26.07.2010, 10:41 Uhr
Der Begriff "Tier" hat in der Bankenbranche nichts mit Tieren zu tun, sondern ist die englische Bezeichnung für Kernkapitalquote. Man berechnet diese Kennzahl, indem man das Kernkapital (damit ist das unmittelbar haftende Eigenkapital gemeint) der Bank durch die Summe der Risikoposten (etwa Kredite und Wertpapiere) teilt. Die Kernkapitalquote sagt also aus, inwieweit die Risikopositionen durch eigene Mittel gedeckt sind, sprich wie dick der Risikopuffer der Bank ist.
"Tier 1" gilt darum als magische Zahl, um die Stabilität und Stärke einer Bank zu beurteilen. Je höher die Quote, desto gesünder die Bank. Nach internationalen Bilanzvorschriften muss die Kernkapitalquote mindestens vier Prozent betragen, also vier Prozent des Kreditvolumens durch Eigenkapital gedeckt sein. Werte von unter sechs Prozent gelten als bedenklich. Sieben Prozent gelten gemeinhin als Richtwert für eine gesunde Bankbilanz.
Zum Beispiel bedeutet eine Kernkapitalquote von sechs Prozent, dass innerhalb eines Jahres insgesamt sechs Prozent der Kredite und Aktien ausfallen müssten, bevor das Kapital aufgebraucht ist und der Bank die Insolvenz droht. Beim Stresstest für Europas Banken im Jahr 2010 wurde - wie im US-Test - als Untergrenze für "Tier 1" die Marke von sechs Prozent festgelegt. Wer diesen Wert auch im schlimmsten Szenario nicht halten kann, ist durchgefallen.
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