Madeleine Schickedanz ist die Tochter der Quelle-Gründer (Foto: dpa)Sie macht sich die meiste Zeit unsichtbar - und auch in der aktuellen Diskussion um Staatshilfen für Arcandor bleibt die Quelle-Erbin Madeleine Schickedanz im Hintergrund. Dabei könnte ihr bei der Rettung des angeschlagenen Handels- und Touristikkonzerns eine Schlüsselrolle zukommen, denn nach dem Bankhaus Sal. Oppenheim ist der "Pool Madeleine Schickedanz" zweitgrößter Arcandor-Aktionär und hält nach Unternehmensangaben 26,7 Prozent der Anteile.
Medienscheue Milliardärin
Berichte, sie könne ebenso wie Sal. Oppenheim dem Staat ihr Aktienpaket als Sicherheit für eine Bürgschaft zur Verfügung stellen, kommentiert Schickedanz nicht. Das passt zur Haltung der scheuen Quelle-Erbin. Im Gegensatz zur fränkischen Unternehmer-Kollegin Maria-Elisabeth Schaeffler (67) meidet Madeleine Schickedanz das Licht der Öffentlichkeit so weit wie möglich. Sie tritt nur dann einmal vor die Medien, wenn sie für die von ihr 1990 gegründete Kinder-Krebs-Stiftung wirbt - ein soziales Engagement mit persönlichem Hintergrund, denn eine ihrer Töchter war an Leukämie erkrankt.
Strippen ziehen im Hintergrund
Während Schaeffler die Geschicke ihres Herzogenauracher Konzerns stets aktiv managte und in den vergangenen Monaten vehement für die Rettung des angeschlagenen Autozulieferers kämpfte, bleibt die Rolle von Schickedanz bei Arcandor verschwommen. Allerdings soll sie bei dem Konzern, der 1999 durch die Fusion von Karstadt und Quelle entstanden und 2007 in Arcandor umbenannt worden war, hinter den Kulissen mehrmals kräftig mitgemischt haben. So galt Schickedanz als Strippenzieherin bei der Berufung von Thomas Middelhoff an die Unternehmensspitze. Wenig später kaufte sie Aktien des schon damals angeschlagenen Handelsriesen auf und war zeitweise sogar Mehrheitsaktionärin.
Krise lässt Vermögen schmelzen
Madeleine Schickedanz zählte zu den reichsten Deutschen. Vor zwei Jahren wurde sie in einer Liste des Forbes Magazins noch mit einem geschätzten Vermögen von 5,5 Milliarden Dollar (3,85 Mrd. Euro) auf Rang 16 geführt. Doch mit dem drastischen Wertverlust der Arcandor- Aktien in den vergangenen Monaten schmolzen die Milliarden zusammen. Nur gelegentlich lässt sie sich in ihrer fränkischen Heimat sehen. Mit ihrem dritten Ehemann Leo Herl lebt sie hauptsächlich in St. Moritz.
Viele Quelle-Beschäftigte setzten im Kampf gegen Jobabbau in der Vergangenheit ihre Hoffnungen auf Milliarden-Erbin - ob sie sich für den Standort einsetzte, war allerdings nicht erkennbar. Als einziges Kind des Quelle-Firmengründers Gustav Schickedanz (1895-1977) und dessen zweiter Ehefrau Grete Schickedanz (1911-1994) wurde Madeleine Schickedanz 1943 in Nürnberg geboren. Damals florierte das 1927 gegründete Versandunternehmen bereits. Nach dem Zweiten Weltkrieg galt Schickedanz den Amerikanern allerdings als Nazi-Unternehmer. Während er noch zur Untätigkeit verurteilt war, gründete Ehefrau Grete einen Textilladen in Hersbruck bei Nürnberg.
Mit der D-Mark ging es aufwärts
Kaum kam 1948 die D-Mark, ging es für Quelle wieder aufwärts. Die 1950er Jahre brachten den Durchbruch: Ob Waschmaschinen oder Möbel, Fotoapparate oder Fernsehgeräte - alles gab es per Katalog. Als Gustav Schickedanz 1977 starb, hinterließ er ein Imperium mit acht Millionen Kunden und einem Jahresumsatz von 4,5 Milliarden Mark. Witwe Grete Schickedanz führte das Unternehmen weiter - Slogans wie "Erst mal sehn was Quelle hat" hielten den Versandriesen im Gespräch.
Milliarden zerrinnen
Der Fall der Mauer 1990 brachte den vorerst letzten großen Aufschwung. Heute ist Quelle unverändert das größte europäische Versandunternehmen - inzwischen allerdings unter dem Dach der Arcandor-Versandsparte Primondo. In jüngster Zeit setzt Quelle vor allem auf das Internet, auf Teleshopping und Spezialversender. Wie Milliarden zerrinnen können, wissen nun die beiden Großerbinnen Madeleine Schickedanz und Maria-Elisabeth Schaeffler.