28.11.2007, 09:20 Uhr | dpa-AFX / T-Online
Kommt die Trendwende beim Krankenstand? (Foto: Archiv) Jahrelang ging der Krankenstand in Deutschland zurück, zuletzt sogar bis auf den niedrigsten Stand seit den 70er Jahren. Nach den neuesten Zahlen des Bundesverbandes der Betriebskrankenkassen könnte sich nun jedoch eine Trendwende abzeichnen. Wie der Verband berichtet, ist der Krankenstand in den ersten zehn Monaten des Jahres von 3,5 auf 3,7 Prozent angestiegen.
Angst vor Jobverlust sinkt
Als Gründe für den Anstieg werden Stress im Job und der spätere Renteneintritt angegeben. "Die Menschen gehen später in Rente, und für viele wird die tägliche Arbeit immer stressiger. Dies könnten zwei Gründe dafür sein, dass erstmals seit über zehn Jahren der Krankenstand in Deutschland wieder ansteigt", sagte Florian Lanz, Sprecher des BKK Bundesverbandes. Durch die gute konjunkturelle Lage geht bei vielen Arbeitnehmern auch die Angst vor dem Verlust des Arbeitsplatzes zurück, die in der Vergangenheit immer wieder als Grund für rückläufige Krankenstände genannt wurde.
Psychische Erkrankungen nehmen zu
Die meisten Ausfälle werden laut dem Bericht durch Muskel- und Skeletterkrankungen (26,5 Prozent), Verletzungen (15,7 Prozent) und Atemwegserkrankungen (15 Prozent) verursacht. Hier verzeichnen die Kassen seit Jahren Rückgänge, während psychische Störungen von Jahr zu Jahr zunehmen – ihr Anteil am Krankenstand beträgt inzwischen 8,9 Prozent. Vor gut 30 Jahren zu Beginn der Statistik - lag dieser Anteil bei 2 Prozent. Langzeitfälle mit über sechswöchiger Krankheitsdauer verursachen 42 Prozent aller Krankentage, obwohl sie nur 4 Prozent der Fälle ausmachen.
Gesamtzahl weiter rückläufig
Den Zahlen der BKKs gegenüber steht ein Bericht der Zeitung „Die Welt“ aus dem Juli dieses Jahres, in dem unter Berufung auf Statistiken des Bundesgesundheitsministeriums von einem weiteren Rückgang des Krankenstandes berichtet wird. Laut der Zeitung ist der Krankenstand in den deutschen Betrieben im ersten Halbjahr 2007 auf ein Rekordtief gefallen. Die Arbeitnehmer hätten in den ersten sechs Monaten dieses Jahres durchschnittlich 3,34 Prozent der Sollarbeitszeit gefehlt, was einer Fehlzeit von 3,6 Arbeitstagen entspricht. Im Vorjahr betrug dieser Wert noch 3,37 Prozent.
Krank zur Arbeit
Interessant ist in diesem Zusammenhang eine Befragung des Wissenschaftlichen Instituts der AOK (WIdO), laut der viele Beschäftigte sogar mit ernsthaften Beschwerden der Arbeit nachgehen. In der repräsentativen Befragung gab knapp zwei Drittel der Arbeitnehmer an, es sei im Jahr 2006 vorgekommen, dass sie zur Arbeit gegangen seien, obwohl sie sich richtig krank gefühlt hätten. Außerdem erschien jeder dritte Arbeitnehmer mit gesundheitlichen Beschwerden am Arbeitsplatz, obwohl der Arzt davon abgeraten hatte. Für das Institut trägt dieser Umstand wesentlich zu den niedrigen Krankenständen in Deutschland bei.
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