Tanken wird für die Deutschen immer billiger (Foto: imago) Die Spritpreise in Deutschland sind in den vergangenen Wochen wieder deutlich gefallen. In Köln gibt es nun Benzin und Diesel an einer Tankstelle am Mittwoch (10.12.08) sogar für 99,9 Cent pro Liter. So viel kostete ein Liter Sprit in Deutschland zuletzt im Jahre 2002. Marketing-Gag oder Markt-Trend? Fakt ist: Die lahmende Weltkonjunktur drückt die Nachfrage nach Rohöl, die Preise fallen.
Erst die Rückkehr zur alten Pendler-Pauschale, nun für Millionen Autofahrer die Aussicht auf weiter fallende Sprit-Kosten. Selbst die Ankündigung einer Fördermengen-Begrenzung durch die OPEC bewegte die Rohölpreise zuletzt kaum aufwärts. Nach dem Vorwochen-Tief bei 40 Dollar je Barrel (159 Liter) notiert das richtungweisende US-Öl immer noch bei 44 Dollar. Zur Erinnerung: Im Juli erreichten die Rohöl-Preise bei 147 Dollar historische Höchststände, ein Liter Sprit kostete damals an Deutschlands Tankstellen zeitweise 1,60 Euro. Nun macht das Tanken endlich wieder Spaß.
Spritpreise im Rückwärtsgang
Im bundesweiten Durchschnitt kostet ein Liter Superbenzin an Marken-Tankstellen derzeit etwa 1,12 Euro, ein Liter Diesel gut 1,08 Euro. Ein Kölner Tankstellen-Besitzer glaubt, dass der Preis für den Liter Diesel weiter fällt: "Ich könnte mir vorstellen, dass wir noch vor Weihnachten bei 99 Cent liegen", sagte Frithjof Engelke gegenüber RTL. Mit einer einmaligen Aktion ist nun eine freie Tankstelle in Köln vorgeprescht und bietet den Liter Benzin oder Diesel zu nostalgischen 99,9 Cent. Dabei handelt es sich zwar um eine einmalige Aktion, dennoch bildeten sich lange Schlangen vor den Zapfsäulen.
Wenig Spielraum nach unten
Viel Spielraum nach unten bleibt den Besitzern und Pächtern von Tankstellen dabei jedoch nicht. Am Verkauf von Benzin werden zwischen einem und drei Cent pro Liter verdient und bei einem Verkaufspreis von 99 Cent beträgt der Umsatz dabei gerade einmal noch 18 Cent. Die restlichen 81 Cent entfallen auf Steuern. Pro Liter Benzin wird ein fixer Betrag von 65,45 Cent Energiesteuer aufgeschlagen und die Summe aus Verkaufspreis und Steuer noch einmal mit 19 Prozent Mehrwertsteuer belegt. Selbst wenn Benzin für 1 Cent verkauft würde, betrüge der Endpreis dadurch immer noch 79 Cent. Viel weiter werden die Preise also kaum fallen.
Bald wird weniger Rohöl gefördert
Wie sich die Spritpreise weiterentwickeln, hängt in hohem Maße vom Treffen der Organisation Erdöl exportierenden Länder (OPEC) am 17. Dezember in Algerien ab. OPEC-Präsident Chakib Khelil kündigte vor einigen Tagen eine deutliche Kürzung der Fördermenge an. Die Märkte könnten sich auf eine „überraschende“ Entscheidung der OPEC auf ihrem Treffen vorbereiten, sagte er. Es gebe einen Konsens für eine deutliche Reduzierung des Produktionsniveaus, sagte Khelil. Das dürfte die Rohöl-Preise wieder steigen lassen.
Fällt Steuervergünstigung für Diesel-Kraftstoff?
Hinzu kommt: In der Ölindustrie mehren sich die Stimmen gegen die steuerliche Förderung von Diesel-Kraftstoff. Würden in ganz Europa die steuerlichen oder sonstigen politischen Anreize zugunsten des Diesel-Kraftstoffs abgeschafft, könne sich die Abhängigkeit von Russland verringern, sagte Iain Conn, der verantwortliche Manager des BP-Konzerns für Verarbeitung und Vertrieb. Gegenwärtig müsse Westeuropa wegen der steigenden Nachfrage eine zunehmende Menge Diesel aus Russland importieren.
Wachsendes Ungleichgewicht zwischen Benzin und Diesel
Die Diesel-Förderung ziehe zudem weitere unerwünschte Konsequenzen nach sich. Weil mehr Diesel, aber weniger Benzin verbraucht werde, exportiere Europa das hochwertige Benzin in die USA. "Europa wird damit gleichzeitig abhängiger von den Lieferungen aus Russland und gefährdeter durch Abschwung auf dem US-Markt", sagte Conn. Das wachsende Ungleichgewicht zwischen Benzin und Diesel in Europa erfordere aufwendige Investitionen in Raffinerien und führe zu erschwerten Produktionsbedingungen. Das ziehe einen erhöhten Ausstoß an Kohlendioxid nach sich.
Steuervorteil immer kleiner
In Deutschland ist Diesel um etwa 18 Cent je Liter niedriger besteuert als Benzin für Ottomotoren: ein Liter mit 47,04 Cent. Das sollte ursprünglich einmal Kleingewerbetreibende und Landwirte sowie den gewerblichen Güterverkehr entlasten, die nahezu die einzigen Nutzer von Dieselfahrzeugen waren. Mittlerweile ist der Dieselantrieb auch für private Pkw-Nutzer attraktiv geworden; der Dieselabsatz steigt Jahr für Jahr und hat schon seit 2000 den Benzinabsatz überflügelt. Von dem Steuervorteil merken die Verbraucher in Deutschland nicht viel; er wird weitgehend durch die höheren Einkaufspreise für Diesel auf den europäischen Mineralölmärkten aufgebraucht.