Stahlproduktion - Das ifo-Geschäftsklima hat sich erneut aufgehellt (Quelle: imago)Die Stimmung in der deutschen Wirtschaft hat sich im Mai zum zweiten Mal in Folge aufgehellt. Der ifo-Geschäftsklimaindex stieg von zuletzt 83,7 Punkten auf 84,2 Punkte, teilte das ifo-Institut in München mit. Zuvor befragte Volkswirte hatten zwar mit einem Anstieg gerechnet, diesen aber stärker auf 84,9 Punkte veranschlagt. Die Unternehmen schätzten die künftige Entwicklung erneut optimistischer ein, die aktuelle Lage wurde jedoch überraschend schlechter als im Vormonat gesehen.
Mit dem erneuten Anstieg des Geschäftsklimas zeichne sich eine allmähliche Stabilisierung der Wirtschaftsleistung auf niedrigem Niveau ab, hieß es beim ifo-Institut. Im verarbeitenden Gewerbe blieb das Geschäftsklima unverändert, während es sich im Groß- und Einzelhandel sowie im Dienstleistungssektor verbesserte. Im Baugewerbe trübte sich die Stimmung hingegen erneut ein.
ifo-Geschäftsklima in der Jahresübersicht
Auch Geschäftserwartungen steigen weiter
Die Geschäftserwartungen der Unternehmen stiegen im Mai von 83,9 Punkten im Vormonat auf 85,9 Punkte. Dies war bereits der fünfte Anstieg in Folge. Volkswirte hatten zwar mit einem Zuwachs gerechnet, diesen aber etwas schwächer auf 85,8 Punkte veranschlagt. Die Lagebeurteilung trübte sich hingegen überraschend ein und sank von revidiert 83,5 (zunächst 83,6) Punkten auf 82,5 Punkte. Das ifo-Geschäftsklima ist der wichtigste Stimmungsindikator für die deutsche Wirtschaft und basiert auf einer Umfrage bei rund 7000 Unternehmen.
Aufschwung weiter nicht in Sicht
Ifo-Volkswirt Klaus Abberger sagte, die deutsche Wirtschaft befinde sich weiterhin in einer schwierigen Situation. Im Winter hätten sich die Unternehmen noch im freien Fall befunden. Nun habe sich lediglich das Gesicht des Abschwungs verändert, ein Aufschwung sei nicht in Sicht. "Die Talsohle ist vielleicht in die Nähe gerückt." Laut Abberger ist nun zu erwarten, dass in den Unternehmen zunehmend der Stellenbestand geprüft werde. Dabei sei noch offen, wie lange sie weiter so stark wie bisher auf Kurzarbeit zurückgreifen oder ob schon bald mit Entlassungen begonnen werde.
Bisher hohe Hürde für Kredite
Die weitere Konjunkturentwicklung hängt nun nach Einschätzung des ifo-Instituts entscheidend davon ab, ob die Kreditvergabe in Deutschland wieder in Schwung kommt. "In der Frühphase einer Erholung muss man verhindern, dass es zu einer Kreditklemme kommt", sagte ifo-Konjunkturexperte Gernot Nerb. "Die Kredithürde war in den letzten Monaten auf hohem Niveau." Sie sei auch deshalb schwer überwindbar, weil sich die Banken jetzt von ihren Eigenkapitalverlusten aus der Finanzkrise erholen müssten. Die Zentralbanken sollten daher für Anschub sorgen. "Von der Geldpolitik könnte schon noch etwas kommen", sagte Nerb. Es gebe noch Spielraum für Zinssenkungen.