22.02.2010, 16:32 Uhr | Spiegel Online
Madeleine Schickedanz: Krebsstiftung in der Kritik (Foto: dpa)Stiftung von zweifelhaftem Nutzen: Die Kinderkrebs-Einrichtung der Arcandor-Großaktionärin Schickedanz verschlingt nach "SPIEGEL"-Recherchen Unsummen für die Verwaltung. Zeitweise kamen von jedem Spenden-Euro nur 29 Cent dem Zweck zugute. Dabei gibt es praktisch keine Personalkosten. Madeleine Schickedanz bereitet nicht nur der insolvente Arcandor-Konzern Probleme, wegen dem der Quelle-Erbin nach eigenen Angaben die komplette Verarmung droht. Auch die Kinderkrebs-Stiftung, die die 65-Jährige 1990 gründete, beschert Kummer. Die Kosten laufen vollkommen aus dem Ruder.
Gut 3,3 Millionen Euro wurden zwischen 2006 und 2008 an Spenden eingesammelt. Weniger als die Hälfte kam bei krebskranken Kindern, Krankenhäusern und Forschern an. Obwohl die Stiftung praktisch ohne Personalkosten arbeitet, fielen fast 1,7 Millionen Euro für Verwaltungskosten an, wie die Stiftung auf Anfrage bestätigte. Zeitweise kamen so von jedem Spenden-Euro gerade mal 29 Cent dem Stiftungszweck zugute. Nach den Kriterien des Deutschen Zentralinstituts für soziale Fragen gelten Verwaltungskosten von maximal 35 Prozent als noch vertretbar.
Grund für die ausufernden Kosten bei der Schickedanz-Einrichtung ist eine auf drei Jahre begrenzte Mailing-Aktion, bei der pro Jahr rund eine halbe Million Bürger als potentiell neue Spender von der Quelle-Erbin angeschrieben wurden. Der Erfolg ist zweifelhaft. Für Branchenkenner Stefan Loipfinger, der auf seiner Internet-Seite Charitywatch.de den Markt analysiert, bestehen "massive Zweifel" an der Stiftung. Wegen der "mehr als bescheidenen Erfolgsquote" könne "nur vor einer Spende an diese Organisation gewarnt werden". Ein Stiftungssprecher gelobt Besserung: "In diesem Jahr sind unsere Mailing-Kosten weitaus niedriger."
Die Probleme der Stiftung sind nur einer von vielen Tiefschlägen für die Quelle-Erbin. Schickedanz hatte in den vergangenen Tagen erklärt, wegen der Pleite von Arcandor selbst von der Armut bedroht zu sein. Sie lebe derzeit von 600 Euro im Monat, sagte sie der "Bild am Sonntag". Gleichzeitig räumte sie ein, Mitschuld zu haben an der desaströsen Lage des Konzerns. "Ich hätte schon viel früher Themen wie Internet im Versandhandel und die Zukunft und Veränderung der Kaufhäuser angehen müssen", sagte die Quelle-Erbin. Sie habe viel zu spät gemerkt, dass sie die Kontrolle verloren habe. Wegen der Pleite drohe nun auch der Verlust ihres gesamten Vermögens, sagte Schickedanz - die sich nach eigenen Angaben deshalb bittere Vorwürfe ihrer Kinder anhören muss. Arcandor hatte Anfang Juni Antrag auf Insolvenz gestellt, nachdem das Drängen auf Staatshilfe erfolglos geblieben war.
Quelle: Spiegel Online
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