09.07.2007, 11:03 Uhr | dpa / AFP / T-Online
Einen Tag vor der Weltpremiere des neuen Boeing-Langstrecken-Flugzeuges 787 Dreamliner hat die Fluggesellschaft Air Berlin den Kauf von 25 der Maschinen angekündigt. Die Bestellung habe einen Wert von vier Milliarden US-Dollar (2,9 Milliarden Euro) nach Listenpreis, teilte ein Boeing-Sprecher am Samstag in Seattle mit. Nach Angaben von Air Berlin wurde allerdings ein erheblicher Preisnachlass ausgehandelt. Die Maschinen sollen zwischen 2013 und 2017 geliefert werden. Das Unternehmen habe sich zudem Kaufrechte und -optionen über 25 weitere 787 gesichert. Laut Boeing handelt es sich um die größte Einzelbestellung in Europa.
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"Die Passagiere werden sich in dieses Flugzeug verlieben"
Air-Berlin-Vorstandschef Joachim Hunold sagte in Seattle, der Kauf sei für das Unternehmen "ein Schritt in die Zukunft". Die Maschine "passt perfekt zu unseren neuen Langstrecken-Angeboten". Das Flugzeug biete die optimale Kombination von Treibstoff-Effizienz, Umweltverträglichkeit und Passagierkomfort. "Die Passagiere werden sich in dieses Flugzeug verlieben", erklärte Hunold weiter. Die Air-Berlin-Aktie zeigte am vergangenen Freitag vor der Order eine schwache Tendenz. Am Montag zieht der Wert deutlich an.
Air Berlin will zu Lufthansa aufrücken
Air Berlin versucht durch Zukäufe, zum Branchenprimus Lufthansa aufzurücken. Im vergangenen Sommer übernahm die Firma die Konkurrentin dba, die vor allem auf Geschäftsreisen setzt, und im März dann den Ferienflieger LTU. Mit 17 Millionen Passagieren im vergangenen Jahr ist der Abstand zur Lufthansa, der mehr als 53 Millionen Gäste beförderte, aber noch recht groß.
Kuwait und Australien bestellen auch weitere Maschinen
Auch das kuwaitische Flugzeugleasing-Unternehmen Alafco bestellte laut Boeing zehn weitere Maschinen des Typs im Wert von 1,6 Milliarden Dollar. Damit vergrößert sich die 787-Flotte von Alafco auf 22 Flugzeuge, nachdem das Unternehmen bereits im März zwölf Boeing 787 geordert hatte.
Die australische Fluggesellschaft Qantas gab ebenfalls am Samstag bekannt, 20 weitere Maschinen bestellt zu haben. Bereits im Dezember 2005 hatten die Australier 65 Flugzeuge gekauft. Insgesamt liegen Boeing bislang fast 700 feste Bestellungen für das neue Langstreckenflugzeug vor.
Vorsprung gegenüber Airbus A350 XWB ausgebaut
Boeing baut mit den Bestellungen den Vorsprung gegenüber Airbus bei Langstrecken-Flugzeugen aus. Knapp ein Jahr vor der geplanten Markteinführung der Boeing 787 liegt der US-Flugzeugkonzern deutlich vor Konkurrent Airbus, für dessen Modell A350 XWB derzeit erst knapp 200 Vorbestellungen vorliegen. Hauptgrund für den Airbus-Rückstand: Die A350 XWB wird voraussichtlich erst 2013 ausgeliefert.
Erste 787-Flugtests noch in diesem Sommer
In der Boeing-Produktfamilie ist die 787 mit rund 200 bis 300 Plätzen zwischen der kleinen 737 und der größeren 777 angesiedelt. Erster Kunde ist die All Nippon Airways aus Japan, die im Mai 2008 die erste 787 in den Liniendienst stellen will. Mit den Flugtests will Boeing Ende nächsten Monats oder im September beginnen, wie 787-Programmchef Mike Bair am Freitag (06.07.07) sagte.
Neue Standards mit Verbundwerkstoffen
Boeing will mit der 787 neue Standards bei Umweltschutz und Kraftstoffverbrauch setzen. Viele Bauteile bestehen aus Verbundwerkstoffen. Außerdem ist der Jet mit extrem sparsamen Triebwerken ausgestattet. Die Weltpremiere der Maschine soll am Sonntag (15.30 Uhr Ortszeit, 0.30 Uhr MESZ) im amerikanischen Seattle mit einer aufwendigen Zeremonie gefeiert werden. onWirtschaft berichtet und zeigt die ersten Fotos.
Energiepreise beschleunigen Absatz
Die hohen Energiepreise hätten den Dreamliner-Absatz zusätzlich beschleunigt, sagte Bair vor einigen Wochen. Die teilweise aus Leichtbaumaterial bestehende 787 benötigt nach Konzernangaben ein Fünftel weniger Sprit als das Vorgängermodell für dieselbe Transportleistung. Eine Entscheidung über die Ausweitung der geplanten Produktionszahlen kündigte Bair für den Sommer an, ohne auf Details einzugehen. Zulieferer bestätigten Gespräche über eine Erhöhung der Taktzahl von sieben auf zehn Dreamliner monatlich.
Airbus vs. Boeing
Nach Einschätzung von Howard Rubel, Analyst bei der New Yorker Investmentbank Jefferies, könnte Boeing so weitere Aufträge verkraften: "Boeing dürfte genug Spielraum im Produktionsplan für die 787 haben, um neue und bestehende Kunden zu befriedigen, bevor Airbus die ersten A350 XWB liefern kann." George Shapiro von der Citibank geht allerdings davon aus, dass der Vorsprung der Amerikaner schmelzen wird. "Wir erwarten, dass die Bestellungen bei Airbus sich mit dem neuen A359 erholen werden, zumal die 787 bis 2013 nahezu ausverkauft ist", notierte der Branchenexperte.
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Quelle: t-online.de
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