Drucken
"SZ": Ganze Pannenserie bei KfW-Überweisung
06.10.2008, 14:29 Uhr | oca
Peinliche Details zur Millionen-Panne. (Foto: dpa)Die heftig kritisierte KfW-Überweisung von mehr als 300 Millionen Euro an die insolvente US-Investmentbank Lehman Brothers geht laut einem Zeitungsbericht auf eine ganze Serie von Pannen zurück. Die Bundesbank, über die der Geldtransfer erfolgt sei, habe die Überweisung zunächst gestoppt, berichtet die "Süddeutsche Zeitung" (SZ) unter Berufung auf einen internen Prüfreport. Der Grund: Auf dem betreffenden Konto der KfW bei der Bundesbank sei nicht genügend Geld gewesen. Daraufhin habe die KfW das Konto eigens aufgefüllt, so dass die Überweisung erfolgen konnte.
Übersicht - Die großen Banken der Wallstreet
Überblick - Wichtige Begriffe zur Finanzkrise
Hintergrund - Schwarze Tage an der Börse
Quiz - Was wissen Sie über die großen Finanzkrisen?
Sitzung zu spät angesetzt
Die KfW hatte die Überweisung bereits mit einer Fehleinschätzung und einer Panne erklärt. Das Geld war am 15. September, einem Montag, am Morgen überwiesen worden. Nach bisherigen KfW-Angaben war am Freitag davor das Risiko des langfristigen Devisengeschäfts nicht erkannt und daher keine Beobachtung der Lage am Wochenende beschlossen worden. Die zuständige Abteilung habe für Montagmorgen zwar eine weitere Sitzung angesetzt - die Überweisung sei aber schon rund eine Stunde zuvor ausgeführt worden.
Ausführliche Berichterstattung übers Wochenende
Übers Wochenende waren - begleitet von einer ausführlichen Berichterstattung in den Medien - Verhandlungen über eine Rettung von Lehman Brothers gescheitert und die Investmentbank musste am frühen Montagmorgen deutscher Zeit Insolvenz anmelden. Wegen der Überweisung mussten inzwischen zwei KfW-Vorstände gehen. Von einem Stopp der Überweisung durch die Bundesbank war bisher nichts bekannt.
"Streng vertraulich"
Der Untersuchungsbericht ist laut "SZ" als "streng vertraulich" gekennzeichnet. Er sei von der Wirtschaftsprüfergesellschaft Price Waterhouse Coopers (PwC) für den Verwaltungsrat der KfW erarbeitet, der von den Bundesministern Michael Glos (Wirtschaft) und Peer Steinbrück (Finanzen) geleitet wird. Darin seien auf 28 Seiten zahlreiche Fehler aufgelistet, die zu der Überweisungspanne geführt hätten.
Überwachung bestimmter Geschäfte auch am Wochenende
Für das Wochenende vor der Überweisung hätten "besondere Maßnahmen" ergriffen werden müssen, rügten die PwC-Prüfer demnach in ihrem Report. Dadurch wäre nach ihrer Ansicht spätestens am Sonntag, die drohende Insolvenz von Lehmann erkannt worden. Das sei nur einer von vielen Kritikpunkten in dem Untersuchungsbericht. Dieser ende mit sieben Vorschlägen, wie sich die internen Abläufe und Kontrollen bei der KfW verbessern ließen. Darunter befinde sich auch der Hinweis, eine Überwachung bestimmter Geschäfte sollte auch "am Wochenende möglich sein".
Mehr Themen:
Lehman - Bankrott sendet weitere Schockwellen
Porträt - KfW-Chef Ulrich Schröder
Hintergrund - "Stoppt diesen Irrsinn"
Video - Versicherungsriese AIG gerät in den Strudel der US-Finanzkrise
Hintergrund - Die staatliche KfW und ihre IKB-Beteiligung
Hintergrund - AIG: Rettungsaktion der US-Regierung umstritten
Insolvente Investmentbank - Barclays übernimmt Lehman-Anteile
Quelle: dpa-AFX
, t-online.de