
25.03.2011, 15:12 Uhr | Financial Times Deutschland
Wird die EnBW für Mappus zu Stolperfalle? (Foto: imago) (Quelle: imago)
Eine Analyse der eigenen Landesbank schreckt die Regierung in Baden-Württemberg auf. Was die Finanzexperten da in den vergangenen Tagen an Kunden schickten, dürfte so manchen Steuerzahler ärgerlich machen - sollte eintreten, wovor die Finanzexperten warnen.
Die Banker rechneten aus, dass eine Wende in der deutschen Atompolitik den EnBW-Konzern wirtschaftlich deutlich schwerer beschädigen würde als die Konkurrenz. Grund sei die vergleichsweise hohe Bedeutung der Atomkraft für das Unternehmen, berichtet die "Stuttgarter Zeitung", die aus dem Papier zitiert.
Beleuchtet werden in der Analyse laut dem Bericht die wirtschaftlichen Folgen der Katastrophe in Japan für das Energieunternehmen. Der EnBW-Aktie drohe ein Abschlag von 30 Prozent, wenn in Deutschland die Laufzeitverlängerung der Reaktoren rückgängig gemacht, an der Brennstoffsteuer aber festgehalten würde. EnBW besitzt vier Atomkraftwerke, wovon zwei von dem dreimonatigen Moratorium der schwarz-gelben Regierung von Kanzlerin Angela Merkel (CDU) betroffen sind: Philippsburg I und Neckarwestheim I. Letzteres soll nach dem Willen von Mappus nie wieder ans Netz.
Baden-Württemberg besitzt mittlerweile 45 Prozent an EnBW. Der Wert dieses Anteils könnte um mehr als 1,3 Milliarden Euro schrumpfen, warnen die Banker. So kurz vor der Landtagswahl dürfte der Regierung in Stuttgart die Debatte unangenehm sein, zumal Ministerpräsident Stefan Mappus (CDU) nach der Japan-Katastrophe quasi über Nacht vom Atomkraftbefürworter zum -aussteiger wurde und es erhebliche Zweifel in der Bevölkerung an der Ehrlichkeit des Schwenks gibt. Kritiker sehen in der Kurskorrektur Wahlkampftaktik.
Vergangenen Dezember hatte Mappus die Öffentlichkeit mit einem aus seiner Sicht äußerst cleveren Schachzug konfrontiert: Seine Regierung hatte damals nicht nur die Übernahme des Anteils im Wert von 4,7 Milliarden Euro angekündigt, sondern auch ein komplexes Finanzgeschäft. Der Kauf sollte nicht mit Steuergeld finanziert werden, sondern mit einer eigens dafür aufgelegten Anleihe.
Da die Zinsen dafür niedriger sind als die jährliche Dividendenzahlung von EnBW, sollte sich der Kauf quasi selbst finanzieren. Nur: Es durfte nichts dazwischenkommen, was die betriebswirtschaftlichen Pläne des Atomkraftwerksbetreibers auf den Kopf stellt. Nur haben unwahrscheinliche Ernstfälle die Eigenschaft, dass sie dann doch eintreten. Bei EnBW ist das schon wenige Monate nach Bekanntwerden des Kaufs der Fall - eben wegen der politischen Folgen der Atomkatastrophe in Japan.
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Das Unternehmen schaltet seinen ältesten Meiler Neckarwestheim I für immer ab. Zwar teilte der Konzern in der vergangenen Woche mit, das Atomkraftwerk werde "freiwillig vorübergehend" abgestellt. Wenige Zeilen später erklärte der Vorstand jedoch, die Nachrüstungsanforderungen der baden-württembergischen Atomaufsicht führten dazu, "dass ein dauerhaft wirtschaftlicher Betrieb und damit ein Wiederanfahren des Kernkraftwerks voraussichtlich nicht mehr darstellbar ist".
Damit verliert der Konzern einen wichtigen Baustein für einen sehr lukrativen Teil seines Geschäfts. Der Meiler erzeugte im Jahr 2008 rund neun Millionen Megawattstunden Strom. Das entspricht zu heutigen Preisen an der Strombörse EEX einem Umsatz von mehr als 500 Millionen Euro.
