02.07.2009, 13:54 Uhr | Sabine Maurer, dpa-tmn / t-online.de/business
Verschränkte Arme können den Gesprächspartner verunsichern. (Foto: Imago)
Samy Molcho, der wohl bekannteste Experte in Sachen Körpersprache sagt: Jede innere Bewegung, alle Gefühle, Emotionen, Wünsche drücken sich durch die Körpersprache aus. Wer ihre Geheimnisse kennt und nutzt, den kann sie beruflich nach vorn bringen. Im schlimmsten Fall erweist sie sich aber auch als Karrierekiller. Wir geben Ihnen Tipps für den perfekten Auftritt im Job.
Laut einer Studie des amerikanischen Psychologen Prof. Albert Mehrabian wird der Großteil der Kommunikation über die Körpersprache vermittelt. "Bei dem ersten Eindruck sind es sogar 100 Prozent", sagt die Personaltrainerin und Buchautorin Nadine Kmoth aus Hamburg. Die Körpersprache fängt bei den Füßen an und geht bis zur Kopfhaltung. Wenn die Fußspitzen geradeaus oder nach innen zeigen, wirkt dies unsicher. Wer breitbeinig steht, wirkt standfest und realistisch. Geschlossene Füße machen einen zurückhaltenden bis devoten Eindruck.
Stehen mit geknickter Hüfte wird von vielen Frauen bevorzugt, es wirkt bei ihnen Nähe suchend. Wenn Männer so stehen, mache das einen coolen und lässigen Eindruck. Die Ausstrahlung von Selbstbewusstsein geht hauptsächlich über den Oberkörper. Wer aufrecht steht, gilt als aufrechte Persönlichkeit - auch wenn das nicht unbedingt so sein muss. "Das einzige, was zählt, ist die Wirkung", sagt Kmoth.
Ralph Schlieper-Damrich, Geschäftsführer der Beratungsfirma Perspektivenwechsel in Lützelburg bei Augsburg, lässt in seinen Seminaren zunächst zwei Teilnehmer sich gegenüber setzen. Der eine muss dem anderen sagen, wie seine Körpersprache auf ihn wirkt. "Das ist manchmal für die Leute nicht ganz einfach, aber sehr lehrreich", erklärt er. Die Teilnehmer, in der Regel Führungskräfte, lernen, sich ihrer Körpersprache bewusst zu werden und diese gezielt einzusetzen.
Sie müssen zum Beispiel Reden halten, die Filmaufnahmen davon werden analysiert. Da erfährt zum Beispiel ein Mann von seiner Wirkung, wenn er ständig die Hände in die Hosentaschen steckt. Und eine Frau kommt ins Grübeln, weil sie sieht, dass sie mit hängenden Schultern ihren Vortrag gehalten hat.
Auf dem Lehrplan steht auch, kulturelle Unterschiede kennenzulernen: So wird zum Beispiel in Deutschland ein Abstand zu dem Gegenüber von etwa einer Armlänge gehalten. In Norddeutschland geht es dabei etwas distanzierter zu als zum Beispiel im Rheinland. In Japan möchten die Menschen dagegen lieber knapp zwei Armeslängen Abstand haben, sie fühlen sich ansonsten bedrängt. In Deutschland könnte so viel Abstand beim Gegenüber als Distanz suchend gedeutet werden.
Auch zwischen Männern und Frauen kann die Körpersprache zu Missverständnissen führen. So wird etwa ein Mann mit verkreuzten Armen, übergeschlagenen Beinen und halb abgewandtem Gesicht vor allem von einer Frau als wenig entgegenkommend wahrgenommen. Dabei hört der Mann ihr vermutlich nur konzentriert zu. "Viele Männer geben kaum Feedback. Das irritiert Frauen", erklärt Kmoth.
Mit zur Körpersprache gehört auch die Kleidung. Frauen sollten im Beruf nicht auf erotische Wirkung setzen. Für Männer ein Tabu sind zum Beispiel Krawatten mit aufgedruckten Comicfiguren, ausgefallene Schuhe oder Hawaii-Hemden. "Grundsätzlich ist ein gepflegtes Äußeres wichtig", rät Alexandra Güntzer, Sprecherin des Jobportals monster.de in Eschborn bei Frankfurt. Bewerber fallen am positivsten durch einen offenen und freundlichen Eindruck auf. Bei mehreren Gesprächspartnern sollten sie den Augenkontakt zu allen suchen und nie auf den Tisch oder die Wand starren.
Keinen guten Eindruck hinterlassen sie, wenn sie vor Nervosität mit dem Stuhl kippeln oder mit den Fingern auf den Tisch trommeln. "Das kann etwa im Bewerbungsgespräch Chancen verbauen", warnt Güntzer. Wer sich vom Gegenüber wegdreht, demonstriert Unsicherheit oder gar Angst. Einzelne solcher Gesten fallen vielleicht noch nicht auf. Der Eindruck verstärkt sich, wenn mehrere zusammenkommen. "Wer nur die Arme verschränkt, wirkt nicht automatisch unfreundlich", sagt Nadine Kmoth. Wer dazu noch seinen Kopf etwas wegdreht und seine Fingernägel betrachtet, kann sich aber sicher sein, damit nicht gut anzukommen.
Eine Grundregel der gelungenen Körpersprache lautet, nur seine sensiblen Körperteile zu zeigen und die unsensiblen nicht zu präsentieren. Das macht auf den Gesprächspartner einen positiven Eindruck. Zu den sensiblen Seiten gehören unter anderem Gesicht, Oberkörper, Handflächen und Innenarm. "Damit demonstriert man ihm sein Vertrauen", erläutert Trainerin Kmoth. Jemandem die "kalte Schulter" zu zeigen, ist dagegen keine gute Idee: Die Schulter gehört wie Hinterkopf, Außenarm und Rücken zu den unsensibleren Körperteilen.
Sabine Maurer, dpa-tmn / t-online.de/business
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