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Konjunktur: DIW-Chef hat keine Lust mehr auf Prognosen

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DIW-Chef hat keine Lust mehr auf Prognosen

16.12.2008, 10:08 Uhr | fre/ mmr

Klaus Zimmermann, Präsident des DIW (Foto: dpa)Klaus Zimmermann, Präsident des DIW (Foto: dpa)Nach einem internen Papier aus dem Wirtschaftsministerium wird für 2009 ein Wirtschaftsrückgang um drei Prozent erwartet. Klaus Zimmermann hat indes genug von den täglich neuen und oft widersprüchlichen Konjunktur-Prognosen. Der Chef des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW) sagte der "Financial Times Deutschland", beim Krisengipfel im Kanzleramt sei darüber gesprochen worden, "dass Ökonomen alle verwirren, wenn sie ständig neue Zahlen in die Welt setzen". "Ich habe gesagt, man könnte sich vorstellen, eine Zeit lang keine Prognosen vorzulegen. Das ist eine Frage der intellektuellen Redlichkeit", fuhr Zimmermann fort.

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Experten können nicht zum Verzicht gezwungen werden

"In den meisten Modellen, die wir für unsere Vorhersagen nutzen, kommen keine Finanzkrisen vor. Und wenn sie vorkommen, dann ist diese Krise so spezifisch, dass wir sie nicht erfassen können. Wir können sagen, da passiert was Schlimmes, aber wie schlimm es wird, können wir nicht sagen." Zimmermann räumte ein, dass kein Bankenvolkswirt oder Institutsforscher zum Verzicht gezwungen werden könne. "Das wäre eine Art Selbstverpflichtung der Beteiligten", sagte Zimmermann. "In einer Mediengesellschaft wird das aber nicht durchzuhalten sein."



Regierung rechnet mit minus drei Prozent

Unterdessen veröffentlichte die "Frankfurter Allgemeine Zeitung" (FAZ) neue, allerdings interne Berechnungen des Bundeswirtschaftsministeriums. Demnach geht das Wirtschaftsministerium von einer Schrumpfung der Wirtschaftsleistung 2009 um drei Prozent statt bislang etwa zwei Prozent aus. Eine Sprecherin des Ministeriums wollte das am Dienstag weder bestätigen noch dementieren. Sie sagte lediglich, die nächste Prognose werde derzeit erarbeitet. Minister Michael Glos werde sie Ende Januar vorstellen.

Aktuelles Quartal wohl schon deutlich schwächer

"Aus heutiger Sicht sind solche noch ungünstigeren Prognosen nicht unrealistisch," heiße es in der Vorlage. Nach den Schätzungen aus dem Wirtschaftsministerium dürfte das Bruttoinlandsprodukt schon in diesem Quartal erheblich zurückgegangen sein: "Ein negatives Quartalswachstum von 1,25 bis 1,75 Prozent im vierten Quartal liegt durchaus im Bereich des Möglichen."

Produktionseinschränkungen werden zunehmen

Auch sei es wegen angekündigter Produktionseinschränkungen vieler Unternehmen sehr wahrscheinlich, dass es im ersten Quartal 2009 "zu einem weiteren deutlichen Rückgang" des gesamtwirtschaftlichen Aktivität komme. "Dadurch wären Prognosen von weniger als minus drei Prozent rechnerisch kaum noch zu vermeiden, wenn man nicht im weiteren Jahresverlauf 2009 einen deutlichen Aufschwung in der Berechnung unterstellen würde", zitierte das Blatt aus dem Papier.

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Wirtschaft schrumpfte seit 1950 dreimal

Seit 1950 ist die deutsche Wirtschaft im Jahresvergleich nach einer Übersicht des Statistischen Bundesamtes nur vier Mal geschrumpft. Der stärkste Einbruch wurde 1975 verzeichnet, als die Wirtschaft um ein Prozent schrumpfte, in den Jahren 1982 und 1993 wurde ein Rückgang von jeweils 0,8 Prozent registriert.

Größte Krise seit Bestehen der Bundesrepublik

Kürzlich hatte der Chef-Volkswirt der Deutschen Bank, Norbert Walter, einen noch größeren Wachstumseinbruch vorhergesagt. "Im nächsten Jahr könnte das deutsche Bruttoinlandsprodukt um bis zu vier Prozent schrumpfen. Die Wahrscheinlichkeit dafür beträgt rund ein Drittel", sagte Walter. Das wäre die größte Krise seit Bestehen der Bundesrepublik. Klar ist, dass Deutschland im kommenden Jahr in eine tiefe Rezession abgleiten wird.

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Quelle: dpa-AFX , dapd

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