12.06.2010, 14:55 Uhr | Financial Times Deutschland
Gold bleibt ein gefragter Rohstoff (Foto: dpa)Investoren flüchten aus dem Risiko und stürzen sich auf das gelbe Edelmetall. Die enorme Nachfrage lässt die Lagerräume für Barren und Münzen knapp werden. Also errichten die großen Geldhäuser neue - ein lukratives Geschäft.
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Einige der weltgrößten Banken sowie Sicherheitsfirmen bauen neue Lager, um Goldbarren und -münzen im Wert von Milliarden von Dollar aufbewahren zu können. Sie reagieren damit auf die enorme Nachfrage von Investoren sowie Rekordpreise für das Edelmetall. Viele Investoren sorgen sich um die Schuldenkrise in Europa und einen möglichen Rückfall der Weltwirtschaft in eine Rezession. Sie setzen daher auf Gold, das als sichere Anlage und zudem als Schutz vor Inflation gilt. Der Boom hat zu einer Knappheit bei langfristigen Lagerräumen geführt.
Aufbewahrung hoch profitabel
Laut Bankmanagern ist das Aufbewahren von Gold hoch profitabel geworden. Die Lagergebühren richten sich nach dem Preis des Edelmetalls, sie sind daher deutlich gestiegen. Der Goldpreis kletterte in dieser Woche auf den neuen Höchstwert von 1251, 20 Dollar je Feinunze (31,1 Gramm). Damit hat er seit Januar um rund 15 Prozent zugelegt. Am Freitag wurde Gold bei 1226 Dollar je Unze gehandelt.
Nachfrage zieht weiter an
"Die Nachfrage nach physischem Gold ist stärker als je zuvor, und das führt zu einer Reihe von Spannungen", sagte Peter Hambro, Chairman des Goldminenbetreibers Petropavlovsk. Ein Großteil der Nachfrage geht auf börsennotierte Goldfonds zurück, sogenannte Exchange Traded Funds (ETF). Der weltgrößte ETF, SPDR Gold Trust, hielt am Freitag 42 Millionen Unzen - ein Rekordwert. Zu derzeitigen Preisen ist dieses Volumen 51,5 Milliarden Dollar wert.
Kapazitäten werden knapper
Einige Banken haben nach eigenen Angaben noch Platz in ihren Lagern. Andere sagten, ihre Lagerstätten seien fast voll. Mehrere gaben an, sie bauten neue Kapazitäten oder planten solche Schritte. Die US-Bank JP Morgan Chase öffnete erst kürzlich ein neues Goldlager in Singapur. Via Mat International, eine in der Schweiz ansässige Sicherheitsfirma, hat gerade ein Lagerhaus für Silber in London eröffnet. Laut Bankmanagern erwägt auch die Deutsche Bank, ein neues Lager zu bauen.
Umdenken in der Goldbranche
Frank Ziegler, Leiter für Edelmetalle bei der BayernLB, sagte, die Lager der Landesbank seien voll. "Wir diskutieren eine Vergrößerung. Wir sind noch in der Planungsphase", sagte er. Roger Jones, Leiter der Rohstoffsparte bei Barclays Capital, sagte, das britische Institut schaue sich das Geschäft mit der Aufbewahrung von Edelmetallen genau an. Philip Klapwijk von der auf Edelmetalle spezialisierten Beratungsfirma GFMS sieht in der Entwicklung einen Ausdruck des "neuen Charakters" des Goldmarkts. Die langfristige Lagerung wird von jenen Investoren gefordert, die von Preissteigerungen profitieren wollen und die derzeit die Nachfrage bestimmen. Die traditionellen Käufer, Schmuckhersteller, lagern Gold nur für kurze Zeit ein. Auch die Lagerstätten selbst haben sich verändert. Moderne Lager befinden sich nicht mehr in Kellern, sondern in eigens dafür gebauten Lagerhallen - über der Erde und scharf gesichert. Noch Anfang der 1990er-Jahre war eine aufwändige Infrastruktur an Lagern abgebaut worden, die nach dem letzten Goldboom in den späten 1970ern errichtet worden war.