18.02.2010, 12:34 Uhr | Financial Times Deutschland
Auch die Diamantenindustrie leidet unter der weltweiten Wirtschaftskrise. (Quelle: imago)Der von der globalen Rezession gebeutelte Markt für Diamanten zeigt erste Zeichen einer Erholung. Experten warnen jedoch vor verfrühter Euphorie - denn im Einzelhandel bleibt eine Belebung bislang aus. "Der Aufschwung wird von der Wiederaufstockung der Bestände getrieben, und die wird sich verlangsamen, falls es keinen Durchbruch am Einzelhandels-Schmuckmarkt gibt", sagte Diamanten-Analyst Des Kilalea von RBC Capital Markets.
Mit dem Konjunkturabschwung ist die Nachfrage nach Diamantenschmuck eingebrochen. Die Preise sind zurückgegangen - für geschliffene Steine um etwa 30 Prozent. Der Schmuckkonzern Tiffany verzeichnete im ersten Quartal einen Gewinnrückgang um fast zwei Drittel auf 24,3 Millionen Dollar. Die Produzenten reagieren mit Kurzarbeit und der vorübergehenden Schließung von Minen. Der weltgrößte Diamanten-Hersteller De Beers stoppte seinen Ausstoß in den ersten drei Monaten des Jahres fast komplett - die Produktion schrumpfte im Vergleich zum Vorjahreszeitraum um 91 Prozent auf 1,1 Millionen Karat (je 0,2 Gramm). Der Markt leidet besonders darunter, dass die Krise die USA so stark erfasst hat: Rund die Hälfte der weltweiten Nachfrage stammt aus den Vereinigten Staaten.
Vorsichtiger Optimismus
Die Folgen für die Länder, in denen Diamanten produziert und verarbeitet werden, sind enorm. In Indien haben Diamanten-Schleifereien nach Angaben von Branchenvertretern seit Oktober 400.000 Jobs gestrichen. Für einige Staaten, besonders in Afrika, ist die Krise existenzbedrohend. Botswana etwa erwirtschaftet rund die Hälfte seiner Staatseinnahmen mit Diamanten. Um mit dem Einbruch fertig zu werden, sicherte sich das Land vergangene Woche von der Afrikanischen Entwicklungsbank einen Kredit über 1,5 Milliarden Dollar. Seit einigen Wochen mehren sich jedoch positive Signale. Der Hersteller Gem Diamonds etwa hat nach Branchenangaben bei einer Auktion von Rohdiamanten im Mai wieder einen Preis von rund 1600 Dollar je Karat erzielt, nachdem bei den beiden vorherigen Verkäufen weniger als 1100 Dollar je Karat gezahlt worden waren. Diese Preise liegen allerdings immer noch weit unter den 2500 Dollar je Karat, die in den ersten sechs Monaten 2008 erreicht wurden.
Leichter Anstieg der Importe
De Beers-Chef Gareth Penny hält den Boden für erreicht. Die Preise hätten sich im April und Mai stabilisiert, sagte er vergangene Woche vor Diamantenhändlern in Antwerpen. "Dezember und Weihnachten 2009 werden besser sein als Dezember und Weihnachten 2008", sagte er mit Blick auf die wichtigste Verkaufssaison. Tiffany-Chef Michael Kowalski sagte kürzlich, die Verkäufe gingen im Vergleich zum Vorjahr weniger drastisch zurück. Die Shanghai Diamond Exchange, Chinas Diamantenbörse, meldete für die ersten vier Monate des Jahres sogar einen leichten Anstieg der Importe um 2,3 Prozent auf 444 Millionen Dollar.
Erholung nur vorgespiegelt?
Die De-Beers-Minen in Botswana haben im April den Betrieb wieder aufgenommen. Sie machten im vergangenen Jahr mehr als 65 Prozent des Ausstoßes der Firma aus. Nach Pennys Angaben sind die Minen zu über 80 Prozent ausgelastet. "Es gibt klare Zeichen dafür, dass die Lagerbestände auf akzeptable Niveaus gesunken sind", sagte er. Experten warnen jedoch, die Ausweitung der Produktion könnte die Preise drücken. "Die jüngste Erholung der Preise für Rohdiamanten könnte vorspiegeln, dass sich die Nachfrage nach Diamantschmuck deutlich erholt habe. In der Tat berichten die meisten Einzelhändler aber das Gegenteil", sagte Analyst Kilalea. Es sei zu befürchten, dass die Erholung nicht von den Preisen für geschliffene Diamanten getrieben werde, sondern lediglich aufgezehrte Lagerbestände wieder aufgefüllt würden.
Rückgang der weltweiten Nachfrage
Ähnlich skeptisch ist die Beratungsfirma Frost & Sullivan. Sie erwartet, dass die Diamantenproduktion in Südafrika bis Ende 2010 weiter zurückgehen wird. Bis dahin sei keine stärkere Nachfrage zu erwarten, da sich die Wirtschaft global nur langsam erholen werde. "Der Rückgang der weltweiten Nachfrage nach Diamanten ist beispiellos", schrieb Analyst Wonder Nyanjowa.