19.01.2012, 11:41 Uhr | dpa, dpa-AFX, dapd, t-online.de
Der Foto-Pionier Kodak hat nach einem langen Überlebenskampf einen Insolvenzantrag gestellt. Das Unternehmen wolle aber weiterarbeiten, teilte die seit Jahren angeschlagene Traditionsfirma mit.Dazu sei eine Finanzierung von fast einer Milliarde Dollar vereinbart worden, die von der Großbank Citigroup zur Verfügung gestellt werden soll. Ausländische Tochterunternehmen seien nicht betroffen.
Der amerikanische Konzern Eastman Kodak hat mit seinen Tochterunternehmen in den USA Insolvenz nach Chapter 11 des US-Insolvenzrechts angemeldet. In den USA ist es nicht ungewöhnlich, dass sich Konzerne mit Hilfe des Gläubigerschutzes sanieren. Kodak hatte einst die analoge Fotografie entscheidend geprägt. Mit dem Wechsel zu digitalen Bildern kam das US-Unternehmen jedoch nie klar.
Der Vorstandsvorsitzende Antonio Perez erklärte, der Antrag auf Gläubigerschutz sei "ein notwendiger Schritt und das Richtige für die Zukunft von Kodak". Die Umstrukturierung soll im Lauf des Jahres 2013 abgeschlossen werden. Auf seiner Website versicherte Kodak, es sei ausreichend Geld vorhanden, um Verkäufer, Lieferanten und andere Geschäftspartner zu bezahlen. Das Unternehmen habe sich eine Finanzierung in Höhe von 950 Millionen Dollar von der Citigroup gesichert, der Geschäftsbetrieb und die Zahlung der Löhne und Gehälter könnten damit fortgeführt werden.
Das Traditionsunternehmen hat das Insolvenzverfahren in den Vereinigten Staaten eingeleitet. zum Video
Der Kurs der Kodak-Aktie war nach den Insolvenzgerüchten dahingeschmolzen. Die New Yorker Börse drohte bereits, das Papier aus dem Handel zu verbannen, weil der Kurs dauerhaft unter einem Dollar fest hing. Während die Aktie noch in den 90er Jahren mehr als 90 Dollar kostete. Nach Bekanntgabe des Insolvenzantrags am Donnerstag rutschte die Aktie um 34 Prozent auf 0,30 Euro.
Über eine Kodak-Insolvenz war bereits seit Monaten heftig spekuliert worden, die ersten konkreten Hinweise gab es schon im Oktober. Eine Serie von Verlustjahren hatte die Bargeldreserven angegriffen: Im November hatte Kodak für das dritte Quartal 2011 ein Minus von 222 Millionen Dollar (171 Millionen Euro) ausgewiesen. Es war der neunte Quartalsverlust innerhalb von drei Jahren. Das rund 130 Jahre alte Unternehmen hatte selbst gewarnt, dass ohne neue Mittel binnen zwölf Monaten das Aus kommen könnte. Kodak sucht jetzt Schutz vor den Forderungen seiner Gläubiger nach Kapitel elf des US-Insolvenzrechts.
Kodak setzte vor allem seit Juli darauf, ein Paket aus rund 1100 Patenten zu verkaufen, um sich das dringend benötigte frische Geld zu besorgen. Das könnte Experten zufolge zwei bis drei Milliarden Dollar (1,5 bis 2,3 Milliarden Euro) einbringen. Auch unter Chapter 11 wolle Kodak weiterhin das nicht-strategische geistige Eigentum des Unternehmens verkaufen, hieß es nun.
Ein Deal kam jedoch trotz monatelanger Gespräche nicht zustande. Zuletzt griff Kodak mit einer Serie von Patentklagen an. Binnen einer Woche wurden Apple, Samsung, der Smartphone-Spezialist HTC und der Erzrivale Fujifilm verklagt. Nach Einschätzung von Experten versuchte Kodak mit den Klagen, potenziellen Kaufinteressenten die Schlagkraft seines Patent-Portfolios zu demonstrieren.
Allerdings hatte die Internationale Handelskommission der USA eine Entscheidung in einem Patentstreit zwischen Kodak und den Smartphone-Herstellern Apple und Research in Motion (RIM) im Dezember 2011 um neun Monate verschoben. Kodak wirft Apple und dem Blackberry-Hersteller vor, eine patentrechtlich geschützte Technik zur Vorschau von Fotos zu benutzen. In der eingereichten Klage gegen Samsung wird dem Unternehmen die Verletzung von fünf Patenten vorgeworfen. Dabei geht es um Digitalkamera-Technologie sowie Verfahren zur Übermittlung von Aufnahmen.
Die deutsche Kodak ist von der Insolvenz des US-Mutterkonzerns nicht betroffen. Ein Sprecher des deutschen Tochterunternehmens sagte auf dapd-Anfrage in Stuttgart, die Insolvenz habe "keine Auswirkungen auf den deutschen Standort".
Kodak ist seit 1896 über Tochterfirmen auch in Deutschland aktiv. Aktuell gibt es in Deutschland noch etwas über 1000 Mitarbeiter. Hauptsitz ist Stuttgart mit etwa 380 Stellen. Die deutschen Gesellschaften sind zwar nicht Teil des US-Insolvenzverfahrens. Die Mitarbeiter machen sich jedoch Sorgen, sagte Betriebsratschef Wolfgang Eisele. Am Kodak-Stammsitz in Stuttgart waren zu Hochzeiten einmal 4500 Mitarbeiter beschäftigt. Dort wurden einst Projektoren, Kameras und Kopierer hergestellt.
Quelle: t-online.de , dapd , dpa-AFX , dpa
Kunde schrieb:
am 19. Januar 2012 um 15:43:55
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Kodak, der letzte Saurier
Nicht der Kunde ist schuld sondern die Billigkonkurenz. Ich lasse mir als Kunde nicht vorschreiben, wo ich was zu
kaufen habe. Wer die Wahl hat zwischen teuer und preiswert, der wählt preiswert. Wer zu viel Geld hat wählt natürlich teuer, aber das ist sein Problem. Ich lasse mich als Kunde nicht zum Sündenbock stempeln. Wer mit dem globalen Preiskrieg nicht mithalten kann, geht unter; das ist freie Marktwirtschaft.
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Farbfilm schrieb:
am 19. Januar 2012 um 10:59:25
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Kodak Insolvenz
Logisch will der Kunde immer billiger kaufen.Er hat ja auch immer weniger
in der Lohntüte.Würden die habgiriegen
Arbeitgeber faire Löhne zahlen
und der gierige Staat sich auch zügeln würde,dann brauch man auch nicht so auf den Preis achten.Übrigens nicht´s geht über ein ordentliches Foto
von einem ordentlichen Film.Digital ist ja ganz schön und bequem aber es sind
eben nur ca 16 MP und nicht wie beim Film 35-40 MP und das macht den
Unterschied.
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Techniker schrieb:
am 19. Januar 2012 um 10:46:30
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(2)
Kodak
Die Technik und ihre Produkte ändern sich ständig und auch der Bedarf, das ist völlig normal, wer den Anschluß verpasst muß in die
Insolvenz Marktwirtschaft pur, da führt kein Weg dran vorbei.
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