muss der Betreffende es dann umsetzen. Manchmal sei es aber auch so, dass der Chef bestimmte Leistungen des Mitarbeiters einfach nicht wahrnimmt. "Da gibt es immer blinde Flecken, etwas, das er nicht sieht", weiß Hofert.
Fleißiges Vor-sich-hin-Arbeiten sei dann verkehrt. "Man muss auf die eigenen Leistungen auch aufmerksam machen", rät die Expertin. Manchmal sieht der Chef eben nur, dass einer seiner Mitarbeiter immer um 16 Uhr geht - aber nicht, dass er schon um sieben Uhr kommt. Selbstmarketing ist also auch und gerade in solchen schwierigen Situationen hilfreich - und zwar in der richtigen Dosierung. Aber auch der Einsatz muss stimmen. "Wenn ich mein schlechtes Image ändern möchte, muss ich eben viel Engagement zeigen, um das Gegenteil zu beweisen", sagt Hofert.
Oft helfe aber auch schon, den Chef bei einzelnen Aufgaben positiv zu überraschen, um zumindest eine erste Imagekorrektur zu erreichen. Wenn sich die Wogen dann geglättet haben, empfiehlt sich ein Gespräch unter vier Augen. Dabei kann es zum Beispiel darum gehen, wie der Vorgesetzte dem Arbeitnehmer helfen kann, sich weiter zu entwickeln - durch Coachings oder Weiterbildung möglicherweise.
Quelle: dpa
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