ZEW-Barometer steigt deutlicher als erwartet (Foto: ddp)Die Zeichen für ein Ende der Rezession mehren sich. Der vom Zentrum für Europäische Wirtschaftsforschung (ZEW) veröffentlichte Index zur Konjunkturerwartung stieg im August überraschend deutlich um 16,6 Punkte auf 56,1 Punkte. Volkswirte hatten lediglich mit einem Anstieg auf 48,7 Punkte gerechnet. Das ist der höchste Stand seit April 2006. ZEW-Präsident Wolfgang Franz warnte allerdings vor Euphorie.
Anziehende Exporte verbessern Stimmung in der Wirtschaft
Die vom ZEW befragten Finanzexperten erfreut vor allem der jüngsten Anstieg des Bruttoinlandsprodukts im zweiten Quartal um 0,3 Prozent. Auch ein wiederholter, deutlicher Anstieg der Auftragseingänge und wieder anziehende Exporte sorgen dafür, dass sich die Konjunkturaussichten für Deutschland weiter aufhellen.
ZEW-Konjunkturerwartungen August 2009 (Grafik: dpa)
Experten bewerten aktuelle Lage deutlich positiver
Spürbar verbessert hätten sich daher vor allem die Geschäftserwartungen für die exportorientierten Branchen. Auch die aktuelle Lage bewerten die Experten deutlich positiver. Der entsprechende Indikator stieg um 12,1 Punkte auf minus 77,2 Punkte.
Analysten begrüßen ZEW-Zahlen
Analysten begrüßten indes die neuesten Zahlen des ZEW: Das Vertrauen in eine wirtschaftliche Erholung in den kommenden sechs Monaten in Deutschland hat nach Einschätzung der Postbank spürbar zugenommen. Die Zahl der Skeptiker, die keine Veränderung der konjunkturellen Lage oder gar eine weitere Verschlechterung erwarteten, habe deutlich abgenommen, so die Postbank.
Kein Anlass zur Euphorie
ZEW-Präsident Franz mahnte angesichts der sich weiter aufhellenden Stimmung allerdings, dass zur Euphorie kein Anlass bestehe. Die deutsche Konjunktur entwickle sich "synchron zur weltweiten Konjunktur und dürfte sich daher nur allmählich erholen."
Zweite Runde der Wirtschaftskrise?
Allerdings schließen Ökonomen eine zweite Runde der Wirtschaftskrise in Deutschland nicht aus. Der Direktor des Instituts für Makroökonomie und Konjunkturforschung (IMK), Gustav Horn, sagte der Online-Ausgabe des "Handelsblatts": "Erfahrungsgemäß treten die Pleiten und Privatinsolvenzen mit Verzögerung auf, so dass deren kräftigster Anstieg eventuell erst im kommenden Jahr zu erwarten ist". Das könnte die konjunkturelle Erholung gefährden. Auch der Präsident des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW), Klaus Zimmermann, hält einen Rückschlag für die Konjunktur für möglich. "Die Wirtschaftskrise hat massiv in die Geschäfte auch starker Unternehmen eingegriffen und macht manche Kredite fragwürdig", sagte Zimmermann dem Blatt.