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Maschinenbau: Digitaler Schutzschild gegen Piraten

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Digitaler Schutzschild gegen Piraten

26.05.2009, 11:26 Uhr | FTD, Lars Reppesgaard

Maschinenbauer wappnen sich gegen Produktpiraten. (Foto: Imago)

Maschinenbauer wappnen sich gegen Produktpiraten. (Foto: Imago)

Wenn nicht die Maschinen kopiert werden, dann die Ersatzteile oder die nötige Software. Der Schutz des geistigen Eigentums wird immer schwieriger.

Ware auf dem Schwarzmarkt

Wenn die Mitarbeiter in indischen Textilfabriken mithilfe von Anlagen der Firma ZSK Stickmaschinen Sonderschichten fahren, ist das für die Fabrikbesitzer meist kein Grund zur Freude. Sie wissen oft nichts davon, wenn nachts oder am Wochenende produziert wird. Die Ware, die auf Grundlage der in den Maschinen gespeicherten Designdateien entsteht, wird auf dem Schwarzmarkt verkauft.

Absicherung der Maschinen

Bei ZSK sind die Sorgen der Kunden bekannt. Doch nicht nur, um sie gegen die Umtriebe einiger Belegschaftsangehöriger zu schützen, ist ZSK dazu übergegangen, die Maschinen durch Verschlüsselungsmechanismen abzusichern. Auch der Programmcode in den Maschinen ist bei Kunden und Konkurrenten so begehrt, dass eine digitale Diebstahlsicherung nötig ist.

Jahrelange Entwicklungsarbeit

Die CAD-Software, die ZSK zum Erstellen von Stickdesigns anbietet, hätten viele Textilunternehmer am liebsten umsonst. Und auch die Steuersoftware, welche die bis zu 56 Stickköpfe autonom arbeiten lässt, ist begehrt. Sie erlaubt es, Textilien in einer Komplexität zu besticken, die andere Stickmaschinen nicht erreichen. "Wir stecken in unsere Software jahrelange Entwicklungsarbeit", sagt Michael Metzler, bei ZSK für die Entwicklung und den Verkauf im Bereich Ateliertechnik verantwortlich. "Wenn sie vogelfrei ist, lohnt es sich irgendwann nicht mehr, sie zu entwickeln."

Sieben Millionen Euro Schaden

Der Präsident des Bundeskriminalamts Jörg Ziercke geht davon aus, dass hinter der Produktpiraterie "organisierte Strukturen stehen". Der deutschen Investitionsgüterindustrie ist durch Plagiate 2007 laut Maschinenbauverband VDMA ein Schaden von sieben Milliarden Euro entstanden.

Kopierbare Ersatzteile

So wie ZSK mit einem dazu gekauften System aus Verschlüsselungshard- und Software setzen inzwischen viele Firmen auf das Prinzip Selbstschutz, um ihre Innovationen abzusichern. Zwar schaffen es Fälscher in der Regel nicht, komplette Anlagen nachzubauen. Die 56-köpfigen Stickmaschinen etwa sind extrem komplexe Produkte, die nicht einfach zu fertigen sind. Doch Komplexität allein bietet keinen hundertprozentigen Schutz gegen Plagiate, sagt Oliver Köster, Wissenschaftler am Heinz Nixdorf Institut der Universität Paderborn. "Es gibt auch bei komplexen Systemen eine Ersatzteilproblematik", sagt er. Das heißt: Einzelne Komponenten, vor allem Verschleißteile, die immer wieder nachgekauft werden müssen, lassen sich auch mit weniger entwickelten Produktionsverfahren herstellen.

Originalteile werden mir Barcodes versehen

So werden etwa die Maschinen, mit denen die Straßendecke bei Erneuerungsarbeiten abgetragen wird, nicht komplett kopiert. Wohl aber die teuren Meißel, die den Teer auflockern und nach einer Stunde verschlissen sind. Viele Unternehmen markieren deshalb ihre Originalteile mit Barcodes, die mit Lasern auf den Oberflächen eingebrannt sind. Selbst optisch kaum von den Originalen zu unterscheidende Nachbauten werden so leicht entdeckt. Der Motorenhersteller MAN Diesel in Ulm schützt auf diese Weise Ventile oder Kolben vor Plagiatoren. "Bei Wartungs- oder Reparaturanfragen bemerken wir immer wieder, dass Kunden nicht unsere Originalteile eingesetzt, sondern Nachbauten gekauft haben", sagt Stephan Timmermann, Vorstand bei MAN Diesel. Die Billigkonkurrenz kann zwar viele Dreh- und Fräseverfahren imitieren, aber keine Laserprägungen.

Raubkopierer werden immer cleverer

Aber bei den Sicherungsverfahren, die spezialisierte IT-Firmen direkt in die Embedded-Systeme von ZSK-Maschinen und anderen Anlagen einbauen, ist zu beobachten, dass die Plagiatoren beständig dazulernen. Inzwischen beschäftigen sie Computerfachleute, die den Abwehrcode in den Maschinen knacken, um dann die Software zu kopieren. "Es ist wie beim Wettlauf zwischen Hase und Igel. Man wird immer wieder ausgehebelt. Man baut ein neues Software-Schloss ein, und Cracker brechen es wieder auf", sagt Metzler.


FTD, Lars Reppesgaard  

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