17.12.2009, 10:51 Uhr | dpa-tmn, Tobias Schormann
Krank zur Arbeit: Gerade jüngere Arbeitnehmer schleppen sich oft ins Büro. (Foto: Imago)
Krank zur Arbeit: Gerade jüngere Arbeitnehmer schleppen sich oft Krank ins Büro - aus Angst um ihren Arbeitsplatz. Doch gerade diese Einstellung kann fatale Folgen haben. Wir erklären warum und was stattdessen angebracht ist.
Viele junge Beschäftigte gehen aus Angst um ihren Job auch krank zur Arbeit. "Wenn der Druck höher wird, nimmt der Präsentismus zu", erläutert René Rudolf vom Deutschen Gewerkschaftsbund (DGB) in Berlin. "Da denken viele: Ich darf nicht jetzt fehlen, wenn ich meinen Job behalten will", sagte der Bundesjugendsekretär.
Laut einer DGB-Studie sagen vier von zehn (79 Prozent) Beschäftigten unter 30 Jahren, dass sie in den vergangenen zwölf Monaten mindestens einmal krank zur Arbeit gegangen sind. Jeder Dritte (35) ist sogar gegen ärztlichen Rat im Betrieb erschienen. Und fast die Hälfte (46 Prozent) hat sich Medikamente verschreiben lassen, um fit für den Job zu sein. Einen Gefallen tun sich Beschäftigte damit nicht, warnte Rudolf. "Wenn ich Medikamente nehme, kann das zum Beispiel das Risiko eines Arbeitsunfalls erhöhen."
Auch sei es keineswegs effizient, sich auf Kosten seiner Gesundheit für den Job aufzureiben. Denn wer dann im Job nicht die volle Leistungen bringen kann und Fehler macht, steht hinterher womöglich sogar eher auf der Abschussliste als andere, die krank zu Hause bleiben. Schon jetzt schinden sich junge Beschäftigte offenbar mehr, als ihnen gut tut: Neben stark verbreiteten Rückenschmerzen (60 Prozent) haben 26 Prozent aller Befragten mindestens zweimal im Monat Schlafstörungen.
Hinzu kommt eine hohe psychische Belastung: Zwei Drittel (67 Prozent) haben Angst um ihre berufliche Zukunft. Rudolf zufolge ist das eine Folge der Wirtschaftskrise - denn sie setzt junge Beschäftigte besonders unter Druck. "Fast die Hälfte ist prekär beschäftigt, arbeitet also befristet oder als Leiharbeiter." Und das seien die Jobs, die bei Stellenkürzungen als erste wegfallen.
dpa-tmn, Tobias Schormann
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