08.06.2011, 09:54 Uhr | Tobias Schormann, dpa / t-online.de/business, sia
"Ich will auch, was der Kollege bekommt" - das klappt nicht immer. (Foto: imago)
Aus dem Gehalt wird in vielen Unternehmen noch immer ein Geheimnis gemacht. Für die Arbeitgeber aus gutem Grund: Verdient ein Kollege besser als die anderen, sorgt das schnell für Unzufriedenheit. Denn oft empfinden es Mitarbeiter als ungerecht, wenn der Büronachbar einen Bonus oder eine Lohnerhöhung eingestrichen hat, sie selbst aber leer ausgegangen sind. Wir sagen Ihnen, wann und wie Sie den Chef überzeugen sollten, dass auch Sie "mehr" verdienen.
"Es bringt aber nichts, dann gleich wutentbrannt zum Chef zu rennen und auch mehr Geld zu verlangen", erklärt die Karriereberaterin Madeleine Leitner aus München. "Wenn man dem Chef gegenüber vorwurfsvoll auftritt, wird er auf Defensive schalten und das abwimmeln."
Eine ungleiche Bezahlung im Kollegenkreis sorge generell schnell für Unmut, sagt Leitner. So beklagten sich Arbeitnehmer nicht unbedingt über eine schlechte Bezahlung, wenn alle gleich behandelt werden. "Wenn dann aber einer besser bezahlt ist, da kommt Empörung hoch."
Wer den Chef ungerecht nennt und damit überzeugen will, erreiche damit oft aber genau das Gegenteil, sagte Leitner. Denn wenn er sich genötigt sieht, sich für die ungleiche Behandlung zu rechtfertigen, werde er genau das tun: "Und er wird schon etwas finden, um das zu rechtfertigen." Schlimmstenfalls gehen Berufstätige dann mit dem Ergebnis aus dem Gespräch, dass sie weniger als andere bekommen und das auch so bleiben wird.
Es komme also nicht gut an, wenn Arbeitnehmer trotzig "Ich will das aber auch" sagen, warnt Leitner. Denn "Ansprüchler" seien bei Chefs nicht gern gesehen. "Und man gilt dann schnell als Nörgler und Meckerer."
Erstmal laute daher die Devise: "Cool down", riet Leitner. So sollten Arbeitnehmer in Ruhe überlegen, ob es objektive Gründe dafür gibt, dass ein anderer mehr verdient als sie. Hat der andere zum Beispiel eine Sonderaufgabe übernommen? Das rechtfertige durchaus eine Zulage. Scheiden solche Gründe aus, sollte man den Chef um ein Gespräch bitten, empfiehlt Leitner. Bestenfalls stellt sich dann heraus, dass er einen einfach vergessen hatte und ein schlechtes Gewissen hat. Dann gelte es aber, ihn sein Gesicht wahren zu lassen, konstruktiv zu argumentieren und nach vorne zu schauen.
So könnten Mitarbeiter den besser bezahlten Kollegen als Vorbild heranziehen und dem Chef sagen: "Ich würde auch gerne dahin kommen, könnten Sie mir erklären, wie ich das schaffe?" Eine sofortige Gehaltserhöhung erreichen sie damit nicht. Wenn es gut läuft, ergebe sich dann aber ein Gespräch über Zielvereinbarungen, in dem Mitarbeiter zumindest die Chance auf einen Bonus oder eine Lohnerhöhung in Aussicht gestellt bekommen.
Und Vorsicht: Direkte Vergleiche nach dem Motto "Frau Müller bekommt aber viel mehr als ich!" können nach hinten losgehen. Denn vielleicht ist Kollegin Müller tatsächlich schneller, besser und erfolgreicher, erklärt Jochen Mai, Karriereberater aus Kerpen, im Gespräch mit der Nachrichtenagentur dpa. "Ihr Hauptargument sollte immer der Mehrwert sein, den Sie leisten."
Zudem sollten Sie bedenken, welche Folgen der Vergleich mit einem Kollegen haben kann. "Wenn sich das rumspricht, dann macht man sich mit solchen Aussagen keine Freunde im Büro", mahnt auch Karrierecoach Jürgen Hesse aus Berlin gegenüber dpa.
Quelle: dpa
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