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Krabbenpul-Maschine ersetzt Krabben-Pulerinnen

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Krabbenpul-Maschine ersetzt Krabben-Pulerinnen

27.08.2008, 12:31 Uhr | Martin Mrowka

Nordsee-Krabben in einer Krabbenpul-Maschine (Foto: dpa) Nordsee-Krabben in einer Krabbenpul-Maschine (Foto: dpa)Im Rahmen der Globalisierung ist es üblich geworden, dass Arbeiten dort ausgeführt werden, wo sie am billigsten sind. Manchmal nimmt es aber schon absurde Züge an, wenn beispielsweise Nordsee-Krabben zum Pulen nach Marokko geschafft werden, um einige Tage später "nackt" wieder an die Nordsee zurück zu kehren. Doch die wenig klimafreundlichen Lkw-Kühltransporte über tausende Kilometer dürften bald der Vergangenheit angehören. Nach etwa 25 Jahren Entwicklungszeit sollen nun Krabbenpul-Maschinen zum Einsatz kommen. In Cuxhaven und im belgischen Ostende entstehen maschinelle Krabbenschäl-Zentren.

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Krabbenpulen zu Hause verboten

Mit Fischkuttern kommen sie in den kleinen Häfen in Pellworm, Greetsiel oder Büsum an - Nordsee-Krabben. Zum Verzehr müssen die Krabben gekocht und anschließend gepult werden. Früher wurde das an der Nordseeküste in Heimarbeit gemacht. Oft setzte sich die ganze Familie um den Küchentisch - in der Mitte ein Berg gekochter Krabben. Heutzutage ist das Pulen zu Hause für den Verkauf nach einer EU-Vorschrift aus hygienischen Gründen verboten. Statt dessen karrt eine ganze Armada von Lastwagen die dann eingefrorenen Krabben von den Küsten Dänemarks, Deutschlands, der Niederlande und Belgiens nach Marokko. Mehr als vier Millionen Liter Diesel verschlingt der Europa-Trip der Krabben pro Jahr.



Von Ostfriesland nach Nordafrika

Im marokkanischen Tanger landen die Nordsee-Garnelen in einer "Krabbenpul-Fabrik". In großen Hallen schälen viele flinke Hände die Krabben aus ihren Panzern. Im Akkord schafft eine Arbeiterin dort etwa 30 Kilogramm täglich - das ergibt gut zehn Kilogramm Krabbenfleisch. Die Frauen kommen auf etwa 6 Euro Tageslohn. In Deutschland müsste man den Arbeitern deutlich höhere Löhne zahlen und so lohnt die Verlagerung der Arbeit von Ostfriesland nach Nordafrika. Bisher.

Maschinen statt Menschen - für mehr Umweltschutz

Mit den steigenden Ölpreisen und dem neuen Bewusstsein für Klimaschutz wird der lange Transport der leckeren Krabben immer unattraktiver. Zudem sind in Marokko die Löhne gestiegen. Und nach jahrelanger, mühevoller Kleinarbeit wurden endlich Maschinen erfunden, den den kleinen Panzer-Tierchen zuleibe rücken - ohne dass deren Fleisch zerfetzt wird. Gregor Kucharewicz erkannte die Zeichen der Zeit und baut in Cuxhaven Europas erstes Krabbenschäl-Zentrum. „Die Zeit ist reif für eine solche Fabrik in Deutschland“, meinte der 32-jährige Geschäftsführer. Im September läuft die Produktion an - mit 65 Mitarbeitern und zunächst acht, später 24 niederländischen Maschinen, die täglich mehr als sieben Tonnen Ware schälen sollen. Sieben Tage die Woche, im Dreischichtbetrieb.



