19.01.2012, 11:07 Uhr | dpa
Die Pleite von Manroland im vergangenen November kam unerwartet, aber nicht gänzlich überraschend. Die Druckindustrie steckt seit Jahren tief in der Krise. Vom Glanz früherer Jahre ist in der einstigen Vorzeigesparte des deutschen Maschinenbaus nicht mehr viel geblieben. Tausende Stellen wurden bereits gestrichen. Und während in Augsburg Insolvenzverwalter, Gläubiger und Bieter um das Schicksal von Manroland ringen, schreckte Heidelberger Druck mit einer neuen Hiobsbotschaft auf. Wieder müssen 2000 Stellen weg. Wenn am Mittwochabend wie erwartet ein Käufer für Manroland gefunden ist, ist das Unternehmen damit aber wohl längst nicht über den Berg. Und es scheint ausgemacht, dass Hunderte ihren Job verlieren werden.
Insgesamt hat der deutsche Maschinenbau die vergangene Finanz- und Wirtschaftskrise im Sog der Lehman-Pleite gut überstanden und etliche Firmen stehen heute besser da als je zuvor. Die Druckmaschinenbauer sind allerdings nie wieder richtig auf die Beine gekommen. In der Konjunkturflaute brach der Werbedruck und damit der Bedarf nach Neumaschinen ein. Mit dem Anziehen der Konjunktur wuchsen zwar die Werbebudgets der Kunden wieder, aber mit der Digitalisierung in den Medien und dem Siegeszug von Smartphones und Tabletcomputern kam vom Aufschwung nur wenig bei den Druckereien an. Betroffen sind vor allem hier Bogendruckmaschinen, eine Spezialität von Heideldruck. Manroland fertigt solche Maschinen im hessischen Offenbach.
Zudem leiden Unternehmen wie Manroland, das am Standort in Augsburg auch große Rollenanlagen für den Zeitungsdruck produziert, unter den in den USA und Europa stetig sinkenden Auflagen der Tagespresse. Zwar wächst aller Digitalisierung zum Trotz etwa in Indien, China oder Südamerika die Nachfrage nach solchen Anlagen. Dort gibt es vor allem kleine und mittelständische Druckereien, die einfache und damit billige Druckmaschinen nachfragen. Doch diese Umsätze kompensieren längst nicht das Minus etwa in Europa.
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Branchenprimus Heideldruck hat sich längst vom Rollendruck verabschiedet. Die angeschlagenen Badener konzentrieren sich auf den Bogen- und Verpackungsdruck. Der Markt schrumpft, Überkapazitäten machen dem Unternehmen das Leben schwer und sorgen für triste Zahlen. Auch deshalb galt Heideldruck eigentlich nie als möglicher Käufer für Teile von Manroland. "Ich sehe für uns dort im Moment keinen Bewegungsspielraum", sagte Vorstandschef Bernhard Schreier am Dienstag, nachdem er erneut tausende Stellen zur Disposition gestellt hatte. Bis zu 2000 Arbeitsplätze werden gestrichen und die Kapazitäten in der Produktion und dem Vertrieb stark zurückgefahren.
Seit 2008 hat der Konzern schon rund 4000 Jobs abgebaut und beschäftigte Ende 2011 noch 15.666 Mitarbeiter. Heidelberger Druck schreibt unter dem Strich bereits seit geraumer Zeit Verluste und konnte sich auf dem Höhepunkt der Krise nur mit einer öffentlichen Bürgschaft über Wasser halten.
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Zu allem kommt ein eher ungewöhnliches Problem: Die Qualität der Produkte. Druckmaschinen sind langlebig. In nicht wenigen Druckereien stehen noch Maschinen aus den 1950er Jahren, die noch für einfache Aufgaben genutzt werden. Umsatz bringen hier die Serviceleistungen und Ersatzteile. Die mehreren Millionen, die eine neue Maschine einbringen würde, können sie nicht ersetzen. Es scheint wenig wahrscheinlich, dass sich in den kommenden Jahren viel an den Problemen der Branche ändern wird. Ein möglicher Käufer von Manroland dürfte das wissen - ohne Einschnitte wird es vermutlich nicht gehen. Und auch der Preiskampf dürfte sich künftig weiter verschärfen.
Die Alteigentümer von Manroland, allen voran der Versicherer Allianz, gaben den Glauben an die Zukunft vergangenen November auf und drehten den Augsburgern den Geldhahn zu. Ein Käufer oder Fusionspartner war nicht in Sicht. Mehr Mittel wollte die Allianz nicht hergeben. Arbeitnehmer und Gewerkschaften kritisierten diese Haltung scharf - geändert hat das nichts. Nun läuft das Rennen zwischen einem amerikanische Finanzinvestor und der Lübecker Possehl Gruppe. Wer den Zuschlag bekommt, sollte am Mittwochabend feststehen. Dann zumindest gibt es die Hoffnung auf Rettung. Wie dauerhaft die Zukunft der Branche ist, muss sich aber erst zeigen.
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Quelle: dpa
Leser schrieb:
am 18. Januar 2012 um 19:35:53
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Druckindustrie
Es kommt so wie es kommen muß: Die Firmen verschlafen den Zeitgeist, stellen sich nicht auf neue Produkte / Medien ein und
wenn, dann viel zu spät.Wofür wird eigentlich ein Manager bezahlt-es ist in der Wirtschaft leider immer öfter wie in der Politik, Unfähigkeit gepaart mit hochbuckeln, Frechheit u.eventuell dem richtigen Parteibuch od. auch Vitamin B. Auch die besonders eifrigen Gewerkschaften haben über die hohen Lohnkosten einen Anteil. Weltweit das gleiche Dilemma, siehe Kodak in USA.
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Sparer schrieb:
am 18. Januar 2012 um 19:19:57
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@Hans01, alles was hier zu teuer ist wird zukünftig in Asien produziert.
Das beschleunigt die Spirale abwärts noch gewaltig. Hier sind die
Nebenkoste die an den Staat abgeführt werden einfach zu hoch ! Wir leisten uns Afghanistaneinsätze und 16 Bundesländer mit einzelnen Regierungen über 100 Krankenkassen und Hartz4 für Wirtschaftsasylanten. Pensionen die normalen Rentnern die Tränen in die Augen treiben und Minister die für 12 Tage Arbeit 50.000€ Überbrückungsgeld erhalten. Der Staat muss Sparen und am, besten bei sich selbst und den Politikern.
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fritz schrieb:
am 18. Januar 2012 um 18:57:36
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Druckindustrie hat Schlagseite
die firmen in der druckindustrie sind bis oben mit arbeit zu. es wird in 2,3 und 4 schichten gearbeitet.
diesen blödsinn höre ich jetzt seit 40 jahren immer vor den tarifverhandlungen.und man stellt einfach nur sch... mascinen her.
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