18.09.2009, 15:03 Uhr | Financial Times Deutschland
Exodus von KPMG-Mitarbeitern in Richtung PricewaterhouseCoopers (Foto: imago)Ein Exodus von KPMG-Mitarbeitern in Richtung PricewaterhouseCoopers (PwC) hat einen beispiellosen Zwist zwischen den beiden Beraterfirmen ausgelöst. Wie erst jetzt bekannt wurde, war bereits im Juni ein Pulk von Spezialberatern gewechselt. #
KPMG erwirkte daraufhin vor dem Landgericht Frankfurt eine einstweilige Verfügung, die dem Marktführer PwC vorläufig untersagt, weitere Mitarbeiter aus dem betroffenen Geschäftsfeld abzuwerben. Beide Unternehmen bestätigten der "Financial Times Deutschland" (FTD) einen entsprechenden Bericht des Branchendiensts "Portfolio International".
Ungewöhnlicher Vorgang
Das gezielte Abwerben von Mitarbeiterteams kommt zwar gelegentlich bei Investmentbanken vor, ist bei Wirtschaftsprüfern und Unternehmensberatungen aber höchst ungewöhnlich - zumal in Deutschland. Der Fall illustriert, dass der ohnehin harte Wettbewerb zwischen den Gesellschaften im Zuge der Krise noch einmal an Schärfe gewonnen hat. Mit einem Umsatz von rund 1,5 Milliarden Euro war PricewaterhouseCoopers 2008 in Deutschland die Nummer eins. KPMG folgte mit knapp 1,3 Milliarden Euro vor Ernst & Young und Deloitte & Touche.
Tiefes Zerwürfnis
Eine KPMG-Stellungnahme von Donnerstag deutet auf ein tiefes Zerwürfnis zwischen den beiden Firmen hin. Darin wirft KMPG dem Erzrivalen "einen groben Verstoß gegen die guten Sitten im Wettbewerb" vor. Das Unternehmen stellt den Fall so dar, dass die Mitarbeiter aus dem Beratungsgeschäft mit Vermögensverwaltern allesamt im Juni gekündigt hätten, um zu PricewaterhouseCoopers zu wechseln. "Die Anzahl und die zeitliche Übereinstimmung der Kündigungen lassen auf eine gezielte und planmäßige Abwerbung schließen, die aus unserer Sicht die Grenzen des rechtlich zulässigen überschreitet."
Keine Stellungnahme von PwC
In der Stellungnahme heißt es weiter: "Laut Gericht konnte KPMG glaubhaft machen, dass PwC die Beschäftigten ‘in unlauterer Weise zum Zwecke der systematischen Behinderung und Ausbeutung abgeworben hat und die unlauteren Abwerbemaßnahmen unter Verwendung rechtswidrig erlangter Geschäftsgeheimnisse erfolgt sind.‘" PwC verzichtete vor Gericht auf eine Anhörung und ist auch seitdem nicht gegen die einstweilige Verfügung vorgegangen. Ein Firmensprecher sagte, momentan sei man in der Sache "mit KPMG in Gesprächen". Darüber hinaus wollte sich die Beraterfirma zu den Vorwürfen des Wettbewerbers nicht äußern.
Vermögensverwaltung macht nur geringen Anteil an Gesamtumsatz aus
PricewaterhouseCoopers beschäftigt in Deutschland rund 9000 Mitarbeiter, KPMG etwa 8500. Ein Schwerpunkt der beiden Firmen ist die Bilanzprüfung. Hinzu kommen klassische Beraterdienste - von der Steuerberatung bis hin zur Begleitung von Konzernsanierungen. Die Serviceleistungen für Vermögensverwalter - die sogenannte Asset-Management-Beratung - macht bei beiden Gesellschaften einen vergleichsweise geringen Anteil am Gesamtumsatz aus.