02.03.2010, 08:24 Uhr | Financial Times Deutschland
Immer wieder stand Lidl wegen Arbeitsbedingungen in der Kritik (Foto: imago)Unerwarteter Vorstoß des Discounters: Lidl will die Einführung eines verbindlichen Mindestlohns im Einzelhandel. Rivalen und Gewerkschaften reagieren zurückhaltend. Mit einem Mindestlohn lasse sich Lohndumping in der Branche eindämmen, schreibt der Chef der Lidl-Muttergesellschaft Schwarz Unternehmenstreuhand, Klaus Gehrig, in einem Brief an den Bremer Wirtschaftsprofessor Rudolf Hickel. Das Schreiben wurde von Lidl auch an mehrere Zeitungsredaktionen geschickt und liegt der "Financial Times Deutschland (FTD)" vor.
Mit dem überraschenden Vorstoß gibt der zweitgrößte deutsche Discounter der Debatte um die Arbeitsbedingungen im Einzelhandel eine neue Wendung. Sollte sich der Vorschlag eines Branchenmindestlohns durchsetzen, wäre der Handel nach dem Bau, den Gebäudereinigern und der Abfallwirtschaft der bislang größte Wirtschaftszweig mit einer entsprechenden Vereinbarung zwischen Arbeitgebern und Arbeitnehmern.
"Wir teilen (...) Ihre Auffassung, dass im Einzelhandel unbedingt Mindestlöhne eingeführt werden müssen", heißt es im Brief des Lidl-Aufsichtsratschefs Gehrig an den Professor. "Damit würde die Möglichkeit und der Missbrauch von Lohndumping, der auch vereinzelt im Handel zu sehen ist, unterbunden." Hickel hatte sich zuvor in einer Fernsehsendung kritisch über Lidl geäußert.
Mehrere andere Handelsunternehmen, der Einzelhandelsverband HDE und die Gewerkschaft Ver.di zeigten sich am Dienstag grundsätzlich aufgeschlossen, wollten sich aber nicht festlegen. Ein Sprecher des größten deutschen Handelsunternehmens Metro sagte nur: "Wir sind offen für eine tarifliche Festlegung, aber strikt gegen staatliche Mindestlöhne." Die würden vorliegen, wenn der Staat die Höhe einer Lohnuntergrenze festlegen würde. Für den HDE, bei dem die Fäden in der Sache zusammenlaufen, sagte der für Tarifverhandlungen zuständige Geschäftsführer Heribert Jöris: "Entscheidend für die Frage, ob eine Allgemeinverbindlichkeit sinnvoll ist, ist die Höhe der Lohnuntergrenze."
Hintergrund des Vorschlags sind die Bemühungen des Einzelhandels um einen neuen Tarifvertrag. Seit Längerem versuchen der HDE und die Gewerkschaft Ver.di, einen neuen Branchentarifvertrag zu vereinbaren. Das alte Regelwerk stammt noch aus der Wirtschaftswunderzeit. Auf der Basis eines neuen Vertrags könnten die Tarifparteien beim Bundesarbeitsministerium beantragen, dass dieser für alle Unternehmen der Branche verbindlich wird. Antragsberechtigt sind Arbeitgeber wie Arbeitnehmer. Faktisch müssen sie sich einig sein, dass sie die Lohnuntergrenze gemäß ihrem Tarifvertrag festschreiben wollen.
Bei den Arbeitnehmern reagierte die für den Handel zuständige stellvertretende Ver.di-Bundesvorsitzende Margret Mönig-Raane zurückhaltend auf den Vorstoß. "Wenn Lidl die Ankündigung, sich für einen Branchenmindestlohn im Handel starkzumachen, ernst meint, ist das prinzipiell zu begrüßen", sagte Mönig-Raane der "FTD". "Andererseits sind wir von einer solchen Regelung noch ein ganzes Stück weit entfernt. Zudem bleibe die zentrale Frage offen, wie hoch ein solcher Mindestlohn sein sollte.
Eine konkrete Zahl wollten am Dienstag weder Arbeitgeber noch Arbeitnehmer zur Diskussion stellen. Bisher werden in tarifgebundenen Unternehmen je nach Bundesland im Minimum zwischen 7 und 8,70 Euro pro Stunde gezahlt. Der Lohn für einen ausgebildeten Verkäufer liegt bei 12 Euro. Der monatliche Bruttodurchschnittslohn für eine ausgebildete Vollzeitkraft beträgt laut Statistischem Bundesamt 2400 Euro.
Immer wieder werden Handelsunternehmen für ihre Arbeitsbedingungen kritisiert. Neben Dumpinglöhnen war Firmen der Branche in der Vergangenheit auch vorgeworfen worden, Mitarbeiter zu bespitzeln und die Gründung von Betriebsräten zu verhindern. So hatte Ver.di in den Jahren 2004 und 2006 ein "Schwarzbuch Lidl" herausgegeben. 2009 war bekannt geworden, dass Lidl systematisch Informationen über Krankheiten von Mitarbeitern gesammelt hatte. Mit dem Mindestlohn-Vorstoß versucht der Discounter nun, seinen Ruf zu verbessern.
Quelle: Financial Times Deutschland
siggi schrieb:
am 18. Februar 2010 um 17:36:03
(0)
(0)
Lidl
Sollte das der Fall sein,dass der Lidlvorstand meint was er sagt, und auch in die Tat umsetzt, bin ich gerne wieder bereit bei Lidl
einzukaufen. Das müsste überall Fuorore machen, zb:bei Schlecker,Kik,Kodi,und die es noch so gibt.
Dieser Lohndruck macht die Menschen arm und sie können nichts kaufen.Wann sieht die EU das ein, und reagiert endlich?
mehr
Kommentar melden
Peter § schrieb:
am 18. Februar 2010 um 13:11:02
(0)
(0)
Kitzi65
Stückgutfahrer minimum 14 Std. täglich ? Laß dich von der Polizei einfach aus dem Verkehr ziehen, Lenkzeiten !
Geht auch ohne
Tachoscheibe,einfach anrufen auf welcher Strecke Du dich gerade befindest. Bist halt zufällig in eine Kontrolle vgeraten,wenn dein Boss blöd frägt.
mehr
Kommentar melden
kitzi65 schrieb:
am 18. Februar 2010 um 11:32:08
(0)
(0)
Alle, die ihr hier..
..eure Ergüsse von euch gebt und von Gehältern von 3500 € und mehr faselt - wisst ihr eigentlich, wovon ihr
schreibt? Stückgutfahrer mit 14 Std. Minimum täglich bei 1.750 € / Monat - was faselt ihr euch eigentlich zusammen? Realität und euer Geschwafel liegen meilenweit auseinander! Und Guido Westerwelle redet von Arbeit muss sich wieder lohnen - für wen?
mehr
Kommentar melden
Bitte füllen Sie alle Felder aus.

Sie sind der Meinung, dass dieser Kommentar anstößige Inhalte enthält.

Sechs Flaschen 2006er Domaine la Casenove + vier Gläser für 39,- € statt 78,30 €. von Hawesko
Zwei Qualitätshemden Ihrer Wahl für nur 50,- € : 5 Jahre Garantie und Retoure kostenlos. zum Special
Testsieger-Patronen für Marken-
drucker im TÜV-geprüften Online-
Shop kaufen. mehr
Samsonite Trolleys, Reisetaschen und Accessoires: Voll gepackt mit guten Preisen von koffer-direkt.de.
Börsenbetreiber sieht sich in guter Position für 2012. zum Video