27.01.2011, 10:10 Uhr | Spiegel Online, wal
Angst vor der asiatischen Arbeitskultur? (Foto: imago)
Offiziell vertreten deutsche Manager eine klare Linie - ihr großes Vorbild sei China. Doch eine anonyme Befragung des "Handelsblatts" ergibt ein ganz anderes Bild: Viele Führungskräfte haben Angst vor "östlichen Normen" und "unfairen Geschäftspraktiken".
China, China, China: Für die deutsche Wirtschaft scheint es kaum ein anderes Thema zu geben. "Wer vor Asien Angst hat, hat einen schlechten Ratgeber", sagte einst BASF-Chef Jürgen Hambrecht, damals Vorsitzender des Asien-Pazifik-Ausschusses der deutschen Wirtschaft.
Doch das ist nur die offizielle Sichtweise. Hinter vorgehaltener Hand äußern sich deutsche Manager ganz anders, wie jetzt eine Umfrage des "Handelsblatts" ergibt. Die Zeitung hat mehr als 700 Führungskräfte anonym befragt - und das wahre Asien-Bild der Manager zutage gefördert.
Dieses Asien-Bild ist zwar auch geprägt von der Anerkennung des dort Geleisteten, aber mindestens genau so stark von der Furcht vor einem Siegeszug der asiatischen Kultur. Fast jede zweite deutsche Führungskraft (47 Prozent) ist überzeugt, dass sich "eher östliche, asiatische Normen" durchsetzen werden. Nur 29 Prozent erwarten, dass westliche Normen in den kommenden Jahren die Oberhand behalten.
Unter asiatischen Werten verstehen die Führungskräfte vor allem drei Punkte:
Vor allem der letzte Punkt dürfte international für Diskussionen sorgen. Mehr als 80 Prozent der befragten Manager sind der Meinung, dass die Vorstellung von Fair Play in Asien eine andere ist als im Westen. 27 Prozent der Befragten geben an, selbst schon negative Erfahrungen gemacht und "unfair von Geschäftspartnern behandelt" worden zu sein, berichtet das "Handelsblatt".
Für Aufsehen sorgt derzeit der Fall des französischen Autoherstellers Renault. Zwei Manager des Unternehmens stehen im Verdacht, für einen chinesischen Konkurrenten spioniert zu haben. Am Mittwoch durchsuchte der französische Geheimdienst deshalb Renault-Büros und beschlagnahmte Computer. China bestreitet die Vorwürfe.
Thema dürfte dies auch beim Weltwirtschaftsforum in Davos sein. Allerdings wird hier auch deutlich, wie selbstbewusst die Großmacht China mittlerweile auftritt: Erstmals finden Tagungen auch auf Mandarin statt - und nicht in der eigentlichen Konferenzsprache Englisch. Die Zahl der chinesischen Teilnehmer in Davos hat sich in den vergangenen Jahren fast verfünffacht.
Quelle: Spiegel Online
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