01.04.2011, 15:00 Uhr | FTD, Sabine Meinert
Fehlerhafte Lebensläufe machen jede Bewerbung zunichte. (Foto: imago)
Schwache Lebensläufe sind ein Hauptmanko in Bewerbungen, auch bei Managern. Personalabteilungen nutzen deshalb häufig das Internet, um mehr über Jobkandidaten herauszufinden. Doch mit wenig Erfolg.
Unvollständige oder seitenlange Lebensläufe sind der Horror jedes Chefs, der Mitarbeiter sucht. Die meisten fühlen sich von derartigen Bewerbungsunterlagen überfordert, so eine Untersuchung des Karriereportals Experteer und des Büros für Berufsstrategie Hesse/Schrader. Eigentlich ganz klar. Erschreckend: Rund 44 Prozent aller Bewerbungen erfüllen der Studie zufolge dennoch die üblichen Standards nicht.
Was vor allem stört, sind neben fehlerhaften oder unvollständigen Angaben unsachliche Formulierungen, Rechtschreibfehler, uneinheitliche Schrifttypen, verspielte Formatierungen - alles Dinge, die von den wichtigen Informationen - also sachlich und knapp formuliert die Stationen des Berufslebens - ablenken. Deshalb sollte das Curriculum vitae auf nicht mehr als zwei DIN-A-4-Seiten ausgedehnt werden, rät Jürgen Hesse, Buchautor und Gründer des Büros für Berufsstrategie.
Dies gelte selbst für Personen, die viele Job-Stationen hinter sich haben und als Führungskraft unterschiedlichste Positionen ausfüllten. "Wichtig ist, dass der Personalverantwortliche auf einen Blick alle wichtigen Informationen erhält."
Wer es nicht schafft, die Eckpunkte seines Berufslebens kurz und knackig aufzuführen, hat eindeutig schlechtere Chancen im Bewerbungsprozess, zeigt die Statistik. Denn Personalverantwortliche verwenden kaum mehr als fünf bis zehn Minuten pro Bewerbung, um über "interessant" oder "eher nicht" zu entscheiden. Ein Lebenslauf muss sogar in einer Minute oder weniger überzeugen, so das Ergebnis einer aktuellen Umfrage des Jobportals Careerbuilder.de.
Laut der Untersuchung sortieren deutsche Arbeitgeber Lebensläufe vor allem dann aus, wenn sie größere Textelemente aus der Stellenanzeige eins zu eins enthalten, ebenso wenn überlange Textblöcke das Lesen erschweren. Das gaben allein 43 Prozent der befragten Personalverantwortlichen an. Jeder Vierte verabscheut Lebensläufe, die drei Seiten oder mehr umfassen. Das gleiche gilt für Lebensläufe ohne Anschreiben. Jeder Sechste kann mit Bewerbungen nichts anfangen, die nicht auf Job und Unternehmen angepasst wurden. Und jeder Zehnte sortiert Bewerber mit einer unprofessionellen E-Mail-Adresse aus.
Besonders ungewöhnliche Lebensläufe haben demnach ebenfalls schlechte Chancen, Beachtung zu finden. Careerbuilder.de trug ein Sammelsurium an Kuriositäten innerhalb der Studie zusammen. So war ein Lebenslauf in Reimen geschrieben. Ein anderes Anschreiben enthielt nur einen Namen, eine Telefonnummer und den Satz "Ich will einen Job". Ein weiterer Lebenslauf listete unter Hobbys "Löwenbändiger" auf.
Gestaunt haben mag auch der Arbeitgeber, der einen Lebenslauf vorfand, der auf einer herausgerissenen Seite eines Lehrbuchs geschrieben war. Nicht weniger irritiert war offenbar ein Chef, der eine Bewerbung vorliegen hatte, deren Bild nicht mit der Person übereinstimmte, die er via Skype gesprochen hatte. Die beiden gehörten unterschiedlichen Ethnien an. Und ebenso erstaunlich: Ein Kandidat machte aus dem Namen eines früheren Arbeitgeber ein Geheimnis.
Auch in den USA scheinen ungewöhnliche Angaben an der Tagesordnung zu sein. Dort nannte ein Kandidat Gott als Referenz, ein anderer bezeichnet sich als direkter Nachfahre der Wikinger. Berichtet wird ebenso von einem Eintrag unter Erfahrungen, der lautete: Meister der Zeit und des Universums. Eher ungeschickt dagegen stellte sich der Bewerber an, der eine E-Mail-Adresse angab, die den Hinweis "liebt Bier" enthielt.
