21.07.2011, 17:35 Uhr | dpa
Hauswand mit Ernesto (genannt "Ché") Guevara Serna (Foto: imago) (Quelle: imago)
Bis vor kurzem war das undenkbar: Erstmals seit der Revolution vor mehr als 50 Jahren soll es Kubanern erlaubt werden, Immobilien zu kaufen. Noch dominieren auf der Insel aber bürokratische Tücken - die trickreich umgangen werden.
Seit nunmehr zwei Jahren versucht Georgina, rechtlich als Eigentümerin des von ihr bewohnten Hauses in Havanna anerkannt zu werden. Doch immer wieder rennt die Frau aus dem Hauptstadtviertel San Miguel del Padrón gegen die Mauern kubanischer Bürokratie. "Der Direktor hatte einen Unfall", "die Formulare waren nicht richtig ausgefüllt" oder "Sie benötigen ein neues Gutachten", hat sie von wechselnden Beamten immer wieder gehört. Es half auch nichts, dass sie ein Rechtsanwaltsbüro einschaltete. "Die Urkunde schmort weiter ohne Unterschrift im Archiv, und ich bekomme mein Haus einfach nicht legalisiert", sagt sie frustriert.
Die "Chronologie einer Quälerei", nannte selbst die Zeitung "Juventud Rebelde", das Zentralorgan der kommunistischen Jugend, Georginas erfolglosen Gang durch die Behörden. Ein Einzelfall ist ihre Odyssee auf der von Wohnungsmangel geplagten kommunistischen Karibikinsel aber bei weitem nicht.
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"Hier ist es absolut normal, dass die Großeltern mit ihren Kindern und Enkeln unter einem Dach leben oder sich ein geschiedenes Ehepaar eine Wohnung teilen muss, weil es keine andere Bleibe findet", weiß Carmen, eine Hochschulabsolventin, die bei ihren Eltern lebt. Offizielle Zahlen gibt es zwar nicht. Aber einige Statistiken deuten darauf hin, dass mindestens eine halbe Million Wohnungen auf Kuba fehlen - nicht mitgerechnet die tausenden heruntergekommenen Häuser, die eigentlich unbewohnbar sind, aber dennoch genutzt werden.
Große Erwartungen hat nun eine von Staatschef Raúl Castro angekündigte Reform geweckt: Erstmals seit dem Sieg der Revolution 1959 wird der Verkauf von Immobilien unter den Inselbewohnern und auch ausgewanderten Kubanern erlaubt. Letztere hatten ihre Wohnungen bislang bei der Ausreise verloren. Das neue Gesetz, vom Parteitag der KP im April abgesegnet, regelt auch das Erben von Immobilien. Allerdings darf niemand mehr als ein einziges Haus besitzen.
Damit die Reform - im Rahmen der "Aktualisierung" des sozialistischen Modells - umgesetzt werden kann, muss die Regierung nicht weniger als 188 Vorschriften ändern - die meisten davon sind Verbote. Diese haben die Kubaner aber auch bislang nicht davon abgehalten, ihre Wohnungsprobleme auf anderem Wege zu regeln, nämlich über illegale Verkäufe. "Auf links" oder "frei" werden solche Geschäfte genannt. Sogar das KP-Zentralorgan "Granma" gesteht ein, dass die große Zahl undurchschaubarer Gesetze und der Bürokratie-Dschungel "Verstöße und Korruption" gefördert hätten.
Die einzige legale Art, auf Kuba die Wohnung zu wechseln, war bislang der Tausch, besser bekannt als "permuta". Und auch der hat seine administrativen und praktischen Tücken. "Tausche Haus gegen zwei Wohnungen" oder "Tausche große Wohnung gegen zwei kleine", ist auf den Schildern von Bürgern zu sehen, die sich regelmäßig samstags in einer Straße im Zentrum Havannas treffen - die "Wohnungsbörse" nennen Kubaner den Treffpunkt ironisch.
Der Regisseur Juan Carlos Tabío hat diese Art der Wohnungssuche in den 1980er Jahren mit viel Humor in seinem Film "Se permuta" (Es wird getauscht) verarbeitet. In dem Streifen versucht eine Näherin verzweifelt, ein neues Heim zu finden, um ihre Tochter von einem Verehrer fernzuhalten - ohne Erfolg. "Mist, das ging daneben", muss sie am Ende eingestehen.
Nach Ansicht von Ökonomen wird das neue Gesetz nicht nur eines der drängendsten Probleme auf der Insel angehen, sondern zugleich dem Staat große Steuereinnahmen bescheren. Der von den Exil-Kubanern gespeiste Zustrom von Devisen, bisher schätzungsweise rund eine Milliarde Dollar im Jahr, werde deutlich anschwellen, heißt es.
"Und das wird sich sehr schnell bemerkbar machen", sagte ein Ökonom in Havanna. "Die Öffnung des Marktes, auch wenn diese nur begrenzt ist, wird dazu führen, dass der Wert der Immobilien steigt und die Leute kaufen wollen, ehe die Preise weiter steigen." So auch Marta, die ihre Wohnung in Havannas zentralem Viertel Vedado verkaufen will, um sich ein Haus mit Garten und Innenhof zuzulegen. "Für mein Appartement sind mir 25.000 Dollar geboten worden, aber für ein Haus werden 90.000 Dollar verlangt", stöhnt sie.
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dpa
der Ulmer schrieb:
am 22. Juli 2011 um 11:52:22
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Kuba
Ruinen schaffen ohne Waffen! das war auch in der DDR Volksmund, der am besten ausdrückt, wie die Ökonomie des Sozialismus
funktioniert: gerade noch, so lange man von der Substanz (die in der Marktwirtschaft geschaffen wurde) leben kann. Ist die Substanz verbraucht, kommt der Bankrott. China ist dagegen kein Sozialismus, sondern Staatskapitalismus vermischt mit Markwirtschaft.
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Freihietsliebender schrieb:
am 21. Juli 2011 um 18:15:54
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Kuba und der verbrecherische Castro-Clan
Klagt den Castro-Clan vor dem internationalen Strafgerichtshof an...alles Verbrecher
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freier Bürger schrieb:
am 21. Juli 2011 um 18:13:39
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Sozialismus und Armut
Tja, die Errungenschaften des Sozialismus.....heruntergekommene Häuser, kommt mir irgendwie bekannt vor,
Wohnungsmangel....Sozialismus pur!!!!!!!!!!!!!!
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