28.06.2011, 12:00 Uhr | FTD, Sabine Meinert
Führungskräften fällt der Übergang von Arbeit zur Rente oft schwer. (Foto: imago)
Von wegen ruhige Kugel schieben: Fast jeder zweite Finanz- und Personalmanager plant, im Rentenalter weiter zu arbeiten. Sowohl in Deutschland als auch in Österreich können die Führungskräfte nicht von ihrem Job lassen.
Nach dem Job noch einen weiteren Job annehmen? Dieser Gedanke spukt offenbar vielen deutschen und österreichischen Managern im Kopf herum. Einfach in den Ruhestand zu gehen, scheint zumindest für die Mehrheit der angehenden Führungskräfte-Rentner keine Option. Allein 58 Prozent der Deutschen wollen auf jeden Fall weiterhin auf dem Arbeitsmarkt aktiv sein. Und: Viele wollen sogar ihrem Arbeitgeber treu bleiben, so die Studie Workplace Survey, für die der Personaldienstleister Robert Half mehr als 2400 Finanz- und Personalentscheider aus 13 Ländern befragte.
Denn als Pensionäre mögen sich die Finanz- und Personalfachleute nicht sehen - und denken schon einige Zeit vor dem Tag X über mögliche künftige Aufgaben nach. Sie haben daher, wenn es losgeht, feste Vorstellungen: Ein Viertel möchte als Berater für die frühere Firma fungieren, etwa jeder Fünfte könnte sich auch vorstellen, eine Zeitlang als Interimsmanager für verschiedene Firmen zu arbeiten.
Hintergrund ist: Die Manager wollen das Wissen, das sie über viele Jahre angehäuft haben, nicht brach liegen lassen, sondern weitergeben und nutzen. Da die meisten eine flexible Beschäftigung anstreben, sind Projektarbeiten oder Tätigkeiten als Interimsmanager gut denkbar. Hier können sie ihr Knowhow direkt anwenden, weiterhin etwas bewirken.
Nur etwa ein Drittel der befragten Manager hat darauf aber keine Lust. Sie können sich nicht vorstellen, über das übliche Rentenalter hinaus noch beruflich tätig zu bleiben. Diese Gruppe möchte sich lieber persönlichen Vorlieben und Interessen widmen. Immerhin 15 Prozent der deutschen und 17 Prozent der österreichischen Manager sind zudem überzeugt, als Pensionäre genügend finanzielle Reserven angesammelt zu haben, um nicht mehr arbeiten zu müssen.
"Die Arbeitgeber profitieren von der Arbeitsbereitschaft der Personal- und Finanzexperten im Ruhestand. Diese bringen viel Erfahrung mit und sind darüber hinaus hoch motiviert", so Sladja Petkovic von Robert Half International. "Sie verfügen über wertvolles Expertenwissen und stellen einen guten und schnellen Ersatz dar - etwa, bis eine Nachfolge gefunden wurde."
Für die Unternehmen stellen die arbeitswilligen Rentner also eine stille Reserve dar. Zudem geht das spezifische Wissen und die Erfahrung der Finanzer und Personaler dem Unternehmen nicht verloren. Die Anleitung nachfolgender Kräfte kann ohne überhastete Hauruck-Aktionen erfolgen. Für die Manager bietet sich indes die Gelegenheit, die Berufstätigkeit sanft auspendeln zu lassen und zu vermeiden, als plötzlich Ruhiggestellter in ein dunkles Loch des Nicht-mehr-Gebraucht-Werdens zu fallen.
Quelle: Financial Times Deutschland
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