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Bei vergleichsweise geringen Betriebskosten für Personal und Brennstoff dürfte der operative Gewinn jährlich einen komfortablen dreistelligen Millionenbetrag erreichen. Ein Fehlbetrag dieser Größenordnung könnte das Betriebsergebnis künftig belasten. Genaue Zahlen für einzelne Kraftwerke veröffentlicht EnBW allerdings nicht. Für 2010 erhält das Land eine Dividende von rund 168 Millionen Euro, aus der Baden-Württemberg Zins und Tilgung für die schuldenfinanzierte EnBW-Übernahme zahlen muss. Ob der neue Eigner für 2011 mit einer ähnlich hohen Ausschüttung des Stromversorgers rechnen kann, ist angesichts der neuen Belastungen offen.
Bisher bezeichnete Ministerpräsident Mappus die Diskussion über den Wert von EnBW als "absoluten Quatsch". Durch die LBBW-Studie würden aber die Zweifel neu angefacht, schreibt die "Stuttgarter Zeitung".
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Insgesamt wurden unter den Eindrücken der japanischen Atomkatastrophe sieben deutsche Meiler größtenteils vorübergehend abgeschaltet. Neben Neckarwestheim I und Philippsburg I sind das Biblis A und B (RWE), Isar I (E.ON), Unterweser (E.ON) und das ohnehin stillstehende AKW Brunsbüttel (Vattenfall). Damit werden in Deutschland in den nächsten drei Monaten noch neun Atomkraftwerke Strom liefern.
In Bezug auf die wirtschaftlichen Aussichten für EnBW spielten die Spezialisten der Landesbank drei Szenarien durch, heißt es in dem Bericht. Als wahrscheinlichste Variante gilt, dass es bei den längeren Laufzeiten bleibt, die Sicherheitsanforderungen aber erhöht und ältere Meiler abgeschaltet werden. Denn die schwarz-gelbe Koalition in Berlin könne so "ohne großen Gesichtsverlust" Handlungsfähigkeit demonstrieren. Teuer wären allerdings die Kosten für den Abriss der Altanlagen.
Für weniger wahrscheinlich halten die LBBW-Experten, dass die Laufzeitverlängerung rückgängig gemacht wird. Dies wäre für die Versorger noch zu "verkraften", wenn zugleich die Kernbrennstoffsteuer wegfiele.
Am Markt werde aber eher befürchtet, dass sie bleibe; dies ließen erste Äußerungen aus dem Finanzministerium erwarten. Die Verträge mit den Kraftwerksbetreibern sähen offenbar "keinen Schutz gegen eine solche Variante" vor. Bei diesem Worst-Case-Szenario werde die EnBW-Aktie mit 30 Prozent belastet, die Anteile von E.ON und RWE dagegen nur mit 13 beziehungsweise 14 Prozent.
In der CDU in Baden-Württemberg gibt man sich optimistisch über die Zukunft von EnBW. Landtags-Fraktionschef Peter Hauk rechnet nicht mit einem dauerhaften kräftigen Wertverlust für den Stromkonzern im Falle eines schnellen deutschen Atomausstieges. "Also die Frage einer Augenblicksanalyse ist, glaube ich, nicht geeignet, um für die Zukunft die Frage der Werthaltigkeit eines Unternehmens zu sehen", sagte der CDU-Politiker. Aber am Sonntag wird im Ländle ja auch gewählt.
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Quelle: Financial Times Deutschland
johannes der täufer schrieb:
am 24. März 2011 um 21:29:06
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mappus
wer spricht denn heute noch von dem brutalen polizeieinsatz zu welchem mappus in stuttgart befohlen hat. einem rentner wurde mit einem
wasserwerfer das auge ausgeschossen, keiner wurde zur verantwortung gezogen. mappus steht es ins gesicht geschrieben, brutal und feige.
hat geld verzockt was er nicht erarbeitet hat sondern der mob.
wer den wählt ist ne ganz arme pfanne oder von ihm abhängig.
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Gut erkannt ! schrieb:
am 24. März 2011 um 21:01:26
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@Demokrat
..aber da sieht es ja bei den 5-20% Parteien ja noch schlimmer aus.Die sind dann wahrscheinlich nur von näheren Mitgliedern und
Verwandten gewählt worden.
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Demokrat schrieb:
am 24. März 2011 um 20:53:25
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@Gut erkannt / Parteimathematik
Tja mit der Parteimathematik ist das schon ein Kreutz. Da sind Wahlen und die Partei XYZ hat die Absolute
Mehrheit mit 52% der abgegebenen Stimmen. Jeahr Baby wir sind das Volk. Berücksichtig man dann jedoch die extrem 'gute' Wahlbeteiligung von 44% dann hat die Partei halt schon blos noch ~23 % der Bevölkerung hinter sicht. Aber schreit immer noch wir sind das Volk wir haben die Wähler hinter uns wir machen alles richtig. Ja nee ist klaar.
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