20.01.2012, 09:57 Uhr | dpa
Zwei Monate nach der Insolvenz des Druckmaschinenhersteller Manroland scheint das Überleben aller drei Standorte in Deutschland gesichert zu sein. Insolvenzverwalter Werner Schneider teilte mit, mit den jetzt vorliegenden Kaufangeboten könnten die Werke in Augsburg, Offenbach und Plauen mit "an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit" erhalten werden. "Wir haben inzwischen zwei Bieterkonzepte auf dem Tisch, die am kommenden Mittwoch dem Gläubigerbeirat zur Entscheidung vorgelegt werden", erklärte Schneider in Augsburg.
Einer der beiden Bieter ist laut Finanzkreisen der US-Finanzinvestor Platinum Equity, der andere ein industrieller Investor aus Deutschland. Nach Informationen der "Augsburger Allgemeine" will Platinum alle drei Werke für rund 100 Millionen Euro übernehmen. Die Augsburger IG-Metall-Chefin Christiane de Santana sagte, ein amerikanischer Finanzinvestor habe zwar einen dreistelligen Millionenbetrag geboten, aber noch keine konkreten Aussagen zur Fortführung der Werke und zu seinen Personalplänen gemacht. Außerdem bleibe ein Finanzinvestor in der Regel nicht langfristig an Bord. Die derzeit noch rund 6200 Beschäftigten brauchten eine langfristig tragfähige Lösung. "Nun steht zu befürchten, dass die Gläubigerbanken auf dieses augenscheinlich lukrative Angebot aufspringen", warnte die IG Metall.
Das Konkurrenzangebot stammt laut Santana von einem Unternehmen, das ein langfristiges industrielles Interesse an der Fortführung des Standorts Augsburg hat und konkretere Pläne vorgelegt hat. Es gebe auch Überlegungen zu einer Verzahnung von Augsburg mit dem Werk Plauen. Bei einer vernünftigen Lösung für Augsburg und Plauen sehe Insolvenzverwalter Schneider auch mögliche Lösungen für Offenbach, sagte die Gewerkschafterin.
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In Augsburg arbeiten nach Unternehmensangaben derzeit noch knapp 2200 Beschäftigte, in Offenbach rund 1760 und in Plauen 680. Weitere 1500 sind im Ausland beschäftigt. Der Druckmaschinenhersteller Manroland leidet - wie die gesamte Branche - unter dem Internetboom, schreibt seit Jahren rote Zahlen und musste nach einem weiteren Auftragseinbruch Ende November Insolvenz anmelden. Die bisherigen Eigentümer Allianz und MAN wollten keine weitere Geldspritze mehr geben, haben aber 24 Millionen Euro für Beschäftigungs- und Qualifizierungsgesellschaften zugesagt. Insolvenzverwalter und Gewerkschafter rechnen in jedem Fall mit einem massiven Stellenabbau.
Eine für Dienstag geplante Betriebsversammlung wurde abgesetzt. Der Betriebsrat will zunächst die Verkaufsentscheidung des Gläubigerbeirats am Mittwoch abwarten. Schneider sagte: "Ich gehe davon aus, dass wir am Mittwochnachmittag mit den Gläubigervertretern und sicherungsgebenden Banken eine Einigung erzielen werden." Im Anschluss könnten dann die letzten Vertragsdetails mit dem Käufer oder mit mehreren Käufern ausgehandelt werden. Dann sollten auch mit den Arbeitnehmervertretern die endgültigen Zahlen "über den erforderlichen Stellenabbau festgelegt werden". Der Erhalt möglichst vieler Arbeitsplätze stehe bei ihm ganz oben auf der Agenda, betonte der Insolvenzverwalter.
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Quelle: dpa
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