07.06.2011, 10:28 Uhr | Andreas Heimann, dpa
Der Umgang mit Kollegen, die fast gar nichts oder zu viel reden, ist nicht immer einfach. (Foto: imago)
Der eine gibt sich extrem einsilbig, der Redefluss des anderen ist kaum zu stoppen: Schweiger und Quasselstrippen - beide Varianten können im Beruf gleichermaßen nerven. Wir zeigen Ihnen, wie Sie mit Kommunikationsverweigerern und Dampfplauderern umgehen - bevor das Betriebsklima auf den Nullpunkt sinkt.
"Die gute Nachricht: Egal ob Kollege, Vorgesetzter oder Kunde, durch eine geschickte Gesprächsführung lassen sie sich steuern, sagt Gitte Härter. Einfach zu resignieren und es nicht zu versuchen, sei keine befriedigende Alternative, erläutert die Fachfrau, die als Coach in München arbeitet. Viele hätten in solchen Situationen Skrupel oder fühlten sich verpflichtet stillzuhalten. "Aber man sollte das nicht einfach über sich ergehen lassen", so Härter.
Besser ist es der Expertin zufolge, die Situation aktiv zu ändern. Verhalte sich ein Gesprächspartner auffällig einsilbig und lasse sich jedes Wort aus der Nase ziehen, sei es gut nachzuhaken. Bleibe es bei diesem Eindruck, empfehle es sich, das Problem direkt anzusprechen. "Ich kann zum Beispiel sagen 'Sie schauen so, als ob Ihnen etwas nicht passt.' Stimmt das?", schlägt Härter vor. Viele trauten sich das aber nicht. "Aber ich kann dabei nur gewinnen, wenn ich dem anderen zeige, wie er auf mich wirkt", betont die Beraterin.
Auf diese Weise lassen sich Missverständnisse vermeiden. "Es kann sein, dass ich den anderen ganz falsch interpretiere und an ihm vorbeirede", warnt Härter. Außerdem lasse sich der Gesprächspartner so vielleicht aus der Reserve locken. "Ihn darauf anzusprechen, kann auch eine Brücke sein", meint die Trainerin. Und wenn das Gegenüber verstimmt sei und deshalb verhalten reagiere, biete sich die Möglichkeit, darauf noch rechtzeitig zu einzugehen. "Das kann ich nur, wenn ich weiß, was ihm für eine Laus über die Leber gelaufen ist."
Aus Angst nicht zu fragen, um den Gesprächspartner nicht zu provozieren, hält Härter für falsch: "Ich sollte schon wissen, ob er wirklich ärgerlich ist. Es nicht anzusprechen kann schlimmere Folgen haben. Dabei kommt es aber immer auf den Tonfall an." Das gilt genauso, wenn es darum geht, einen Dampfplauderer zu stoppen. "In den Gesprächsfluss reinzugrätschen, ist unhöflich", warnt Härter. Aber den anderen dezent zu stoppen, sei okay. "Ich kann zum Beispiel mit der Hand signalisieren, dass ich etwas sagen möchte", so die Fachfrau.
Hilfreicher als einfach dagegenzuhalten ist es auch, das Wort zu ergreifen und zunächst inhaltlich zu wiederholen, was der andere gesagt hat. "Das gibt das Signal 'Ich habe zugehört.'", sagt Härter. Dann könne man zu dem überleiten, was einem selbst am Herzen liegt. Entscheidend sei dabei, dem Vielquatscher nicht das Gefühl zu vermitteln, ihm werde übers Maul gefahren. Härters Empfehlung für Meetings: sich kurz auf Regeln für die Kommunikation verständigen. Die meisten Menschen wüssten das zu schätzen. "Es ist für alle ein Ärgernis, wenn Besprechungen aus dem Ruder laufen", betont die Expertin.
Andreas Heimann, dpa
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