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Markenrecht: Streit um Kölnisch Wasser

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Streit um des Kaisers Wasser

08.06.2009, 11:01 Uhr | FTD, Oranus Mahmoodi

4711 - Streit um Markenname (Foto: Imago)

4711 - Streit um Markenname (Foto: Imago)

Wie heißt es richtig? Eau de Cologne oder 4711 Echt Kölnisch Wasser? Was die beiden Düfte voneinander unterscheidet und wie das Unternehmen Farina gegen Produktpiraten vorgeht.

Name schon lange ungeklärt

Wonach haben denn nun Napoleon, Mozart oder Soraya von Persien gerochen? War es das Echt Kölnisch Wasser oder dufteten sie nach Eau de Cologne? Bis heute kursieren beide Versionen. "Wir sind die älteste Firma in der Branche und können über 300 Jahre hinweg alle unsere Geschäftsverbindungen belegen, so wie zu Goethe, Napoleon oder Thomas Mann.

Familie produziert seit 300 Jahren

Wenn andere Firmen dies für sich reklamieren, sollten sie dies auch durch Unterlagen belegen", sagt Johann Maria Farina, Inhaber des Kölner Unternehmens "Johann Maria Farina gegenüber dem Jülichs-Platz", kurz "Farina gegenüber". Der heutige Chef führt das Haus in der achten Generation, die Familie produziert seit 300 Jahren "Eau de Cologne". Der Hersteller verfügt über das größte Firmenarchiv nördlich der Alpen, er kann bezeugen, wie viel Napoleon tatsächlich bestellt hat und wie oft der Zar von Russland den Duft von Köln orderte. Das 1709 erfundene, für damalige Zeiten leichte und blumige Parfüm fand einen reißenden Absatz, über 60 Höfe wurden bis zum Ersten Weltkrieg beliefert.

Mülhens gründete die Marke 4711 Echt Kölnisch Wasser

Etwa 100 Jahre lang waren der Name Farina und Köln untrennbar miteinander verbunden, bis ein gewisser Wilhelm Mülhens 1804 eine Namenslizenz von einem Farina abkaufte, der kein Mitglied der Parfümeurfamilie war. Ohne Zweifel ein dreister, aber geschickter Zug - schließlich legte Mülhens damit den Grundstein für den Erfolg der Marke 4711 Echt Kölnisch Wasser. Mülhens verkaufte nicht nur seine eigenen Produkte unter dem Namen des Pseudo-Farinas, er veräußerte den Namen auch an andere Dufthersteller.

Produktnachahmer am Start

Damit begann eine regelrechte Farina-Inflation, Plagiate schossen wie Pilze aus dem Boden. "Nachahmer kopieren nicht den Duft, sondern den Markennamen und die Verpackung", sagt Farina. Daher hat man bei Farina die Tulpe als Marke eingeführt. Nach zahlreichen Prozessen verbot das königliche Oberlandesgericht zu Cöln dem Dufthersteller Mülhens und anderen Fälschern 1881, den Namen Farina zu nutzen. So kam Mülhens' Duftwässerchen zu dem weltbekannten Namen, der aus vier Ziffern besteht: 4711, Mülhens damalige Hausnummer in der Glockengasse.

Trennung vor 14 Jahren

Vor etwa 14 Jahren trennte sich die Familie Mülhens von ihrem Unternehmen, die Marke wurde zunächst von Wella, dann von Procter & Gamble und schließlich von Mäurer & Wirtz übernommen. Die Legendenbildung um den wahren Duft von Köln ging indes weiter. So sorgte etwa die Geschichte vom Kartäusermönch - angeblich ein echter Farina, der das Kölnisch-Wasser-Rezept als Hochzeitsgeschenk für Mülhens mitgebracht haben soll, für Unfrieden. Falsch, sagt der Nachfahre des Farina-Gründers. "Das Ganze ist nur ein Imageproblem für uns."

4711 ist ein Luxusprodukt

Der echte Kölner Duft ist im Gegensatz zu 4711 kein Massen-, sondern ein Luxusprodukt. In Deutschland ist 4711 gemessen an der Stückzahl der meistverkaufte Duft, ihm hängt allerdings ein Alte-Tanten-Image an. "In Deutschland verbindet man Kölnisch Wasser mit 4711, außerhalb Deutschlands wird Eau de Cologne anders wahrgenommen", sagt Farina. 85 Prozent der Produktion wird ins Ausland verkauft, auch immer noch an Königshäuser. Mülhens war nicht der einzige, der ein Farina-Plagiat auf den Markt brachte - im Laufe der Zeit zog das Unternehmen gegen insgesamt 1200 Fälschungen vor Gericht.


FTD, Oranus Mahmoodi  

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