Olympia: Milliarden-Geschäft (Foto: Imago)Einen neuen Weltrekord gibt es schon vor Beginn der 29. Olympischen Sommerspiele: Die Gesamteinnahmen aus der Vermarktung der Spiele in Peking gemeinsam mit den Winterspielen 2006 in Turin betragen über fünf Milliarden Dollar (3,2 Milliarden Euro). #
Die Gesamteinnahmen stiegen im Vergleich zu den letzten Spielen um 25 bis 30 Prozent, teilte der Marketing-Chef des Internationalen Olympischen Komitees (IOC), Gerhard Heiberg, mit. In der vorangegangenen olympischen Periode 2002 bis 2005 betrugen die Einnahmen aus den Spielen in Salt Lake City (2002) und Athen (2004) rund 4,2 Milliarden Dollar. Einziger Wermutstropfen: Der niedrige Dollarkurs, offizielle Olympia-Währung, trübt die olympische Hochkonjunktur.
Große Gewinne - hohe Ausgaben
Die mehr als fünf Milliarden Dollar sind jedoch nur ein kleiner Teilbereich jener riesigen Summen, die Olympia in Bewegung setzt. Gastgeber China investiert bis zu 40 Milliarden Dollar in seine Staatsspiele. Die reinen Ausrichterkosten gibt das Organisationskomitee BOCOG mit 2,1 Milliarden Dollar an. Größter deutscher Profiteur ist Siemens: Der Konzern hat einen Auftragsanteil von 1,1 Milliarden Dollar.
Schneller - Höher - Weiter
Ein weiterer Rekord stellt der Olympia-Ausrichter Peking auf: Die Stadt übertrumpft die Sponsoren-Einkünfte des IOC. BOCOG generiert von weltweit 36 Unternehmen insgesamt 1,2 Milliarden Dollar. Darunter sind Firmen wie Volkswagen, Adidas und in der kleinsten Kategorie die Bundesbahn-Tochter Schenker. Experten geben als Faustregel an, dass ein Sponsor das Dreifache seiner Einstandszahlung anwenden muss, um seinen Einsatz durch begleitende PR-Kampagnen lohnend zu machen. Eine Kosten-Nutzen-Rechnung ist kaum möglich. Das gilt auch für die Sponsoren, die sich via IOC in das olympische Geschäft eingekauft haben. Zwölf Weltunternehmen erhielten vom Komitee für insgesamt 866 Millionen Dollar das Recht, die olympischen Ringe zwischen 2005 und 2008 weltweit für Werbezwecke einsetzen zu können.
Konkurrenzfirmen streiten sich um Geschäft
Um den Preis für den Transportausrüster der Spiele in die Höhe zu treiben, vergaben die Chinesen erstmals die Lizenz durch Versteigerung. Volkswagen ließ sich den Sieg im Dreikampf mit General Motors und Toyota um den Titel des olympischen Transporteurs 120 Millionen Dollar kosten. Das sind 105 Millionen Dollar mehr, als Hyundai 2004 an Athen bezahlen musste.
Adidas zahlt etwas weniger für seinen Einstand als Volkswagen. Der Sportartikelhersteller rüstet mehr als 100.000 Helfer und Offizielle mit mehr als 2,5 Millionen Kleidungsstücken und Schuhen aus, kleidet unter anderem das chinesische Team ein und ist mit seinen Produkten in 27 der 28 Sportarten präsent. Und das, obwohl der große amerikanische Konkurrent Nike durch Protest beim IOC durchsetzte, dass die Dreistreifen-Firma in Peking ihre Werbesignale auf Bekleidung verkleinern musste.
Vermarktung total unter der Aufsicht des IOC
Denn das Geschäft des IOC läuft so: Werbeverbot in den Arenen sorgt für "saubere" Wettkampfbilder. Das wiederum ist gut für den Verkauf der Fernsehrechte. Besonders die rein kommerziellen TV- Unternehmen haben dadurch die Chance, ihre eigenen Werbebotschaften umso wirksamer unter das Volk zu bringen. Beispiel NBC: Der US-Gigant lässt sich die Peking-Rechte 894 Millionen Dollar kosten, sein Einnahmeziel liegt jenseits von 1,1 Milliarden Dollar.
Bereits bis 2012 vertraglich geregelt: Gewinne durch Fernsehübertragungen
Mit seinem Kerngeschäft Fernsehen generiert das IOC durch die Peking-Spiele 1,74 Milliarden Dollar. 2004 in Athen waren es noch 1,49 Milliarden Dollar, 2012 in London werden es mehr als zwei Milliarden Dollar sein. Dies ist bereits jetzt schon vertraglich gesichert. Größter Profiteur der Medienverträge: Der Olympia-Organisator mit einem Anteil von jeweils knapp 50 Prozent.
Heftiger Verteilungskampf in der olympischen Familie
Eigentlich müsste in der olympischen Familie ob der Hochkonjunktur eitel Sonnenschein herrschen. Doch das Gegenteil ist der Fall. Die Aufteilung des Kuchens zwischen IOC, den 205 Nationalen Olympischen Komitees (NOK) und den 35 olympischen Sportverbänden zu drei gleichen Teilen steht nur auf dem Papier. Verbände und NOKs sind empört, dass das US-Komitee USOC fast so viel verdient wie sie jeweils zusammen.
Europäische Komitees fühlen sich benachteiligt
Aus altem, längst überholtem Recht ergeben sich für USOC 12,75 Prozent Anteile an den Einnahmen der zwölf Top-Sponsoren des IOC. Zusätzlich erhält das nordamerikanische Komitee zwanzig Prozent von den Zahlungen des US-Fernsehens. Der Kaufkraftverlust des Dollars von fast 30 Prozent in den vergangenen vier Jahren gegenüber dem Euro schmerzt jene IOC-Partner besonders, die Ausgaben in Euro haben.