Krabben-Großhändler noch skeptisch

In das 3000 Quadratmeter große Krabbenschäl-Zentrum sollen fast sechs Millionen Euro investiert werden. 25 Prozent davon soll aus EU-Töpfen kommen. Recht erfolgreiche Versuche mit vereinzelten Maschinen machen Hoffnung. Auch in Friedrichskoog und Neuharlingersiel stehen bereits die modernen Krabbenpul-Maschinen. Während der Verkehrsclub Deutschland die Abkehr von „unsinnigen Transporten“ begrüßt, bleiben Insider skeptisch. Der Greetsieler Krabben-Großhändler de Beer, für den zehn Prozent der deutschen Nordsee-Krabbenkutter-Flotte fischt, will weiterhin im Ausland pulen lassen, schreiben die "Kieler Nachrichten". Die Maschinen hätten bisher nie die Qualität der Arbeiterinnen erreicht.

Krabben-Fischer (Foto: Imago) Krabben-Fischer (Foto: Imago)

Auch Krabben ausländischer Fischer

Nach Angaben des Staatlichen Fischereiamtes Bremerhaven werden von niedersächsischen und schleswig-holsteinischen Fischern jährlich rund 12.000 Tonnen Krabben gefangen. Hinzu kommen Krabben, die aus Belgien und den Niederlanden nach Deutschland geliefert werden. Belgien könnte jedoch als Lieferant wegfallen. Im belgischen Nordseehafen Ostende sind nun ebenfalls vier Krabbenpul-Maschinen einsatzbereit, wie belgische Medien am Donnerstag (14.08.08) berichteten. "Abends gefangen und gekocht, morgens gepult und mittags auf dem Teller", sagte ein Entwickler der Zeitung "Het Laatste Nieuws". Das mache auch den Einsatz chemischer Konservierungsstoffe überflüssig: "Der Transport nach Marokko und zurück dauert doch etwa sieben Tage. Darum mussten Konservierungsstoffe hinzugefügt werden, aber dass ist nun nicht mehr nötig". Eine Maschine schaffe am Tag 250 Kilo, so viel wie 20 marokkanische Krabben-Pulerinnen zusammen.

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Wirtschaftliche Situation der Krabbenfischer bleibt angespannt

Die Pul-Maschinen werden jedoch wohl kaum die wirtschaftliche Situation der Fischer verbessern. "Wir sind alle am kämpfen", sagte Krabbenfischer Joachim Dettmann aus Büsum dem "Schleswig-Holsteinischen Zeitungsverlag" (shz). Ständig wachsender finanzieller Druck macht den Fischern das Leben schwer. Dettmann rechnet vor: 100.000 Liter Diesel schluckt sein Kutter jährlich. Obwohl er wie alle Fischer zollfrei tankt, zahlte er zuletzt für einen Liter 65 Cent: "Das waren früher 1,30 D-Mark." So müsse er zunächst 65.000 Euro erwirtschaften, um überhaupt zum Arbeiten hinaus auf See fahren zu können, schreibt "shz.de". Dazu kommen die Versicherungsprämien - sie liegen je nach Schiffsgröße bei 5000 bis 7000 Euro jährlich. Für die regelmäßigen Wartungen und Reparaturen müsse sich ein Fischer jedes Jahr um die 30.000 Euro zurücklegen.

Krabben-Brötchen bleiben teuer

Und selbst "Kleinigkeiten" wie der tägliche Kampf gegen Korrosion durch Salzwasser, Wind und Wellen sind heute doppelt so teuer wie noch vor wenigen Jahren: "75 D-Mark kostete früher ein Fünf-Liter-Eimer Schiffsfarbe: Jetzt zahle ich schlappe 85 Euro." Für einen kompletten Anstrich verbraucht Dettmann 250 Liter Farbe - das macht 4250 Euro. "Um all das finanzieren zu können, müssen die Großhändler mindestens einen Kilo-Preis von sechs Euro bezahlen", sagte der Geschäftsführer der Landesvereinigung der Krabbenfischer, Knud Bußmann. Und solche Erzeugerpreise wirken sich letztendlich auch auf den Endpreis der Krabbenbrötchen aus.

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Quelle: t-online.de , dpa-AFX

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