04.06.2009, 09:43 Uhr | t-online.de/business
Sorgen Sie dafür, dass der Chef auch sieht, wie hart Sie arbeiten. (Foto: Imago)
Auf der Karriereleiter ein paar Stufen nach oben klettern - das möchte fast jeder. Viele setzen den Hebel dabei an der falschen Stelle an und rackern sich vergeblich ab. Wie aber funktioniert Karrieremachen wirklich? Experten verraten, was Sie im Job wirklich nach vorn bringt.
"Viele haben ganz falsche Vorstellungen", sagt der Coach Martin Wehrle aus Jork bei Hamburg. Die häufigsten Irrtümer im Überblick: "Wer Erfolg haben will, darf nicht auf den "Dienstweg" vertrauen, warnt Wehrle. Das fange schon bei der Bewerbung an. "Stellenausschreibungen sind oft eine Farce. In mindestens der Hälfte der Fälle ist die Entscheidung längst gefallen, wenn die Stellenanzeige veröffentlicht wird", so der Experte. Bewerber machten sich dann große Hoffnungen und zweifelten an sich selbst, wenn sie eine Absage bekommen. Häufig werden Stellen aber intern vergeben. Wer aufsteigen möchte, muss das einkalkulieren.
Falsch ist auch die verbreitete Vorstellung, ein Mitarbeiter erwerbe ein Anrecht auf eine Beförderung, weil er schon lange Zeit im Unternehmen ist. "Oft klagen solche Menschen, sie wären eigentlich dran gewesen, aber wieder übergangen worden", sagt Wehrle. Tatsächlich nimmt die Wahrscheinlichkeit aufzusteigen aber nicht mit der Dauer der Betriebszugehörigkeit zu. "Wer in den ersten drei bis fünf Jahren nicht befördert wurde, wird es danach tendenziell eher auch nicht."
Dass der zweite Bildungsweg nur eine Karriere zweiter Klasse möglich macht, ist ein verbreitetes Klischee. In Wirklichkeit trifft das nach den Erfahrungen von Madeleine Leitner nicht zu. "Im Gegenteil, man zeigt, dass man belastbar und ehrgeizig ist", sagt die Diplom-Psychologin, die in München als Coach arbeitet. Gute Perspektiven gebe es gerade für diejenigen, die schon früh neben dem Beruf das Abitur oder Studium nachholen. "Heute gibt es viele entsprechende Weiterbildungsangebote", betont Leitner. Martin Wehrle sieht das ähnlich: "Man hat schon vorher einen Beruf gehabt und die Energie besessen, abends noch zu lernen. Das zeigt großes Durchhaltevermögen", erklärt der Fachmann.
Fleiß hingegen ist nicht automatisch karrierefördernd: Es kommt darauf an, ob der Vorgesetzte auch merkt, wie viel jemand arbeitet. Merkt er das nicht, hilft alles Engagement nicht weiter. Wer konzentriert arbeitet, schon um 16 Uhr fertig ist und regelmäßig pünktlich geht, fällt eher unangenehm auf. "Wer bleibt, bis es dunkel wird, gilt als Held der Arbeit", meint Madeleine Leitner. Kommt ein Mitarbeiter früh, geht aber auch früh, hat er die schlechteren Karten. "Die meisten Chefs fangen eher später an und bleiben länger", sagt Martin Wehrle. "Mitarbeiter, die früh anfangen, sind abends oft nicht mehr da, wenn der Chef sie braucht."
Gut fürs Vorankommen ist auf jeden Fall, wenn klar erkennbar ist, welche Kompetenzen ein Mitarbeiter hat. "Man soll sich keine Maske überstülpen und etwas vortäuschen, aber man soll sich profilieren", empfiehlt Claudia Cornelsen. "Deshalb ist wichtig, sich frühzeitig bestimmte Themen unter den Nagel zu reißen", rät die Expertin für Personality-PR in Hamburg. Auch hier gilt: Entscheidend ist, dass andere davon erfahren. "Man kann zum Beispiel in der Betriebszeitung über sein Fachgebiet schreiben und an entsprechenden Kongressen teilnehmen", schlägt Cornelsen vor. Dadurch machen Fachmann oder Fachfrau auch andere außerhalb der direkten Umgebung schnell auf sich aufmerksam.
Das Betriebsklima ist nicht nur eine psychologische Größe, wie viele meinen. "Auch Kunden oder Geschäftspartner bekommen das mit", sagt Martin Wehrle. Die Atmosphäre in einem Betrieb sei deutlich zu spüren - egal, ob es sich um eine Arztpraxis oder ein Fachgeschäft handele. Nicht nur, weil Mitarbeiter bei gutem Betriebsklima motivierter sind, spielt es eine Rolle für den Unternehmenserfolg. "Auch die Kunden werden dadurch beeinflusst", sagt Wehrle. Ein schlechtes Betriebsklima führe langfristig dazu, dass Firmen sich das Wasser selbst abgraben.
Regelmäßig die Stelle zu wechseln, gilt oft als Voraussetzung, um vorwärtszukommen. Das kann aber nach hinten losgehen. "Personalabteilungen sehen da genau hin", warnt Cornelsen. "Wenn ein Bewerber überall nur zwei Jahre geblieben ist, dann wissen sie, der ist hier in zwei Jahren auch wieder weg", so die Fachfrau. In solche Mitarbeiter investieren Arbeitgeber ungern. Hinzu kommt: Wer sich immer wieder auf neue Positionen bewirbt, landet leicht an der falschen Stelle - und ist dann überfordert oder gelangweilt.
Branchenwechsel sind keine Voraussetzung fürs berufliche Weiterkommen. Es gibt aber deutliche Unterschiede, je nach angestrebter Position. "Im Marketing zum Beispiel ist das Fachwissen nicht branchenspezifisch", sagt Leitner. "Da wünschen sich Unternehmen oft von neuen Kollegen, dass sie frischen Wind mitbringen und auch aus einer anderen Branche kommen", erläutert der Experte. In vielen Betrieben werden Branchenfremde aber mit Skepsis betrachtet. "Da heißt es dann, der versteht unser Geschäft nicht", sagt Wehrle. Eine Ausnahme bilde das gehobene Management: "Da ist der Manager Experte fürs Managen, nicht für Autos oder Eiscreme."
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