Wo allerdings Informationen im Lebenslauf fehlen, ziehen Unternehmenslenker und Personalverantwortliche bei der Kandidatenauswahl häufig das Internet hinzu. Ihr Ziel sind Einträge und Präsentationen in sozialen Netzwerken, die die schwachen Auskünfte über den Bewerber vervollständigen sollen. Mehr als jeder Fünfte sucht regelmäßig auch in eher privaten Eintragungen auf StudiVZ oder Facebook.
Kommunikationswissenschaftler der Universität Erfurt warnen jedoch: Eine solche Suche im Web liefert zwar zusätzliche Informationen, möglicherweise auch Einblicke in das Privatleben, aber keinesfalls ein ganzheitliches Bild des Bewerbers. Als Entscheidungsgrundlage tauge die - meist rudimentäre - Suche im Internet nicht. Denn gerade im Web veröffentlichte Inhalte von Bewerbern seien eine ganz eigene Form der Selbstdarstellung, so die Arbeitsgruppe. Üblicherweise würden Profile auf sozialen Netzwerkseiten genutzt, um positive Informationen zu verbreiten.
Schwierig wird die Internetsuche außerdem bei Bewerbern mit sehr gebräuchlichen Namen. Einen Jobkandidaten namens Thomas Müller von Tausenden anderen zu unterscheiden, fällt schwer. Und selbst wenn Personaler fündig werden, gibt es kaum Möglichkeiten, unzulängliche, veraltete oder inkorrekte Informationen herauszufiltern.
Häufig laufe die Personensuche im Web zudem nicht strukturiert und effizient ab, so die Untersuchung der Erfurter Uni. Das Nachforschen verursache daher viel mehr Aufwand als sinnvoll erscheint - ein Zeit- und Kostenfaktor. Das Fazit der Erfurter Untersuchung: Bewerber googlen oder anderweitig im Web suchen lohnt sich nicht, auch wenn der Einfluss sozialer Netzwerkseiten auf den Bewerbungs- und Rekrutierungsprozess durchaus wächst. Dies betreffe jedoch eher die Kontaktanbahnung oder die Kommunikation.
Den Jobkandidaten scheint zumindest klar zu sein, dass sie auf Facebook, MySpace und Co. ins Blickfeld potenzieller Arbeitgeber rücken könnten. Die Mehrheit der in der Universitäts-Studie befragten Bewerber sieht die Verantwortung für ihre Daten bei sich selbst. Sie rechnen damit, dass im Web nach ihnen geforscht wird und passen ihre Datenfreigabe in sozialen Netzwerken weitgehend dieser Tatsache an. Der gläserne Bewerber ist ihnen vielleicht bisher kein Begriff, aber als Trend durchaus bewusst, erkannten die Wissenschaftler.
Erfreulich für die Chefs ist: Die meisten Jobsuchenden widerstehen der Versuchung, ihre Bewerbungsunterlagen zu schönen, um einen besseren Eindruck zu hinterlassen. Das Ergebnis einer Untersuchung:
Haben Sie schon einmal Ihren Lebenslauf aufgewertet? | |
Nein, das würde ich nie tun - ich bleibe bei den Fakten. | 85 % |
Ja, ich habe bei meinen Fremdsprachen- und PC-Kenntnissen zu dick aufgetragen. | 10 % |
Ja, ich habe ein Praktikum erfunden. | 5 % |
Quelle: Monster.de |
In den Nachbarländern Schweiz und Österreich sind die Ehrlichen etwa genauso stark vertreten. Nicht ohne Grund: Wer bei der Bewerbung im Lebenslauf mogelt und nach der Anstellung auffliegt, muss im schlimmsten Fall mit seiner Kündigung rechnen - und einem schwer zu erklärenden Bruch in seinem Lebenslauf.
Für die Umfrage des Karriereportals Monster.de zu Bewerbungsunterlagen und Lebensläufen wurden etwa 5000 Teilnehmer aus dem deutschsprachigen Raum online befragt. Die Untersuchung des Jobportals Careerbuilder.de fasst die Angaben von rund 750 Führungskräften in Deutschland, Schweden, Großbritannien, Frankreich und Italien zu ihren Erfahrungen mit Bewerbungen zusammen. Der Karrieredienst Experteer befragte Nutzer des eigenen Service im Februar dieses Jahres. Die Untersuchung der Universität Erfurt für Monster.de finden Sie unter dem Titel "Der Einfluss sozialer Netzwerkseiten auf den Bewerbungs- und Rekrutierungsprozess".
Quelle: Financial Times Deutschland
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