Neue Milliarden für Japans Wirtschaft (Quelle: imago)Japan will mit zusätzlichen Konjunkturspritzen in Milliardenhöhe aus der schwersten Rezession der Nachkriegszeit finden. Ministerpräsident Taro Aso wies die Koalitionsparteien am Freitag laut der japanischen Nachrichtenagentur Kyodo an, weitere Maßnahmen bis Ende des Monats auszuarbeiten. Demnach dürfte das neue Konjunkturpaket einen Umfang von 100 Billionen Yen haben (805 Milliarden Euro) haben, wobei sich die Neuausgaben dabei auf 15 bis 20 Billionen Yen beliefen. Auch die Chinesen erwägen inzwischen weitere Konjunkturhilfen. Die japanische Börse reagierte auf die Meldungen mit deutlichen Gewinnen. Der Nikkei-Index für 225 führende Werte legte um über fünf Prozent zu.
Finanzminister Kaoru Yosano zufolge dürfte Ministerpräsident Aso darüber auch beim Gipfeltreffen der 20 wichtigsten Industrie- und Schwellenländer am 2. April in London sprechen. Laut Yosano stehen Tokios Pläne im Einklang mit dem Aufruf von US-Finanzminister Timothy Geithner, der von den G20-Mitgliedsstaaten "substanzielle" Konjunkturprogramme gefordert hatte, um die Nachfrage anzukurbeln. Geithner erinnerte daran, dass der Internationale Währungsfonds (IWF) krisengeschüttelten Staaten dazu geraten hatte, in diesem und ihm nächsten Jahr zwei Prozent ihres Bruttoinlandsprodukts für Konjunkturprogramme aufzuwenden.
Konjunkturpakte macht zwei Prozent des BIP aus
Japan als zweitgrößte Wirtschaftsnation der Welt hat bereits Konjunkturpakete im Volumen von 75 Billionen Yen ausgearbeitet, wobei sich die dafür vorgesehenen frischen Staatsausgaben auf 12 Billionen Yen oder rund zwei Prozent des Bruttoinlandsprodukts belaufen. Dafür sollen zwei Nachtragshaushalte und das Budget für das am 1. April beginnende Fiskaljahr dienen. Zur Finanzierung der geplanten weiteren Maßnahmen ist laut Kyodo schon ein Nachtragsetat für 2009 angedacht.
Hoffnungen ruhen auf USA und China
Japans Wirtschaft war im Schlussquartal 2008 mit einer Jahresrate von 12,1 Prozent geschrumpft. Damit ist Japans Wirtschaftsleistung angesichts eines beispiellosen Exporteinbruchs so stark gesunken wie seit der Ölkrise vor 35 Jahren nicht mehr. Heute wurden neue Zahlen bekannt nach denen die Industrieproduktion laut Regierung gegenüber dem Vormonat um 10,2 Prozent gesunken sei. Nach Einschätzung von Ökonomen wird sich die Lage für das binnenwirtschaftlich schwache Land erst dann verbessern, wenn sich die Nachfrage auf den beiden wichtigsten Auslandsmärkten USA und China wieder erholt. Daher ruht die Hoffnung auch auf den dort geschnürten Konjunkturpaketen.
Chinesen erwägen weitere Konjunkturhilfen
Und die Chinesen wollen offenbar nachlegen. Chinas Ministerpräsident Wen Jiabao hat am Freitag mögliche neue Konjunkturmaßnahmen in Aussicht gestellt, wenn sich die globale Wirtschaftskrise weiter verschärft. Zum Abschluss der Jahrestagung des Volkskongresses in Peking sagte der Regierungschef auf einer Pressekonferenz, seine Regierung habe bereits Pläne vorbereitet, "um noch schwierigere Zeiten zu bewältigen". "Wir können jederzeit eine neue Stimulus-Politik ergreifen", sagte Wen Jiabao.